Erneuerbare Energie

EEG-Novelle: Wie sieht es bei Solar aus?

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Helmut Süß
Helmut Süß
am Freitag, 09.10.2020 - 10:22

Aufregerthema EEG-Novelle: Warum die Verbände mit den Vorschlägen zur Solarenergie nur sehr bedingt zufrieden sind.

Wie geht es nach der EEG-Novelle mit den erneuerbaren Energien für bayerische Land- und Energiewirte weiter? Hier die Stellungnahmen der Fachverbände zum Thema Solarenergie in Bayern.

Das sagt der Bundesverband Erneuerbare Energie

Bundesverband Erneuerbare Energie: Der EEG-Entwurf wird voraussichtlich zu einem deutlichen Rückgang des Photovoltaik-Zubaus auf Gebäuden führen. Gleichzeitig wird der Weiterbetrieb tausender bestehender Solarstromanlagen nach Ende des Vergütungszeitraums nicht gesichert, Eigenerzeuger werden durch Marktbarrieren wie die Verpflichtung zum Einbau von Smart-Metern diskriminiert und eine riesige Chance für den dringend notwendigen Ausbau von Speichern bleibt ungenutzt. Es ist völlig unverständlich, warum größere Dächer nun in das Ausschreibungsverfahren einbezogen werden. In Frankreich hat das zu erheblichen negativen Konsequenzen geführt. Auch die Flächenkulisse für Freiflächenanlagen muss erweitert werden. Eine aktuelle Branchenumfrage des Bundesverbandes für Solarwirtschaft mit über 1000 teilnehmenden Solarunternehmen attestiert der EEG-Gesetzesnovelle schlechte Noten: Sie bremse, statt zu beflügeln.

Das sagt der Bauernverband

Bayerischer Bauernverband, BBV: Gerade die Betreiber von Ü20-Anlagen – also Anlagen, die nach 20 Jahren aus der Förderung zu fallen drohen – sind betroffen. Um weiter wirtschaftlich laufen zu können, benötigen Anlagenbetreiber eine Anschlussregelung mit einer Einspeisevergütung von mindestens 5 ct/kWh statt wie bisher vorgesehen 3. Um es Anlagenbetreibern zu erleichtern, auf Eigenverbrauch umzusteigen, muss der Einbau von neuen Zählern bis 100kWp unbedingt bezuschusst werden. Außerdem muss auch eine Umlagebefreiung für Alt-und Neuanlagen bis 100kWp in das EEG aufgenommen werden, um eine dezentrale Energiewende voranzubringen.

Das sagt C.A.R.M.E.N.

C.A.R.M.E.N.: Der Entwurf sieht vor, dass die Flächenkulisse für Freiflächenanlagen erweitert wird, was hinsichtlich der Ausbauziele dringend nötig ist. Ob die Erweiterung der Randstreifen an Autobahnen und Schienenwegen auf 200 Meter – nicht nur – hinsichtlich der Akzeptanz von PV-Freiflächenanlagen der am meisten sinnvolle Weg ist, kann angezweifelt werden. Die vorgesehene Anhebung der Größenbeschränkung von Freiflächenanlagen auf 20 MW installierte Leistung pro Anlage ist angesichts der Ausbauziele nachvollziehbar.

Getrennte Ausschreibungen für große Dach- und Freiflächenanlagen sollen eingeführt und die ausgeschriebenen Volumina dem Ziel der Verdopplung der installierten PV-Leistung bis 2030 angepasst werden. Allerdings sollen Dachanlagen schon ab 500 kW verpflichtet werden, an der Ausschreibung teilzunehmen. Die Teilnahme daran beinhaltet auch ein Verbot des Eigenverbrauchs, weshalb solche Projekte tendenziell eher unter der Schwelle von 500 kW bleiben dürften.

