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Regenerative Energie

Biogas: Beitrag zum Klimaschutz

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Helmut Süß
Helmut Süß
am Montag, 13.12.2021 - 08:21

Die Biogas Convention 2021 stand im Zeichen der Klimakonferenz von Glasgow sowie den Lösungsansätzen von Biogas zum Ausstieg aus der Kohle und zur Reduzierung der Methanemissionen.

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Die Zeit drängt und die Aufgaben wachsen: Klimaschutz ist die aktuell größte Menschheitsaufgabe. Die Umstellung auf Erneuerbare Energien muss so schnell wie möglich gelingen – und Biogas spielt dabei eine ganz besondere Rolle. Gut eine Woche nach dem Ende der 26. Weltklimakonferenz in Glasgow startete am 22. November die Tagung der deutschen Biogasbranche – die Biogas Convention 2021 digital.

„Wir lesen aus den Beschlüssen von Glasgow vielfältige Aufgaben und Perspektiven für die Biogasnutzung“, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Fachverbandes Biogas, Dr. Claudius da Costa Gomez. Zwei der wichtigsten Diskussionspunkte auf der Klimakonferenz waren der Ausstieg aus der Kohle und die Reduzierung der Methanemissionen – „für beide Probleme haben wir die Lösungen“, unterstreicht der Verbandsvertreter. Das Klimagas Methan hat vor allem der Präsident der Vereinigten Staaten, Joe Biden, ins Visier genommen. Zu Recht: Methan hat eine 25-mal höhere Klimawirkung als CO2. Mehr als 80 Staaten haben sich in Glasgow einer Initiative der EU und der USA angeschlossen, um den Ausstoß von klimaschädlichem Methan zu reduzieren – bis 2030 um mindestens 30 Prozent.

Perspektiven für die Biogasnutzung

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Auch hier bieten Biogasanlagen praktische Lösungsmöglichkeiten: Allein durch die konsequente Vergärung von Gülle und Mist in Biogasanlagen könnten Methanemissionen aus offenen Güllelagern von über 9 Mio. Tonnen CO2-Äquivalenten vermieden werden.

Nach den 30 Vorträgen in acht Themenblöcken blickt die Branche wieder verhalten optimistisch in die Zukunft – und freut sich auf ein reales Wiedersehen im Rahmen der Messe in Nürnberg vom 7. bis 9. Dezember.

So zieht der Fachverband Biogas von Teil 1 der diesjährigen Biogas Convention & Trade Fair, die erstmals in ihrer 30-jährigen Geschichte an zwei Terminen stattfindet, ein sehr positives Fazit: Im Schnitt haben rund 200 Teilnehmer die acht Vortragsblöcke besucht, was ein Plus von über 60 Teilnehmern im Vergleich zur ersten digitalen Veranstaltung im vergangenen Jahr bedeutet.

Branche zwischen Umbruch und Aufbruch

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„Wir freuen uns über den großen Zuspruch aus der Branche. Das zeigt uns, dass wir sowohl bei der Themenwahl als auch mit den Referierenden den aktuellen Informationsbedarf der Akteure getroffen haben“, resümiert Dr. Stefan Rauh, Geschäftsführer im Fachverband Biogas. Die Branche befindet sich zwischen Umbruch und Aufbruch – und gewinnt für den Strommarkt zunehmend an Bedeutung.

Anhand eines tagesaktuellen Beispiels machte der Präsident des Fachverbandes Biogas, Horst Seide, die Bedeutung von Biogas für den Strompreis deutlich: Am 23. 11. haben die deutschen Biogasanlagen den Strompreis um mehr als 2 Euro je kWh gesenkt, da sie als flexible Kraftwerke das Zuschalten der sehr viel teureren Reservekraftwerke verhindert haben. „Der Strommarkt funktioniert nur noch mit Biogas, flexible Biogasanlagen werden systemrelevant“, fasste Seide zusammen – und gab den Zuhörern damit eine hoffnungsvolle Perspektive für die Biogasbranche mit auf den Weg.

Wasserstoff aus Biogas wirtschaftlich möglich

Darüber hinaus informierten die 30 Referierenden über weitere vielversprechende Optionen für Biogasanlagen-Betreiber, z. B. bei der Düngevermarktung, der Abfallvergärung oder im Bereich Grüner Gase. „Grüner Wasserstoff kann aus Biogas produziert werden, ist ein wirtschaftlicher Pfad und schon heute verfügbar“, versicherte ein Firmenvertreter. Allerdings – auch das wurde auf der Convention deutlich – werden die Auflagen und Vorgaben immer restriktiver und teurer.
„Hier muss die neue Bundesregierung unnötige Hürden abbauen und praxisgerechte Lösungen anbieten“, fordert Rauh. „Wir brauchen jede einzelne Biogasanlage, um die Energieversorgung der Zukunft zu sichern. Vor allem vor dem Hintergrund, dass bis Ende nächsten Jahres sechs weitere Atomkraftwerke vom Netz genommen werden und der Ausstieg aus der Kohle eingeläutet ist.“
Als zuverlässige und flexible Stromproduzenten können Biogasanlagen die Aufgabe von Kohle- und Atomkraftwerken übernehmen. Schon heute können in der Spitze knapp 6000 Megawatt zur Verfügung gestellt werden, wenn die Nachfrage an den Strommärkten besonders hoch ist und Wind- und Solaranlagen den Bedarf nicht decken.

Auflagen werden strenger und umfangreicher

„Biogasanlagen leisten schon heute einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz“, betonte da Costa Gomez – und fordert Rahmenbedingungen mit Augenmaß. „Die an die deutschen Betreiber gestellten Auflagen werden kontinuierlich strenger, umfangreicher und sind immer schwerer einzuhalten.“
Ein aktuelles Beispiel ist die Nachhaltigkeitsverordnung. „Grundsätzlich steht die Biogasbranche zu einer nachhaltigen Produktion von Energie“, verdeutlichte da Costa Gomez. Aber die Nachweisführung müsse in der Praxis umsetzbar bleiben. Es könne nicht sein, dass die Bundesregierung die entsprechende Verordnung Ende November 2021 verabschiedet und die Betreiber diese zum 1. Januar 2022 umzusetzen haben. Hier müssten praxisgerechte Regelungen gefunden werden.
Die im Schnitt rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer pro Tag nahmen die Möglichkeit gerne in Anspruch, sich in sogenannten Breakout-Räumen im Anschluss an die Vorträge untereinander und mit den Referierenden auszutauschen. So wurde der Nutzwert der Online-Veranstaltung gesteigert und das Defizit des persönlichen Fachgespräches und Austausches etwas verringert.