Energie

Hoffnung am Biogashorizont

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Heinz Wraneschitz
am Freitag, 27.12.2019 - 14:12

Nach vielen Jahren des Abwärtstrends mehrten sich bei der diesjährigen Biogas-Convention die Hoffnungszeichen für einen baldigen Aufschwung.

Alle zwei Jahre gastiert mit der Biogas-Convention die zentrale Kongressmesse der Biogas- Branche in Nürnberg. Nach vielen Jahren des Abwärtstrends mehrten sich dieses Jahr die Hoffnungszeichen für einen baldigen Aufschwung. 228 Firmen waren auf der Fachmesse präsent wie insgesamt 1060 Tagungsteilnehmern.

Die Branche hatte im aktuellen Jahrzehnt ziemlich zu leiden. Zumindest in Deutschland. Nach Schätzung des Fachverbandes ging hierzulande die Mitarbeiterzahl von 60 000 (Jahr 2011) auf inzwischen 42 000 zurück, verbunden mit einer „Konsolidierung“ bei den Firmen. „Wer übrig ist, tätigt inzwischen 80 Prozent des Umsatzes im Ausland. Beispielsweise Frankreich – aber auch England und Skandinavien sind wichtig“, nennt FVB (Fachverbandes Biogas)-Präsidiumsmitglied Christoph Spurk die Absatzmärkte, in denen aktuell bessere Chancen für die deutsche Biogasanlagen-Firmen existieren.

Aber Verbandspräsident Horst Seide erkennt inzwischen eine „politische Zeitenwende“ für Biogas. Wirtschaftsminister Peter Altmeier habe gesagt: Biogas ist sexy. „Die Bundesregierung deutet an, was sie tun will. Da wird sich einiges für uns ändern“, ist sich Seide sicher. Denn die Biovergärung soll das Problem von Phosphat im Trinkwasser lösen. Denn Phosphat im Grundwasser, Stichwort Düngeverordnung, könnte der Bundesrepublik erhebliche Strafzahlungen einbringen, wenn es nicht bald gelöst wird.

Nur schönes Papier, aber kein Gesetz

Doch leider, so Seide, „gibt es bislang nur ein schönes Papier der Regierung, aber noch kein Gesetz, das sagt, wie die Investitionen künftig angereizt werden sollen.“ Und genau deshalb würden viele Biogasanlagenbetreiber weiter abwarten, statt zu investieren. Als gutes Zeichen wertet Seide, dass die Biogasbranche auf dem jüngsten Agrargipfel der Regierung dabei war. „Wir sind die Problemlöser für die Landwirtschaft, weil wir die Gülle vergären können.“ Außerdem müsse es ja nicht immer der von vielen Seiten kritisierte Mais sein, der als Hauptfutter für die Bakterien verwendet werde: Blühende Zwischenfrüchte und Blumen seien genauso geeignet.

Doch zunächst sieht auch Experte Christoph Spurk nur einen konkreten Annküpfungspunkt: „Im Klimaprogramm der Bundesregierung sind die 75-kW-Gülleanlagen ausdrücklich erwähnt. Und der Bedarf wird dort mit 760 MW beziffert. Das bedeutet: 10 000 mal 75 kW.“

Politisches Zeichen an Ingenieursnachwuchs

FVB-Funktionär Spurk erwähnt zudem einen nicht-landwirtschaftlichen Aspekt: „Wir haben eine international gefragte Technologie. Der Bedarf ist weltweit da. Damit wir Technologieführer bleiben, brauchen wir jedoch ein politisches Zeichen an den Ingenieurnachwuchs.“

Für den Präsidenten des Fachverbandes Biogas ist jedenfalls klar: „Die Regierung muss jetzt schnell handeln. Sonst kann es sein, dass es in Bayern nicht mehr hell ist.“ Denn im Freistaat steht bekanntlich ein Großteil der deutschen Biogasanlagen. Und ohne eine rentable wirtschaftliche Zukunft könnten viele der Anlagen bald abgeschaltet werden – und deren Elektrizität würde folglich im Netz fehlen.

Präsidiumsmitglied Spurk wiederum denkt trotz allem weiter positiv: „Jetzt ist es das falsche Signal, zu jammern.“ Und FVB-Geschäftsführer Gomez ergänzt mit Überzeugung in der Stimme: „Biogas ist wieder etwas wert – wir bekommen den Dreh hin.“

Eine klare Botschaft für die Biogasbranche

Das sieht auch sein Präsident grundsätzlich so. Zudem setzt er auf das geplante Bundesimmissionshandelsgesetz, besser unter dem Begriff „CO2-Bepreisung“ bekannt. Wenn das komme, lasse sich „mit weniger Energieumsatz, aber mit hoher CO2-Reduktion mehr Geld verdienen als heute.“ Für ihn kommt es auch „nicht auf den Einstiegspreis für CO2, sondern auf die Richtung an: Nach oben. Ein Meilenschritt, eine klare Botschaft für unsere Branche“ ist das Gesetz für Horst Seide. Der sicher ist: „Biogas und Biomethan wird immer die kostengünstigste Alternative für das Erreichen der Klimaziele sein.“

Und was ist mit dem von Bundes- und Landesregierungen aktuell beim Thema Öko-Gas oft genannten Wasserstoff, der durch Sonnen- oder Windstrom in Nordafrika erzeugt werden soll? Horst Seide stellt zu diesem Thema fest: „Die ungenützte Gülle liegt heute einfach auf der Hand. Wenn wir jetzt anfangen, in Marokko eine hochtechnologisierte Anlage zu bauen, um mit der Sonne Gas zu produzieren, wann kommt das erste Schiff? Frühestens in zehn Jahren. Bis dahin zumindest ist die verstärkte Vergärung von Gülle und Blumen angesagt.“