Solarenerige

Hürden für Agri-Photovoltaik

Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Mittwoch, 09.06.2021 - 15:14

Inwiewiet Agri-PV-Anlagen "Eingriffe in Natur und Landschaft" in Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes darstellen, entscheiden die Länder.

Solarenergie

Agri-Photovoltaik (Agri-PV) bezeichnet ein Verfahren zur gleichzeitigen Nutzung von Flächen für die landwirtschaftliche Pflanzenproduktion (Photosynthese) und die PV-Stromproduktion (Photovoltaik). Nach Untersuchungen des Fraunhofer Instituts hat sich die Agri-PV-Technologie in den letzten Jahren sehr dynamisch entwickelt und in fast allen Regionen der Welt verbreitet. Die installierte Agri-PV-Leistung stieg exponentiell von ca. 5 MW im Jahr 2012 auf ca. 2,9 GW im Jahr 2018, mit staatlichen Förderprogrammen in Japan (seit 2013), China (ca. 2014), Frankreich (seit 2017), den USA (seit 2018) und zuletzt Korea.

Die Forschungseinrichtung hat den aktuellen Stand in sogenannten Quick-Facts zusammengefasst:

  • Installierte Leistung weltweit ca. 2,9 GW
  • Technisches Potenzial in Deutschland ca. 1,7 TWp
  • Vorteile:
    • riesiges Flächenpotenzial
    • günstiger als kleine PV-Dachanlagen
    • Zusatznutzen für die Landwirtschaft u. a. durch Schutz vor Hagel-, Frost- und Dürreschäden
  • Herausforderungen:
    • duale Flächennutzung im gesetzlichen Regelwerk nicht vorgesehen
    • kein Anspruch auf EU-Agrarsubventionen für Landwirte
    • keine Einspeisevergütung nach EEG

Deutschland steht noch am Anfang

Deutschland hinkt bei der Entwicklung deutlich hinterher. Bisher fördert die Bundesregierung fünf Projekte zur Agri-Photovoltaik (Agri-PV). Sie plant außerdem, die Auswirkungen von Agri-PV auf Natur und Landschaft untersuchen zu lassen. Eine über die für 2022 vorgesehene Ausschreibung hinausgehende spezielle Förderung von Agri-PV-Projekten nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz sei derzeit nicht geplant. Damit befindet sich Deutschland noch auf der Stufe von Modellprojekten beziehungsweise Grundlagenanalyse.

Als Hemmschuh für Agri-Photovoltaikanlagen könnte sich das Bundesnaturschutzgesetz erweisen. Das geht aus der Antwort der Bunderegierung (19/30212) auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion (19/29543) hervor. Ob Agri-PV-Anlagen "Eingriffe in Natur und Landschaft" im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes darstellen, könne nur im Einzelfall geprüft werden. Die Zuständigkeit für solche Entscheidungen liegt bei den Ländern.