Positiv ist, dass für Anlagen, deren EEG-Vergütungszeitraum abläuft, erstmals eine Anschlussregelung vorgesehen ist. Betreiber von ausgeförderten Anlagen sollen den Strom bis 2027 dem Netzbetreiber zur Verfügung stellen können und dafür den Marktwert abzüglich der Vermarktungskosten erhalten. Ob das ausreicht, um die Anlagen am Netz zu halten, ist zu bezweifeln. Umso mehr, als dass ein Eigenverbrauch eines Teils des Stroms aus solchen Anlagen nur dann erfolgen können soll, wenn diese über ein intelligentes Messsystem verfügen, das für die kleinen Anlagen unverhältnismäßig hohe Investitionskosten erfordert.

Leider hilft diesen Bestandsanlagen auch nicht, dass die EEG-Umlage für Anlagen zwischen 10 und 20 kW für max. 10 MWh des selbst verbrauchten Stroms im Jahr entfallen soll. Diese Regelung ist trotzdem tendenziell positiv zu bewerten.

Alle neuen Anlagen ab einer installierten Leistung von 1 kW sollen mit einem intelligenten Messsystem („Smart-Meter“) ausgestattet werden, was die Investitionskosten auch für kleine Anlagen erhöht. Negativ wirkt sich im Kabinettsentwurf auch aus, dass die Einspeisevergütung jetzt schon dann entfallen soll, wenn der Börsenstrompreis eine Stunde und nicht wie vorher sechs Stunden negativ ist. Diese Regelung betrifft naturgemäß PV-Anlagen, die schwerpunktmäßig um die Mittagszeit einspeisen. Für große PV-Freiflächenprojekte gehen damit weitere Unsicherheiten bei der Wirtschaftlichkeitsplanung einher.

Das sagt der Solarverband

Solarverband Bayern: Grundsätzlich ist mit der EEG-Novelle bisher die Chance verpasst worden, den Zubaukorridor an die benötigten Zubaumengen für alle Energiearten anzupassen. So steht zum Beispiel bei der Photovoltaik derzeit ein Zubauziel von rund 5 GWp pro Jahr. Notwendig um die Klimaschutzziele, die Sektorenkopplung sowie die Herstellung des gewünschten grünen Wasserstoffs zu erreichen, wären aber 15 GWp. Weiterhin wäre eine Stärkung des Eigenverbrauches dringend notwendig, damit der Ausbau auf den Dächern zum Selbstläufer wird. Jedes nicht genutzte Dach bedeutet, dass diese Fläche auf Freiflächen installiert werden muss. Deshalb wäre eine Abschaffung der EEG-Umlage auf selbst oder im selben Haus bzw. Quartier genutzten PV-Strom für alle PV-Anlagen sinnvoll.

Zur Stärkung der Bürgerenergie ist eine Anhebung der derzeit bestehenden Ausschreibungsgrenze von 750 kWp auf 2 MWp sinnvoll. Im Gesetzesentwurf soll allerdings der Sektor der Dachanlagen ab 100 kWp jetzt in die Ausschreibung genommen werden. Damit würden weitere Hürden zur Realisierung von PV-Anlagen auf Dächern im EEG installiert.

Auch die Änderungen, die einen Weiterbetrieb von Ü20-Anlagen möglich machen, reichen nicht weit genug. Zwar ist jetzt ein grundsätzlicher Weiterbetrieb möglich, der Eigenverbrauch wird aber durch die Pflicht von Smart-Metern und die EEG-Umlage nahezu unmöglich gemacht. Mit dem Entwurf werden Ü20-Anlagen nur noch bis zum ersten Defekt eines Moduls oder Wechselrichters betrieben werden, dann ist eine Reparatur nicht mehr lohnend. Für Ü20-Anlagen könnte eine geringfügig bessere Vergütung den Weiterbetrieb sichern. Ausdrücklich begrüßt der Solarverband Bayern im neuen Gesetzesentwurf die Schaffung der rechtlichen Rahmenbedingungen, dass Ü20-Anlagen grundsätzlich weiter betrieben werden können, und die Erhöhung der 110 m Abstände auf 220 m bei Autobahnen und Schienenwegen.