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Wirtschaftlichkeit

Freiflächen-Solaranlagen: Kosten unter der Lupe

PV-Freiflächenanlagen lohnen sich im Allgemeinen erst ab fünf Hektar. Bei günstigen Umständen sind aber auch kleinere Größen rentabel, wie viele Beispiele in der Praxis zeigen.
Thünen Institut
am Donnerstag, 29.09.2022 - 12:05

Die Anlagengröße und der rechtliche Rahmen entscheiden über die Wirtschaftlichkeit von PV-Freiflächenanlagen, weniger der Pachtpreis. Das zeigt eine Analyse des Thünen-Instituts.

Eine Rentabilitätsberechnung für Photovoltaik auf Freiflächen sowie Hinweise zum aktuellen Rechtsrahmen bietet die aktuelle Studie „PV-Freiflächenanlagen: Rahmenbedingungen und Wirtschaftlichkeit“, die das Thünen-Institut für Betriebswirtschaft jetzt vorgelegt hat. Wie Studienautor Jonas Böhm feststellt, werden in Wirtschaftlichkeitsprognosen häufig wichtige Kostenpunkte unterschlagen. Zudem fehlten bislang oft handfeste Zahlen zur Durchführung von praxisnahen Beispielrechnungen.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen werden aktuell vor allem durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sowie baurechtliche Vorschriften beeinflusst. Insbesondere Letztere sind der Studie zufolge für große Anlagen außerhalb der EEG-Förderung relevant. Studienautor Böhm hat umfangreiche Annahmen für fünf verschiedene Anlagegrößen sowie vier Standorte im Bundesgebiet erarbeitet und eine Rentabilitätsanalyse durchgeführt. Insbesondere die Kostenstruktur wird detailliert analysiert; unter anderem werden die Anschaffungskosten für Module und Wechselrichter sowie die jährlichen Kosten solcher Anlagen ausführlich betrachtet.

Flächenkonkurrenz

Je nach Standort ist laut Böhm ab einer Anlagengröße von 5 MWp, was einer Fläche von rund 6 ha entspricht, eine wirtschaftliche Realisierung möglich. Begrenzend für eine ökonomische Umsetzung wirkten vor allem die mögliche Anlagengröße, die Zulassung der Fläche durch den Bebauungsplan, die Entfernung zum Netzanschlusspunkt und damit zusammenhängend die Netzanschlusskosten sowie aktuell die Materialverfügbarkeit. Einen geringeren Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit hätten hingegen die Pachtpreise.

Der Studie zufolge liegen seit Mitte 2021 die PPA- (Power-Purchase-Agreement) und Marktpreise oberhalb der EEG-Einspeisevergütung, was zu einer verstärkten Realisierung von Anlagen außerhalb des EEG führen könnte. Diese Anlagen seien unabhängig von den Flächenkategorien des EEG und könnten nahezu an allen Standorten errichtet werden.

In der Folge könnte es eine verstärke Nutzungskonkurrenz mit der Landwirtschaft geben, insbesondere deshalb, weil die erwirtschafteten Grundrenten von PV-Anlagen wesentlich höher ausfallen könnten als die aus der Landwirtschaft, und zwar bis zum Faktor 20, so Böhm. Daher könnte ein gesetzlicher Eingriff zur Bevorzugung von Marginalstandorten für PV-Anlagen gegenüber ackerbaulichen Hochertragsstandorten erforderlich werden.

Keine Umwidmung mehr

Ein weiterer Ansatz zur Verringerung der Flächenkonkurrenz ergibt sich laut Studie aus der Ausnutzung von Synergieeffekten mit der Biodiversitätsförderung, beispielsweise durch extensive Beweidung sowie Agri-Photovoltaik-Konzepte. Für die effektive Verbindung von Naturschutz und PV-Anlagen sei jedoch notwendig, dass die betroffenen Areale zukünftig nicht mehr wie bisher in Industrie-Flächen umgewidmet werden, sondern ihren landwirtschaftlichen Status behalten.