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Erneuerbare Energie

Bunte Biomasse für Biogas

Hans-Jürgen Frieß, Nina BuschMichael Tröster, FZ Energie und Landtechnik Triesdorf
am Mittwoch, 23.03.2022 - 11:12

Blühende Energiepflanzen: Zehn bayerische Landwirte testen mehrjährige Pflanzenmischung als Rohstoff für Biogasanlage.

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Energie aus Biogas, daraus schöpfen mittlerweile viele Betriebe wichtiges Einkommen. In Bayern wachsen auf rund 335 000 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche Rohstoffe für Biogas.

Durch die gesellschaftliche Diskussion um den Verlust an Biodiversität in der Kulturlandschaft, spielen viele Landwirte mit dem Gedanken, die klassischen Rohstoffe durch mehrjährige, blühende Kulturen zu ergänzen.

In einigen bayerischen Regionen wurden verschiedene „Wildpflanzenprojekte“ initiiert, um den Landwirten den Einstieg in den Anbau von mehrjährigen Blühmischungen zu vereinfachen. So startete der regionale Energieversorger aus Nürnberg in Kooperation mit dem Fachzentrum für Energie und Landtechnik in Triesdorf und der Mittelfränkischen Gesellschaft zur Förderung erneuerbarer Energien und nachwachsender Rohstoffen (MER) im Jahr 2020 das Projekt „Blühende Energiepflanzen für Biodiversität und Klimaschutz“.

Hanfmix auf 20 ha

Neun Landwirte aus ganz Mittelfranken und ein Landwirt aus Unterfranken säten im Jahr 2020 ca. 20 Hektar mit der mehrjährigen Blühpflanzenmischung „Veitshöchheimer Hanfmix“ an und sammelten sowohl Anbauerfahrungen wie Ertragsdaten. Durch die weit verteilten Anbauflächen lassen sich auch regionale Unterschiede hinsichtlich Bodenverhältnisse und klimatischen Gegebenheiten besser beurteilen.

Ertrag: Blühmischungen im Nachteil

Bei der Ertragsauswertung wird deutlich, dass die Blühmischungen im Vergleich zu Silomais im Nachteil sind. Der Ertrag an organischer Trockenmasse lag im ersten Jahr bei durchschnittlich 3,9 t oTM und im zweiten Anbaujahr bei 8,0 t oTM. Im Vergleich dazu liegt der regionale Durchschnittsertrag für Silomais bei 13,3 t oTM pro Hektar (LfL-Deckungsbeitragsrechner).

Auch die Methangehalte unterscheiden sich deutlich: Für Silomais werden 306 Nl CH4/kg oTM angesetzt, die Blühpflanzen lagen nach eigenen Analysen bei 226 Nl CH4/kg oTM.

Ergänzend wird in einem Projektbericht der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau angegeben, dass der TM-Ertrag der Blühpflanzen im Mittel bei 63 % vom Silomais liegt. Beim Methangehalt liegen die Blühpflanzen um 15 % unter Silomais. Damit unterschreiten die Messwerte aus Triesdorf die Erkenntnisse aus ähnlichen Versuchen.

Für eine wirtschaftliche Beurteilung der Blühpflanzenmischung dient Silomais als Vergleich. Neben den Unterschieden im oTM- und Methanertrag pro Hektar sind hierfür auch die Anbaukosten zu berücksichtigen. Da sowohl Silomais als auch die Blühpflanzenmischung mit betriebsüblicher Technik angebaut werden können, spielen für den Vergleich der Anbaukosten ausschließlich variable Kosten eine Rolle. Bei den Blühpflanzen ist eine Nutzungsdauer von fünf Jahren unterstellt.

Mit Hilfe der Tabelle lässt sich die Blühpflanzenmischung als Biogassubstrat ökonomisch – vorläufig – bewerten. Es handelt sich um Erträge aus zwei von fünf vorgesehenen Anbaujahren. Deshalb musste der oTM-Ertrag der Blühpflanzenmischung auch hochgerechnet werden: Hier wird unterstellt, dass der Ertrag aus dem zweiten Anbaujahr, wie oben zuvor beschrieben, auch in den weiteren Jahren so eintreffen wird.

Ohne Subventionierung nicht durchsetzbar

Die Methanerträge der Blühpflanzenmischung lagen im Mittel bei 226 Nm³ Methan je Tonne oTM. Damit werden pro Hektar und Jahr durchschnittlich 1648 Nm³ Methan erzeugt. Die variablen Kosten hierfür liegen nach eigenen Berechnungen bei 752 €/ha. Diese Werte werden nun mit dem Silomais (LfL-Standardwerte) verglichen.

Der Vergleich zeigt, dass der flächenbezogene Methanertrag der Blühpflanzen um 2429 Nm³ Methan zurückliegt. Die Dauerkultur ist aber bei den jährlichen variablen Kosten um 766 €/ha günstiger als der Silomais.

Betrachtet man die variablen Anbaukosten in Cent je Nm³ Methan wird dennoch klar, dass sich die Blühmischung ohne eine Subventionierung nicht durchsetzen kann.

Das Rechenbeispiel verdeutlicht warum: Von einem Hektar Blühpflanzen anstatt Silomais verliert der Biogasbetreiber 2429 Nm³ Methan. Ein Zukauf von 8,3 t TM Silomais gleicht diesen Methanverlust aus. Bei Zukaufskosten (inkl. Ernte) von 124 €/t muss der Biogaserzeuger 1029 €/ha aufwenden.

Ein Großteil davon decken die um 766 €/ha geringeren Anbaukosten der Blühpflanzen. Der übrige Betrag – 263 €/ha – müsste z. B. durch eine Subventionierung ausgeglichen werden.

Das sagen die Praktiker dazu

Markus Sandmann, Baudenbach (Lks. Neustadt/Aisch) wägt den Anbau der Blühmischungen auch unter anderen Aspekten ab: „Die blühenden Felder werden von der Bevölkerung sehr positiv angenommen. Allerdings ist die Ernte, vor allem durch den großen Anteil an Nutzhanf, nicht ganz unproblematisch. Der Fortbestand der Blühflächen wird durch die zukünftigen Vorgaben der EU erschwert. Die Politik sollte eine Nutzung der stillgelegten Ackerflächen zur Anlage von energetisch nutzbaren Blühflächen ermöglichen.“

Martin & Nina Busch, Dambach (Lks. Ansbach): „Als Biogasanlagenbetreiber möchten wir einen Beitrag zu mehr Vielfalt in der Agrarlandschaft leisten und probieren deshalb gerne alternative Energiepflanzen aus. Bei den örtlichen Imkern stießen unsere Blühflächen auf positive Resonanz: An einem Acker wurde direkt ein Bienenkasten aufgestellt.“ Die Blühflächen würden gerade in den Zeiten, in denen sonst kaum etwas blüht, Nahrung für seine Bienen bieten, berichtet ein weiterer Imker.