Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Energiewende

Fast die Hälfte des Stroms stammt aus Erneuerbaren Energien

Josef koch
Josef Koch
am Montag, 18.07.2022 - 15:08

Bilanz des Umweltbundesamts zeigt Steigerung bei Biokraftstoffen im Verkehr, dagegen weniger Wärme aus Holz und Biogas genutzt.

Solaranlage-Stalldach

Im ersten Halbjahr 2022 wurde etwa 14 Prozent mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt als in den ersten sechs Monaten des Vorjahres. Nach ersten Schätzungen der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik (AGEE-Stat) lag der Anteil der erneuerbaren Energien am Brutto-Stromverbrauch damit bei etwa 49 Prozent. Im Gesamtjahr 2021 waren es noch 41 Prozent, meldet das Umweltbundesamt.

Im Verkehr stammten mit gut 19,6 Terawattstunden (TWh) im ersten Halbjahr 2022 11 % mehr Energie aus Erneuerbaren Quellen, auch Biokraftstoffe wurden um 11% mehr eingesetzt sowie 14 Prozent mehr erneuerbarer Strom genutzt. Nach den Plänen von Umweltministerin Steffi Lemke soll allerdings der Anteil von Biokraftstoffen aus Getreide oder Raps ab 2023 sukzessive bis 2030 auf null sinken. Weil insgesamt wieder mehr Menschen verreisten, stieg allerdings auch die Nutzung fossiler Kraftstoffe im Verkehr deutlich.

 

Soviel Solarstrom eingespeist wie aus Erdgas- und Kohlekraftwerken

Grafik Stromerzeugung-1_Halbjahr 2022.png

In den ersten sechs Monaten 2022 wurden über 137 TWh erneuerbarer Strom erzeugt. Dies entspricht einer Steigerung um etwa 14 Prozent gegenüber dem 1. Halbjahr 2021.

Gründe für die Entwicklungen waren zum einen günstigere Witterungsbedingungen als im Vorjahr – mehr Wind und mehr Sonnenschein. Darüber hinaus machte sich laut UBA jedoch auch der steigende Zubau an neuen Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) bemerkbar. Mit etwa 33 TWh wurde fast 22 Prozent mehr Strom mit PV-Anlagen erzeugt als im Vorjahreszeitraum.

Zur Einordnung: In beiden Monaten wurde aus PV-Anlagen in etwa so viel Strom ins öffentliche Netz eingespeist wie aus allen Erdgas- und Steinkohlekraftwerken zusammen. Die installierte Leistung von Solaranlagen stieg von 58,7 GW Ende 2020 um etwa 6 Prozent auf 62,4 GW.
 

Die Hälfte des erneuerbaren Strom kommt aus dem Wind

Windenergie

Wegen besserer Windbedingungen als im ersten Halbjahr des Vorjahres stieg die Stromerzeugung aus Windenergie um etwa 18 Prozent von 58 TWh (2021) auf 69 TWh im aktuellen Jahr an.

Die Windenergie steuerte damit etwa die Hälfte des gesamten erneuerbaren Stroms bei. Etwas mehr als vier Fünftel (fast 57 TWh) des Windstroms wurde an Land erzeugt, der Rest von Windenergieanlagen auf See (etwa 12 TWh). Der Zubau neuer Windkraftanlagen an Land liegt im 1. Halbjahr 2022 mit weniger als 0,90 Gigawatt (GW) auf unverändert niedrigem Niveau. Die installierte Leistung stieg so um nur etwa 1,5 Prozent auf 57,0 GW. Nach dem Ziel der Bundesregierung soll die insgesamt installierte Leistung von Windenergieanlagen an Land in 2030 115 GW betragen.

Seit Mitte 2020 wurden keine weiteren Offshore-Windenergieanlagen mehr in Betrieb genommen, mit dem Start neuer Anlagen wird erst Ende des Jahres gerechnet. Derzeit sind Offshore-Windenergieanlagen mit einer Leistung von 7,7 GW installiert.

Stabile Strommengen aus der Wasserkraft

Aus ⁠Biomasse⁠ und biogenem Abfall wurde im ersten Halbjahr 2022 eine Strommenge von knapp 26 TWh erzeugt. Dies entspricht in etwa dem Wert des Vorjahres.

Auch die Stromerzeugung aus Wasserkraftanlagen liegt mit knapp 10 TWh auf dem Niveau des Vorjahres. Der Anteil der Wasserkraft an der erneuerbaren Stromerzeugung sinkt aufgrund des Zubaus bei Wind- und Sonnenenergie kontinuierlich und liegt derzeit bei nur noch 7 Prozent.

Wärme aus Holz und Biogas weniger genutzt

Nach ersten Schätzungen sank die Nutzung erneuerbarer Energien im Wärmebereich im ersten Halbjahr 2021 um etwa 4% auf 111 TWh. Hauptgrund war der mildere Winter.

Ein Blick auf die einzelnen erneuerbaren Wärmequellen zeigt, dass die Nutzung von Holz (minus 6 Prozent) und Biogas (minus 6 Prozent) rückläufig war. Dagegen legte die Wärmenutzung aus Solarthermieanlagen (plus 9 Prozent) und Wärmepumpen (plus 8 Prozent) zu.

Ihr Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
blw digital iphone blw digital macbook
Hefttitelbild Printausgabe Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt