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Windenergie

Mit kleinen Windrädern Strom erzeugen – besser als Solar?

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Externer Autor
am Dienstag, 04.10.2022 - 09:13

Kleinwindanlagen erleben in der Energiekrise einen Boom. Aber ist eine Installation ökonomisch und versorgungstechnisch sinnvoll - oder Unfug?

Kleinwindanlage

Die Strompreise steigen und die Versorgungssicherheit nimmt. Viele Menschen suchen deshalb nach alternativen Energiequellen oder wollen sich auch nur unabhängiger von der öffentlichen Versorgung machen. Deshalb erleben Solaranlagen derzeit ebenso einen Boom wie Wärmepumpen.

Eine andere Möglichkeit ist eine sogenannte Kleinwindanlage (KWEA). Sie kann möglichweise eine perfekte Ergänzung zur Solarstromanlage (Photovoltaik) sein, wen bestimmte Voraussetzung erfüllt sind. Dazu zählt als erstes, dass das eigene Grundstück für die Aufstellung einer Mini-Windanlage auch geeignet ist. Dazu kommen noch eine Menge weiterer Anforderungen. So sind KWEA bis zu einer maximalen Gesamthöhe von 10 Metern außerhalb von reinen Wohngebieten und Mischgebieten in den meisten Bundesländern genehmigungsfrei, sagen die Experten der Energieagentur NRW.

Trotz der Verfahrensfreiheit sind jedoch alle Anforderungen zu erfüllen, die in den öffentlich-rechtlichen Vorschriften gestellt werden. Dazu zählen neben bauplanungsrechtlichen Bestimmungen auch bauordnungsrechtliche Bestimmungen, die die Sicherheit der Anlage und des Betriebs gewährleisten, sowie immissionsrechtliche Auflagen, unter die vor allem das Einhalten von Richtwerten nach der „Technischen Anleitung zum Schutzgegen Lärm“ (TA Lärm) fällt, sagen die Experten der Energieagentur. Die maximale Höhe einer Kleinwindanlage in Deutschland beträgt 50 Meter. Diese Maximalhöhe wird in der Praxis aber nur von gewerblichen Kleinwindkraftanlagen ab rund 30 kW Leistung erreicht.

Hohe Strompreise verändern Wirtschaftlichkeit

Wichtigste Voraussetzung für den Erfolg eines kleinen Windrades: die Installation muss an einer windstarken Stelle erfolgen. Eine windstarke Lage ist dann gegeben, wenn der Wind aus Hauptwindrichtung frei anströmen kann. Meistens ist dies aus westlicher Richtung, sagen die Energieberater des Fachportals Kleinwindlagen.

Das Problem ist nämlich: Viele Grundstücke sind von vorherein nicht für den Bau geeignet, sagen die Windkraftexperten. Dazu gehören beispielsweise Lagen inmitten von Wohngebieten im Flachland. Angrenzende Bäume und Gebäude blocken und verwirbeln den Wind. Oder man befindet sich im Windschatten. Und noch eine wichtige Sache ist zu beachten: Bei den bisherigen Strompreisen lohnte sich ein privates Windrad im Garten bis rund 5 Kilowatt Leistung nicht. Die Kosten für den mit der Windanlage erzeugten Strom waren meist höher als der Strompreis, den man zahlen musste.

Man konnte also mit einer Kleinwindanlage im Garten in der Vergangenheit keine Stromkosten sparen, sind die die meisten Experten einig. Das könnte sich aber geändert haben. Mittlerweile nennt das Vergleichsportal Verivox einen Strompreis von 46 Cent – und an der Strombörse kostete Strom zuletzt zwischen 50 und 70 Cent. Anders war die Sache natürlich mit einer gewerbliche Kleinwindkraftanlage ab 10 kW Leistung – die hat sich an einem windstarken Standort durchaus schon in der Vergangenheit gelohnt.

Kosten im Blick behalten – 5kW etwa 25.000 Euro

Für Besitzer von Solaranlagen kann die Kleinwindanlage zudem gute Ergänzung zur Solarstromerzeugung sein. In den windstarken Monaten im Herbst und im Winter erzeugt die Solaranlage nämlich deutlich weniger Strom. Die Experten von Kleinwindanlagen.com nennen für das Jahr 2021 je Kilowatt Leistung ganz grob 5.000 Euro Kosten für die Installation einer Kleinwindanlage. Ein kleines Windrad mit 2,5 kW Leistung würde danach dann etwa 12.500 Euro kosten. Für eine 5 kW Windanlage müsste man 25.000 Euro zahlen. Angesichts der hohen Inflation und des akuten Materialmangels dürften die Kosten 2022 jedoch höher sein. Stand der Technik sind horizontale Windräder, sagen die Windberater. Das ist die gleiche Bauform, wie man sie von großen Windanlagen kennt. Zwar gibt es auch vertikale Windanlagen. Doch die haben nur einen geringen Marktanteil. Der Grund: Die Stromerträge dieser Bauform sind meistens erheblich niedriger. Wichtig ist auch: Das Windrad sollte immer zusammen mit einem Laderegler für die Batterieladung und/oder Wechselrichter für die Einspeisung ins Stromnetz geordert werden. Ein von der Statik auf die Windanlage ausgelegter Mast muss ebenfalls mitgekauft werden. Aus Sicht der Energieexperten besonders wichtig ist: Alle Komponenten müssen aufeinander abgestimmt sein und gut zusammen funktionieren.