Energiepreis

Ab 2021 kommt der CO2-Preis

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Klaus Reisinger, Daniel F. EiselLandSchafftEnergie am TFZ
am Mittwoch, 23.12.2020 - 05:45

Umsteigen auf Erneuerbare Energien schont Klima und Geldbeutel.

Mit dem 1. Januar 2021 startet das Emissionshandelssystem in Deutschland – auch für die Bereiche Wärme und Verkehr. Für den Ausstoß einer Tonne CO2 werden dann Abgaben in Höhe von 25 € fällig. Die Maßnahme soll die Kosten für die Klimafolgen verdeutlichen, die durch Treibhausgasemissionen verursacht werden und zum Umstieg auf erneuerbare, klimaschonende Techniken animieren.
Mit dem am 18. Dezember 2019 in Kraft getretenen Bundesklimaschutzgesetz hat sich die Bundesregierung das Ziel gesetzt, Deutschland bis 2050 treibhausgasneutral zu machen. Dafür müssen nun entsprechende Maßnahmen umgesetzt werden, die sich im Klimaschutzprogramm 2030 finden. Ein zentrales Instrument auf dem Weg zur Treibhausgasneutralität sieht die Bundesregierung darin, CO2 – und damit auch den Klimafolgen, die durch Treibhausgasemissionen verursacht werden – einen Preis zu geben.
Ursache und Wirkung werden nun direkt gekoppelt und in den Alltag der Menschen geholt. Klimaschutz wird so für alle Bürger einfacher greifbar: Energie sparen bedeutet dann auch konkret Geld zu sparen. Dies soll einen Anreiz schaffen, Erneuerbare Energien stärker zu nutzen und den Umstieg auf klimafreundliche Heizungsanlagen und Fahrzeuge voranzutreiben.

Nationales System des Emissionshandels

Die CO2-Bepreisung von Brennstoffen und Kraftstoffen wird seit dem 20. Dezember 2019 über das Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) geregelt. Unternehmen, die mit Heizöl, Erdgas, Benzin, Diesel oder Kohle handeln, müssen demnach ab 2021 einen CO2-Preis bezahlen.
Mit dem BEHG wurden die Grundlagen für das nationale Emissionshandelssystem (nEHS) geschaffen. Analog zum bestehenden EU-Emissionshandelssystem (EU-EHS), wird die Anzahl der CO2-Zertifikate begrenzt (cap and trade – zu Deutsch: begrenzen und handeln). Galt der EU-weite Handel mit CO2-Zertifikaten bisher nur für Teile der Industrie und Energiewirtschaft, so nimmt das nEHS nun auch die Sektoren Wärme und Verkehr in die Pflicht.
Nach der Einführung des nEHS kaufen die Unternehmen nach Bedarf Zertifikate, die sie auch handeln können. Jedes Zertifikat entspricht einer Tonne CO2 und bildet die „Währung“ des Handelssystems. Jedes Jahr werden entsprechend dem Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung die verfügbaren Zertifikate und somit der Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen verringert.
In einer Einführungsphase von 2021 bis 2025 werden die CO2-Zertifikate zunächst zu einem Festpreis verkauft. Dabei steigt der Preis von 25 €/t im Jahr 2021 schrittweise auf 55 €/t im Jahr 2025. Daran anschließend folgt eine einjährige Übergangsphase mit einem Preiskorridor von mindestens 55 €/t und einem Höchstpreis von 65 €/t. Ab 2027 werden die Zertifikate mit freier Preisbildung am Markt versteigert.

Wen betriffen die neuen Regelungen?

Wer bereits klimafreundlich mit Holz oder einer Wärmepumpe heizt und ein Elektroauto fährt, kann sich entspannt zurücklehnen. Wer dies noch nicht tut, sollte nun genauer seinen eigenen Energiekonsum prüfen, denn die CO2-Bepreisung betrifft grundsätzlich alle Brennstoffe, bei deren Verbrennung CO2-Emissionen entstehen können, besonders aber Diesel, Benzin, Heizöl, Erdgas und Flüssiggas. Für Kohle gelten in den ersten Jahren noch Sonderregelungen, da sich hier die Lieferbeziehungen sehr komplex darstellen und Anlagen oft bereits unter das EU-EHS fallen.
Neben den fossilen sind zwar formal auch biogene Brenn- oder Kraftstoffe vom Anwendungsbereich des Gesetzes erfasst. Jedoch besteht für diese Emissionen aus diesen keine Abgabepflicht von Zertifikaten, wenn die Nachhaltigkeitskriterien erfüllt sind.
Auch wenn die Kosten für die Zertifikate als „Verschmutzungsrechte“ zunächst die Inverkehrbringer, also Brennstoff- und Kraftstoffhandel, tragen müssen, ist davon auszugehen, dass der Handel den Preis der Emissionszertifikate komplett auf den Endkundenpreis aufschlagen wird. Letztlich zahlen also Verbraucher die Abgabe für die verursachten CO2-Emissionen – und haben damit den Schlüssel zum Klimaschutz selbst in der Hand.

Wie entwickeln sich die Endkundenpreise?

Ab 2021 muss an der Zapfsäule deutlich tiefer in die Tasche gegriffen werden: Der Liter Benzin wird zunächst rund sechs Cent teurer, der Liter Diesel sieben Cent.

Schrittweise Erhöhung der Preise für ausgewählte Brennstoffe
Energieträger Einheit 2021 2022 2023 2024 2025
Erdgas kWh 0,5 Cent 0,5 Cent 0,6 Cent  0,8 Cent  1,0 Cent
Superbenzin   l  6 Cent  7 Cent  8 Cent  11 Cent  13 Cent
Diesel  l  7 Cent 8 Cent 10 Cent 12 Cent 15 Cent
Heizöl leicht  l 7 Cent  8 Cent  10 Cent 12 Cent 15 Cent
             

in Euro-Cent ohne Mehrwertsteuer und andere Nebenkosten

Auch für klimaschädliches Heizen werden die Haushalte mehr Geld ausgeben müssen. Der Liter Heizöl soll um sieben Cent teurer werden, die Kilowattstunde Erdgas rund 0,5 Cent. Gleichzeitig sollen die Einnahmen aus dem CO2-Preis dazu dienen, die EEG-Umlage zu senken, um Entlastungen beim Strompreis an Bürger sowie Unternehmen weiterzugeben. Wer also per Wärmepumpe mit Strom heizt, steht unterm Strich besser da, als jemand, der an seiner alten Ölheizung festhält.
Darüber hinaus gibt es attraktive Förderungen beim Heizungstausch, für die Anschaffung von Elektroautos und für energieeffizientes Bauen. In Kombination mit den „Strafzahlungen“ für CO2-Emissionen können diese Hebel helfen, die Ziele zu erreichen, die sich die Bundesrepublik im Klimaschutz gesetzt hat.
LandSchafftEnergie bietet zu allen Fragen rund um die Erneuerbaren Energien kostenlose Beratung. Das Projekt kann dabei auf rund 50 Berater in ganz Bayern zurückgreifen, die bei Fragen rund um die Energiewende Heizungsanlagenbetreiber und Autofahrer unterstützen können. Anfragen können an 09421/300-270 oder landschafftenergie@tfz.bayern.de gestellt werden.