Recht

Biogasanlagen: Wärmeentnahme zum Marktwert

Biogasanlage-Acker
Wolfgang Vogel, Ecovis-Steuerberater
am Montag, 03.05.2021 - 05:19

Die Wärme einer Biogasanlage, die ein Landwirt zum Heizen seines privaten Wohnhauses nutzt, ist ein Wirtschaftsgut.

Das hat der Bundesfinanzhof entschieden. Zu versteuern ist diese Entnahme mit dem Marktwert.

Geklagt hatte ein Landwirt, der Eigentümer einer Biogasanlage mit Blockheizkraftwerk (BHKW) ist. Einen Teil der Wärme der Biogasanlage verkaufte er an seinen Cousin. Mit dem Rest heizte er das eigene Wohnhaus. Der Cousin bezahlte für die Wärme 2,521 Cent/kWh. Das Finanzamt wollte die Entnahme für das private Wohnhaus mit 7,7 Cent/kWh versteuern. Strittig war, ob es sich bei der Wärme einer Biogasanlage um einen Gegenstand oder einen Nutzungsvorteil handelt.

Wärme ist ein Gegenstand

Vor dem Bundesfinanzhof bekam der Landwirt Recht (Urteil vom 12. 3. 2020, IV R 9/17). Die Wärme, die er privat nutzt, ist ein Gegenstand. Die Entnahme eines Gegenstands erfolgt grundsätzlich zum Marktwert (Teilwert). Dieser entspricht beispielsweise dem üblichen Verkaufspreis an fremde Dritte, solange der hierfür gewählte Preis in der Region üblich ist.

Ausnahmsweise lassen sich auch die Herstellungskosten für die Wärme ansetzen. Da Wärme aber automatisch (als Abfallprodukt) bei der Stromerzeugung entsteht, ist eine Abgrenzung der hierfür entstandenen Kosten in der Realität eher schwierig.

„Nutzen Landwirte Wärme aus der eigenen Biogasanlage mit BHKW für private Zwecke, müssen sie sich nach den regional üblichen Wärmepreisen erkundigen. Ist das nicht möglich, können sie Werte des statistischen Bundesamts heranziehen“, rät Ecovis-Steuerberater Wolfgang Vogel in Leutershausen.