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Erneuerbare Energien

Strom vom Dach oder vom Feld?

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Helmut Süß
Helmut Süß
am Dienstag, 19.04.2022 - 12:41

Photovoltaik leistet einen wichtigen Beitrag, um unabhängiger von fossiler Energie zu werden. Aber gerade Freiflächenanlagen stehen wegen ihrer Konkurrenz zur Futter- und Lebensmittelerzeugung in der Kritik.

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PV-Module findet man landläufig neben Privathäusern vor allem auf sehr vielen Landwirtschaftsbetrieben, denn auf einem Bauernhof gibt es große Dachflächen: Neben dem Haus können viele Quadratmeter auf Ställen und Scheunen mit PV-Modulen sinnvoll zur Stromerzeugung genutzt werden. Die Energiewende ist überfällig und die Landwirtschaft kann mit dem großen Potenzial an Flächen sehr effektiv dazu beitragen – mit Biogas, mit Photovoltaik-Anlagen und auch mit Windrädern. Alle setzen Grund und Boden voraus. Wir brauchen all diese Arten der Erneuerbaren Energie, den Schwerpunkt sollten wir aber auf den bestmöglichen Ertrag setzen.

E-Autarkie-Demmel

Als „Energiebauer“ kann man z. B. mit Photovoltaik ohne viel Aufwand grünen Strom ernten: auf Dachstühlen oder mit Freiflächenanlagen. Sonnenfelder sind lukrativ und sinnvoll. PV-Freiflächen sind neben einer Südausrichtung auch als Ost-Westanlagen sinnvoll. So erreicht man eine Erzeugung über einen größeren Tageszeitraum und so einen höheren Flächenertrag sowie eine bessere Netzverträglichkeit. Erneuerbare Energie aus Sonne und Wind ist praktisch unendlich vorhanden.

PV-Anlagen sollen vorrangig auf Dächern und an Fassaden genutzt werden. Für PV-Freiflächenanlagen wäre es sinnvoll, die Fläche doppelt zu nutzen: als landwirtschaftliche Fläche und zur Energieerzeugung.

Kontroverse Diskussion zum Thema Agri-PV

Ein viel und kontrovers diskutiertes Thema ist der Bau von Freiflächen-PV auf Ackerflächen. Solche Anlagen sieht man vor allem entlang von Autobahnen und in Gewerbe- sowie Industrieflächen. Sind alle landwirtschaftlichen Flächen für diese Anlagen geeignet?

Der Deutsche Bauernverband (DBV) betrachtet das Ausweiten von Solarparks auf Agrarflächen kritisch. Er fordert, dass lediglich Konversionsflächen und minderwertige Flächen für diese Anlagen verwendet werden. Ansonsten gehe zu viel Ackerland verloren. Viel wichtiger sei besonders jetzt die Flächennutzung für die Lebensmittelversorgung, so der Bauernverband.

Auch der Naturschutzbund (NABU) sieht einige Nachteile bei Freiflächen-PV. Er befürchtet, dass sie die Landschaft durch den Wegebau und die Sicherung der Gelände mit Zäunen zerschneiden. Zudem warnt der NABU vor Flächenversiegelung und Verlust von Lebensraum, Niststätten und Rastplätzen für einige Vogelarten. Manche Menschen empfinden Freiflächen-PV außerdem als störend im Landschaftsbild.

Anders sieht das der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Aufgrund des Ukraine-Kriegs gewinne der Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland an Bedeutung. Sonnenenergie ist gemeinsam mit Windenergie eine zukünftige Säule der Energieversorgung. Deshalb sei es laut dem BDEW so wichtig, einen „Turbo bei der PV zu zünden“, um einen hohen Zubau schnellstmöglich zu generieren. Dazu gehört auch der Ausbau von PV-Anlagen auf Freiflächen. Sehr hanglagige Flächen, die erosionsgefährdet und ertragsschwach sind, eignen sich besonders für Agri-PV.

Ein weiterer Vorteil von Agri-PV ist: Die Fläche lässt sich doppelt nutzen und man kann sie gleichzeitig attraktiv gestalten. Dies ist beispielsweise mit extensiver Beweidung des entstehenden Grünlands mit Schafen, Ziegen oder Rindern möglich. Die Weidehaltung begünstigt die Artenvielfalt der Insekten und Pflanzen. Wichtig ist trotzdem eine naturverträgliche Standortwahl. Es gibt zudem schon Modellprojekte, in denen PV-Freiflächen als Biotopverbund einen sehr guten Beitrag zur Biodiversität bzw. Artenvielfalt leisten können. Auf die jeweilige Planung und Ausgestaltung solcher Flächen kommt es dabei an.

Nachhaltige und unabhängige Energie

Ein schnellerer Ausbau von Erneuerbarer-Energie-Anlagen ist überfällig aus Gründen des Klimaschutzes und um die Abhängigkeiten von Importen fossiler Energieträge – wie Gas, Kohle oder Erdöl zu minimieren mit dem Ziel einer nachhaltigen Energie-Autarkie. Der Ukraine-Krieg führt uns vor Augen, wie abhängig Deutschland von fossilen Importen ist – besonders aus Russland. Um diese Abhängigkeit zu reduzieren und gleichzeitig die Klimaziele zu erreichen, müssen planerische oder rechtliche Hindernisse aus dem Weg geräumt werden.