Klimabilanz

Gülle: Weniger Methan durch Vergärung

Energie
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Mittwoch, 02.09.2020 - 11:35

Den Anteil der Güllevergärung auf 60 Prozent zu steigern würde ca. drei Millionen Tonnen CO2 vermeiden, schätzt Sandra Rostek, Leiterin des Hauptstadtbüros Bioenergie.

Rund 7.500 Biogasanlagen erzeugen in Deutschland derzeit erneuerbaren Strom und Wärme unter Einsatz von Gülle.  Hinzu kommen über 580 Güllekleinanlagen bis 75 Kilowatt für den landwirtschaftlichen Betrieb. Insgesamt wird rund ein Viertel des hierzulande anfallenden Wirtschaftsdüngers in Biogasanlagen vergoren, was „allein durch die Vermeidung der Methanemissionen jährlich über zwei Millionen Tonnen CO2 einspart“, so die Aussage von Sandra Rostek.

Die Leiterin des Hauptstadtbüros Bioenergie sieht beim Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) dringenden Handlungsbedarf, um für Neu- und Bestandsanlagen Planungssicherheit zu schaffen und den Anteil der Güllevergärung auf 60 Prozent zu steigern – „ein realistisches Ziel, das zusätzlich ca. drei Millionen Tonnen CO2 vermeiden würde“, so Rostek.

Bei unveränderten förderrechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen könne es dagegen zu einem Rückgang der Vergärung von Gülle kommen. Hier müsse vor allem die Sondervergütungsklasse weiterentwickelt werden, über die neue Güllekleinanlagen eine Vergütung erhalten können. „Sonst werden zukunftsfähige Anlagenkonzepte ausgebremst“, sorgt sich die Expertin.

Befürworter wollen Rückbau vermeiden

Eine Gefahr, die auch Dr. Claudius da Costa Gomez sieht. „Wenn funktionstüchtige Biogasanlagen ab 2021 zurückgebaut werden, steht ein wesentlicher Teil der klimafreundlichen Energieversorgung nicht mehr zur Verfügung“, warnt der Hauptgeschäftsführer des Fachverbandes Biogas und fordert, das Potenzial von Biogas im Bereich Gülle- und Abfallvergärung weiter auszubauen.

Derzeit liegt die aus Gülle erzeugte Strommenge bei rund vier Terawattstunden. Bei Erschließung der Hälfte der noch insgesamt verfügbaren Güllemengen ließe sich diese Menge verdoppeln. Dabei verweist der Fachverband auf das vom Umweltbundesamt (UBA) beauftragte Forschungsprojekt "Aktuelle Entwicklung und Perspektiven der Biogasproduktion aus Gülle und Bioabfall." Erarbeitet wurde von den Autoren unter anderem ein Vorschlag zur Anpassung der EEG-Förderung, um mehr Anreize für den Einsatz von Gülle in Biogasanlagen zu schaffen.

Hintergrund: Jährlich fallen mehr als 140 Millionen Kubikmeter Gülle an, die bisher als flüssiger Wirtschaftsdünger auf landwirtschaftlich genutzten Flächen ausgebracht werden. Hinzu kommen etwa 20 Millionen Tonnen Festmist, die sich ebenfalls als Substrat in Biogasanlagen einsetzen lassen.