Steuerrecht

Zuschüsse klug versteuern

Aufforstung-Wald-Laubbaum
Thomas Grünner, Steuerberater Treukontax GmbH, Straubing
am Donnerstag, 04.02.2021 - 12:41

Staatliche Fördermittel müssen vom Landwirt als Gewinn versteuert werden. Dabei gilt: Zuschüsse zum Maschinenkauf können auf die Nutzungsdauer verteilt werden. Andere Zuschüsse unterliegen meist sofort der Besteuerung.

Auf einen Blick

  • Zuschüsse stellen entweder Betriebseinnahmen dar oder mindern die Betriebsausgaben.
  • Mit einer guten steuerlichen Beratung kann man den Steuersatz niedrig halten und den Vorteil der Zuschüsse maximieren.

Abschreibungsdauer zählt mit

Güllefass

Am 11. Januar begann der erste Antragsstellungszeitraum für das Investitionsprogramm Landwirtschaft. Zweihundert Millionen Euro standen dabei zur Verfügung. Der Andrang auf die Zuschüsse war jedoch so groß, dass binnen weniger Stunden das Budget ausgeschöpft war. Für die Landwirte, die zum Zug gekommen sind, stellt sich nun die Frage, wie sich ihre Steuerzahllast durch die Zuschüsse verändert.

Allgemein ist zunächst zu klären, was Zuschüsse im Sinne der Steuergesetze sind. Dies ist in den Einkommensteuerrichtlinien unter R 6.5 (1) S.1 geregelt. Danach ergibt sich, dass ein Zuschuss ein Vermögensvorteil ist, den der Zuschussgeber für eine Leistung des Zuschussnehmers gewährt, die in seinem Interesse liegt. Kauft der Landwirt also eine Maschine, welche den gehobenen Umweltstandards genügt, wird dies gefördert, die erhaltene Zahlung ist ein Zuschuss.

Die gekaufte Maschine unterliegt mit der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer der Abschreibung. Die Abschreibung verteilt die Anschaffungskosten über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer und stellt Betriebsausgaben dar. Da die Anschaffungskosten über die Abschreibung als Betriebsausgaben geltend gemacht werden, sind Zuschüsse im Umkehrschluss auch als Betriebseinnahmen zu erfassen.

Gewinnauswirkung anhand eines Beispiels

Bei Nettoanschaffungskosten der Maschine von 100 000 € und einer Abschreibungsdauer von zehn Jahren würde sich eine jährliche Abschreibung von 10 000 € ergeben. Bei einem Zuschuss von 40 % stehen jedoch im ersten Jahr den Betriebsausgaben von 10 000 € Betriebseinnahmen von 40 000 € entgegen, sodass der Kauf der Maschine im ersten Jahr einen Gewinn von 30 000 € auslösen würde, in den folgenden neun Jahren dann jeweils eine Gewinnminderung von 10 000 €.
Die Einkommensteuerrichtlinien regeln jedoch unter R 6.5 (1) S.3, dass der Steuerpflichtige wahlweise die Zuschüsse erfolgsneutral behandeln kann, jedoch dann die Anschaffungskosten der Maschine um die erhaltenen Zuschüsse kürzen muss. Somit würden sich bei den gleichen Zahlen wie in dem oben beschriebenen Beispiel 60 000 € Anschaffungskosten ergeben, welche dann über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abgeschrieben werden würden. Folglich ergäben sich Betriebsausgaben in Höhe von 6000 € je Jahr.
Insgesamt wirkt sich also der Kauf der Maschinen in beiden Fällen mit 60 000 € auf das Ergebnis aus. Der Unterschied liegt jedoch darin, dass bei der ersten Variante im Jahr der Anschaffung durch den Kauf verglichen mit der zweiten Variante ein Mehrgewinn von 36 000 € entsteht, dafür aber in den folgenden neun Jahren ein Mindergewinn von 4000 €.
Aufgrund des progressiven Steuersatzes in der Einkommensteuer sollte es immer Ziel sein, die Gewinne möglichst konstant zu halten, um Spitzensteuersätze zu vermeiden. Ferner bedeutet die sofortige Versteuerung für den Landwirt auch einen Liquiditätsnachteil, da er die auf die Entschädigung entfallene Steuer sofort zu entrichten hat, während er bei Übertragung des Zuschusses auf die Anschaffungskosten die darauf entfallene Steuer konstant über den Abschreibungszeitraum zu entrichten hat. Deshalb ist es nur in Ausnahmefällen sinnvoll, auf das Wahlrecht zu verzichten und die erhaltene Entschädigung sofort zu versteuern.

Das Wahlrecht bei den Gewinnermittlungsarten

Das oben beschriebene Wahlrecht kann sowohl bei der Gewinnermittlung nach Betriebsvermögensvergleich, als auch bei der Gewinnermittlung nach Einnahmenüberschussrechnung angewandt werden. Zwar sind Einnahmen und Ausgaben in der Einnahmenüberschussrechnung grundsätzlich mit dem Zu- bzw. Abfluss zu erfassen, allerdings wird in den Einkommensteuerhinweisen (unter H 6.5) aufgeführt, dass das Wahlrecht in der Einnahmenüberschussrechnung analog anzuwenden ist.
Bei der Gewinnermittlung nach Durchschnittssätzen gem. § 13a EStG kann die Abschreibung für Maschinen nicht als Betriebsausgaben abgesetzt werden. Entsprechend ist der Zuschuss mit dem Grundbetrag abgegolten.

