Biogas

Düngung mit Gärrest alleine reicht nicht

Gärrest
TFZ Straubing
am Donnerstag, 29.10.2020 - 15:03

Nachhaltige Biogaserzeugung braucht mehr als eine vernünftige Gärrestdüngung.

Reststoffe der Biogasvergärung werden als wertvoller organischer Dünger auf den Acker zurückgeführt. Ihr Einfluss auf die Bodeneigenschaften kann jedoch nur in großen Zeiträumen festgestellt werden. In einem zehnjährigen Forschungsprojekt haben das Technologie- und Förderzentrum (TFZ) und die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) deshalb untersucht, ob die Düngung mit Gärresten langfristig zu einer nachhaltigen Biogasnutzung beiträgt.

Für einen ausgeglichenen Humushaushalt braucht es mehr

Das erste Fazit: Zwar wirkte sich die organische Düngung insgesamt positiv auf verschiedene Parameter aus. Die Rückführung von Gärresten reicht allerdings in intensiven Fruchtfolgen nicht aus, um einen ausgeglichenen Humushaushalt zu erreichen.

Zur Untersuchung von Humushaushalt, Bodenphysik und Bodenleben haben die Forscher an vier bayerischen Standorten Feldversuche mit Silomais und Winterweizen im jährlichen Wechsel durchgeführt.

Mit der Abfolge von Silomais und Winterweizen ohne Zwischenfruchtanbau wurde dabei eine intensive Bodenbewirtschaftung gewählt, um Einflussfaktoren von außen gering zu halten. Die rückgeführten Gärreste stammten aus Praxis-Biogasanlagen. In einer Versuchsvariante wurde repräsentativ für eine Silomaisverfütterung die Düngung mit Rindergülle untersucht.

  1. Bodenlebewesen: Es war festzustellen, dass die Dichte und Vielfalt der Bodenlebewesen wie Springschwänze und Milben durch Gärrestdüngung nicht verringert wird. Eine Gärrestdüngung in angemessener Höhe ließ auch eine positive Wirkung auf die Regenwurmfauna erkennen. Allerdings profitierten Regenwürmer stärker von der Düngung mit Rindergülle, die mehr leicht verwertbare Kohlenstoffverbindungen enthält.
  2. Bodeneigenschaften: Ebenso lässt die Düngung mit Gärresten keine Verschlechterung der Bodeneigenschaften erkennen: Die Stabilität der Bodenstruktur blieb erhalten, wie auch das Aufnahmevermögen für Niederschläge. Eine erhöhte Anfälligkeit für Verschlämmung und damit ein erhöhtes Erosionsrisiko waren nicht festzustellen.
  3. Humus: Insgesamt zeigte sich ein genereller Rückgang der Humusgehalte, der vor allem der einseitigen und humuszehrenden Fruchtfolge aus Silomais und Winterweizen zuzuschreiben ist. Die Gärrestdüngung kann diesen Rückgang mindern und trägt bezogen auf die ausgebrachte Menge organischer Substanz zur Humusversorgung bei. Hinsichtlich der Humuswirkung führte die Düngung mit Gärresten und Rindergülle zu vergleichbaren Ergebnissen. In intensiven Fruchtfolgen reichen Gärreste allein nicht für eine nachhaltige Bodenbewirtschaftung aus.

Humusmehrende Kulturen integrieren

Dr. Maendy Fritz, Projektkoordinatorin am TFZ, zieht als Fazit: „Das Gesamtsystem muss stimmen. Für eine nachhaltige Biogaserzeugung brauchen wir eine Fruchtfolge, die zu Betrieb und Standort passt. Diese sollte mit humusmehrenden Kulturen, Zwischenfrüchten oder Untersaaten ergänzt werden, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten.“