Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Solarausbau und Landwirtschaft

Solaranlagen auf Ackerland: Flächenfraß und explodierende Pachtpreise?

Freiflächenanlage
Olaf Zinke
am Mittwoch, 07.12.2022 - 15:50

Der Ausbau der Solarenergie verbraucht Ackerland und hat Einfluss auf die Pachtpreise. Die Auswirkungen haben die Thünen-Wissenschaftler Jonas Böhm und Andreas Tietz untersucht.

Freiflächenanlage

Pachtgebote von über 2.500 Euro je ha und Jahr werden für PV-Freiflächenanlagen gezahlt. Der Vergleich mit einer Pacht von 274 Euro je Hektar für Ackerland, zeigt, dass die Verpächter große monetäre Anreize haben, die Fläche für eine PV-Freiflächenanlage zu verpachten.

Aufgrund der aktuellen Rahmenbedingungen erscheinen die Annahmen am wahrscheinlichsten, dass künftig 50 % des PV-Bedarfs durch Freiflächenanlagen gedeckt wird. Die mittlere spezifische Flächeninanspruchnahme liegt in der Größenordnung von 1,4 ha/MWp, sagen die Thünen-Wissenschaftler.

Danach ergibt sich bei einem Ausbauziel von 215 GWp, was bis 2030 als politisches Ziel ausgewiesen ist, ein Flächenbedarf von insgesamt 150.500 ha (inkl. dem aktuellen Bestand) bzw. 0,9 % der aktuell landwirtschaftlich genutzten Fläche, rechnen die beiden Wissenschaftler aus. Für das Ausbauziel von 400 GWp bis zum Jahr 2040 besteht danach ein Flächenbedarf von 280.000 ha bzw. 1,7 %.

Diese Abschätzungen beruhen jedoch auf hohen Unsicherheiten und geben nur einen Anhaltspunkt für die tatsächliche Entwicklung, sagen Böhm und Tietz. Anhand der Ergebnisse wird außerdem deutlich, dass selbst bei einem sehr forcierten Ausbau und unter pessimistischen Annahmen der Flächenbedarf auf weniger als 4 % der aktuell landwirtschaftlich genutzten Fläche beschränkt bleibt.

Verglichen mit der Biogaserzeugung durch Energiepflanzen, deren Anbau aktuell 9,4 % der Fläche einnimmt, wäre der benötigte Flächenanteil verhältnismäßig gering, sagen die Thünen-Forscher. Da PV-Freiflächenanlagen auf die Fläche bezogen deutlich effektiver Strom erzeugen können, kann durch eine Substitution der Energieerzeugung von Biogasanlagen durch PV-Freiflächenanlagen perspektivisch deutlich mehr landwirtschaftliche Fläche für die Nahrungsmittelproduktion verwendet werden, heiß es weiter.Eine Option, den weiteren Flächenentzug für die Nahrungsmittelerzeugung zu begrenzen, könnte darin liegen, die PV-Freiflächenanlagen als Stilllegungsoptionen im Rahmen der flächenbezogenen Agrarförderung anzuerkennen. Hier wird künftig im Rahmen der Konditionalität ein Mindestanteil von 4 % angestrebt.

Folgen für Pachtpreise und Bodenmarkt

Ein steigender Bedarf an Fläche für PV-Freiflächenanlagen, aber auch an Ausgleichsflächen, kann Einfluss auf den Bodenmarkt haben, sagen Böhm und Tietz außerdem. Insbesondere die zum Teil sehr gute Wirtschaftlichkeit von PV-Freiflächenanlagen und die daraus resultierende hohe Zahlungsbereitschaft für die Fläche ist dabei von Bedeutung.

So sind nach Böhm bei großen Anlagen Grundrenten von 10.000 bis 19.000 Euro je ha und Jahr möglich. Ackerbaubetriebe haben im Durchschnitt der letzten Jahre Grundrenten von 270 Euro je ha und Jahr erwirtschaftet. Dieser Vergleich offenbart eine erheblich höhere Rentabilität von PV-Freiflächenanlagen.

Deutlich wird dies vor allem an der aktuellen Pachtgebote von über 2.500 Euro je ha und Jahr, welche nach Böhms Aussage für PV-Freiflächenanlagen gezahlt werden. Der Vergleich mit der deutschlandweiten durchschnittlichen Pacht von 274 Euro je Hektar zeigt, dass die Verpächter große monetäre Anreize haben, die Fläche für eine PV-Freiflächenanlage zu verpachten.

Da die Untersuchungsergebnisse jedoch zeigen, dass zur Erreichung der Ausbauziele nur auf 1,7 % der Fläche überhaupt PV-Freiflächenanlagen errichtet würden, ist zu erwarten, dass es nur zu regional begrenzten Konkurrenzsituationen kommen wird, sagen die Autoren der Studie.

Wie hoch der zukünftige Flächenbedarf von PV-Freiflächenanlagen tatsächlich ist, hängt von am Ende von drei Faktoren ab: (a) der tatsächlich benötigten PV-Leistung, (b) dem Anteil, der auf der Freifläche errichtet wird sowie (c) vom spezifischen Flächenbedarf, sagen die Wissenschaftler.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Prognosen aller drei Variablen mit hohen Unsicherheiten behaftet sind, heißt es abschließend.