Auswirkung auf den Investitionsabzugsbetrag

Viele der Landwirte, welche Zuschüsse beantragen wollen oder beantragt haben, planen die Investition schon seit längerer Zeit. Dementsprechend sind es auch eine Vielzahl von Betrieben, welche bereits in den vergangenen Jahren Investitionsabzugsbeträge in Anspruch genommen haben. Für diese Landwirte stellt sich die Frage, ob sie die Neuanschaffungen jetzt verwenden können, um die Abzugsbeträge zu übertragen.
Falls dies nicht möglich ist, müssen die Investitionsabzugsbeträge im Jahr der Anschaffung aufgelöst werden. Dies führt einerseits häufig zu größeren Steuernachzahlungen, da Investitionsabzugsbeträge vor allem in gewinnstarken Jahren mit hohen Steuersätzen ein probates Mittel sind, die Steuerzahllast zu senken. Andererseits wird die Nachzahlung ab dem 23. Monat nach Entstehung der Steuer mit 6 % verzinst.
Zuschüsse stehen der Übertragung von Investitionsabzugsbeträgen nicht entgegen. Wird allerdings der Zuschuss als steuerfrei behandelt und werden die Anschaffungskosten um den Zuschuss gekürzt, kann der Investitionsabzugsbetrag lediglich um die gekürzten Anschaffungskosten aufgelöst werden. Hat der Landwirt also in den Vorjahren für eine Investition über 100 000 € den maximalen Investitionsabzugsbetrag in Höhe von 40 000 € gebildet und nun 40 000 € Zuschuss erhalten, kann der Investitionsabzugsbetrag nur in Höhe von 24 000 € (40 % von 60 000 €) übertragen werden, sofern er die 40 000 € Zuschuss nicht im Jahr der Anschaffung versteuern möchte. Dies hätte zur Folge, falls er keine weiteren beweglichen Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens kauft, dass er im Jahr der Bildung des Investitionsabzugsbetrages 16 000 € rückwirkend versteuern müsste.
Praxistipp: Sollte das bei Ihnen der Fall sein, teilen Sie dies Ihrem steuerlichen Berater umgehend mit. Dieser kann bereits jetzt dem zuständigen Finanzamt anzeigen, dass der Investitionsabzugsbetrag rückwirkend aufgelöst werden soll. Somit können die bereits veranlagten Jahre frühzeitig geändert werden.

Zuschüsse und die Umsatzsteuer

Da der Landwirt für die Zuschüsse keine direkte Gegenleistung erbringt, handelt es sich aus umsatzsteuerlicher Sicht um einen nicht steuerbaren Vorgang. Somit entfällt auf die Zuschüsse keine Umsatzsteuer. Die Frage, ob es sich um einen optierenden oder pauschalierenden Betrieb handelt, ist also nur insofern von Bedeutung, wie hoch die Auszahlung der Investitionszuschüsse ist.
Optierende Betriebe können die auf das Anlagegut entfallende Vorsteuer beim Finanzamt geltend machen, während pauschalierende Betriebe diese nicht in Abzug bringen können. Somit ist bei pauschalierenden Betrieben der Bruttobetrag der Investition förderfähig, bei optierenden Betrieben hingegen der Nettobetrag.
Fazit: Die erhaltenen Zuschüsse stellen entweder Betriebseinnahmen dar, oder mindern die Betriebsausgaben. Durch geschickte steuerliche Gestaltungen ist es oft möglich, den Steuersatz niedrig zu halten und den Vorteil für den Landwirt zu maximieren. Zuschüsse sollten also, wenn die Anschaffung betriebswirtschaftlich sinnvoll ist, so gut wie möglich in Anspruch genommen werden, da auch nach Abzug der Steuern mindestens die Hälfte für den Landwirt bleibt.

Zuschüsse für die Wiederaufforstung

Neben den aufgeführten Investitionszuschüssen sind in der Landwirtschaft auch andere Zuschüsse weit verbreitet. Gängig sind hier im Moment vor allem Zuschüsse für die Wiederaufforstung. Diese teilen sich in zwei Bestandteile auf, nämlich

  • in einen Zuschuss für den Kauf der Stecklinge
  • und in einen Zuschuss für die ordnungsgemäße Pflege der Pflanzen in den Folgejahren.
  • Der Zuschuss für den Kauf der Stecklinge ist beim bilanzierenden Landwirt zum Zeitpunkt der Bewilligung als Gewinn zu erfassen. Bei der Einnahmenüberschussrechnung und bei der Gewinnermittlung nach Durchschnittssätzen gem. § 13 a EStG sind die Einnahmen mit dem Zufluss zu besteuern.

    Anders hingegen verhält es sich bei den Zuschüssen, welche für die Pflege der Wiederaufforstungsfläche bezahlt werden. Bei bilanzierenden Landwirten sind diese, falls sie in einem Betrag ausbezahlt werden, auf die Laufzeit der Verpflichtung zu verteilen. Bilanziell wird dies mit einem passiven Rechnungs-Abgrenzungsposten dargestellt. Im Zeitpunkt der Zahlung werden diese also nicht als Gewinn erfasst, sondern in einen gewinnneutralen Posten eingebucht. Dieser wird dann ratierlich über die Laufzeit gewinnerhöhend ausgebucht. Werden die Zahlungen für die Pflege jährlich ausbezahlt, ist kein passiver Abgrenzungsposten nötig. Die Zahlung wird jeweils mit Bewilligung als Gewinn erfasst.

    Anders verhält es sich bei Einnahmenüberschussrechnern und 13a-Betrieben. Diese müssen den Zuschuss mit dem jeweiligen Geldeingang sofort versteuern.