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Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE)

Großes Potenzial der Bioenergie vernachlässigt

Biogas
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Donnerstag, 28.07.2022 - 07:52

Beim Netzentwicklungsplan Strom für 2023 sieht der BEE noch Nachbesserungsbedarf und kritisiert, dass der Erhalt der Erdgaskraftwerke absurd sei.

Die Bundesnetzagentur hat kürzlich den neuen Szenariorahmen 2023-2037/2045 genehmigt, der die Grundlage für den nächsten Netzentwicklungsplan Strom (NEP) bildet. Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) begrüßt die ambitionierten Ziele, mahnt aber dringend zu Nachbesserungen bei der Elektrolyse, Power-to-X (PtX) sowie der Bioenergie und Geothermie.

Rückbau bei Bioenergie geplant, aber nicht bei Erdgas

Überhaupt nicht nachvollziehbar sei, weshalb das große Potenzial der Bioenergie vernachlässigt und deren Leistung bis 2045 deutlich zurückfahren werden soll. Der Rückbau der Stromproduktion aus Bioenergie beträgt im Vergleich zum heutigen Stand je nach Szenario bis zu 64 Prozent, während für Erdgaskraftwerke im Bestand explizit kein Rückbau vorgesehen wird.

"Das ist absurd angesichts der aktuellen Situation des Gasmangels und der daraus resultierenden Versorgungs- und Kostenkrise", kritisiert BEE-Präsidentin Dr. Simone Peter. Selbst bei einem Einsatz alternativer Brennstoffe verkenne die BNetzA, dass dezentrale Lösungen neben regionaler Wertschöpfung auch Vorteile zum Beispiel bei der Wärmewende in ländlichen Gebieten bieten. Auch die Geothermie und andere ‚sonstige EE‘ würden mit veranschlagten 1 Gigawatt viel zu kurz kommen und die Potenziale bei Weitem nicht ausschöpfen.

Bioenergie ist grundlastfähig

Zudem führt laut Peter die deutlich unterschätzte Sektorenkopplung zu zusätzlichen negativen Auswirkungen im Energiesystem. Die Strommarktdesignstudie des BEE habe gezeigt, dass ein massiver Leistungszubau von Wind- und Solarenergie mit mehr flexibel steuerbarer Leistung einhergehen muss. Dazu zählen die Flexibilitätsoptionen Bioenergie, Wasserkraft, Geothermie, Speicher, KWK oder PtX. Fehlt diese Flexibilität, seien niedrige Marktwerte der Erneuerbaren Energien und eine Ausweitung negativer Strompreise die Folge.

"Damit würde selbst 2050 immer noch keine betriebswirtschaftliche Grundlage für Erneuerbare Energien existieren, was sich negativ auf deren Ausbau auswirkt“, so Peter. Durch die Nutzung der heutigen Biomassepotenziale beziehungsweise Ausweitung auf Rest- und Abfallstoffe oder von Biodiversitäts- und Grünlandflächen können sich Biogasanlagen positiv auf das Marktgeschehen auswirken. Sie können damit vor allem auch hohe Strompreise verhindern, die künftige H2-Gasturbinen erzeugen würden.