Einkommenskombination

Zusätzliche Einkommensquellen immer wichtiger

Landwirtschaft
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Montag, 20.09.2021 - 09:38

Durch Einkommenskombination versuchen immer mehr landwirtschaftliche Betriebe das Risiko von starken Verdienstschwankungen abzufedern.

Einkommen

Als Einkommenskombinationen werden zusätzliche Einkommen bezeichnet, die mit den Produktionsmitteln des Betriebs erzielt werden, ohne dass eigene landwirtschaftliche Produkte hervorgebracht werden. Ein Beispiel ist die Maschinenarbeit für andere landwirtschaftliche Betriebe. Auch die Direktvermarktung von landwirtschaftlichen Produkten oder die Erzeugung erneuerbarer Energien sind häufig vertreten.

Rund 42 Prozent (110.580 Betriebe) der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland konnten 2020 auf mindestens eine weitere Einkommensquelle zurückgreifen. Etwa 58 Prozent (64.460) dieser Betriebe verfügten über eine einzige zusätzliche Einkommensquelle, während 29.330 Betriebe über zwei und 16.790 Betriebe über eine dritte oder mehr Einkommensquellen verfügten.

In den einzelnen Bundesländern war der Anteil der Betriebe mit Einkommenskombinationen unterschiedlich hoch: Mit verhältnismäßig vielen kleineren Betrieben lag Bayern (52 Prozent) über dem deutschlandweiten Durchschnitt (42 Prozent). In den Stadtstaaten Berlin und Bremen erwirtschaften mit 74 Prozent bzw. 53 Prozent überdurchschnittlich viele Betriebe zusätzliches Einkommen.

Erneuerbare Energien und Wald

Einkommensquellen

Bei der Landwirtschaftszählung 2020 wurden zwölf zusätzliche Einkommensquellen der landwirtschaftlichen und rechtlich ausgelagerten Betriebe erfasst. Die vorherrschende – neben der eigentlichen landwirtschaftlichen Produktion – zusätzliche Einkommensquelle war die Erzeugung erneuerbarer Energien (47 Prozent der Betriebe mit Einkommenskombinationen), gefolgt von der Forstwirtschaft (29 Prozent), den Arbeiten für andere landwirtschaftliche Betriebe (25 Prozent) und der Direktverarbeitung und -vermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse (17 Prozent).

Vor allem in den Stadtstaaten zeigte sich eine relative Häufung von Betrieben mit Direktvermarktung (Berlin: 43 Prozent, Hamburg: 49 Prozent) oder mit Pensionspferdehaltung (Berlin: 60 Prozent, Bremen: 36 Prozent). Die Forstwirtschaft hatte in waldreichen Bundesländern wie Bayern und Baden-Württemberg ihren Schwerpunkt und brachte den Landwirtinnen und Landwirten dort mit 51 Prozent bzw. 22 Prozent häufig ein zusätzliches Einkommen ein.

Anteil stark gewachsen

Im Jahr 2010 lag der Anteil der landwirtschaftlichen Betriebe mit Einkommenskombinationen bei einem Drittel und damit neun Prozentpunkte niedriger als im Jahr 2020. Die Verteilung der Arten der Einkommensquellen änderte sich zwischen 2010 und 2020 kaum.

Damals wie heute bewegte sich der Umsatzanteil aus Einkommenskombinationen bei der Hälfte der landwirtschaftlichen Betriebe auf niedrigem Niveau (zwischen null und zehn Prozent ihres Umsatzes).

Ein gutes Fünftel der Betriebe mit Einkommenskombinationen (23.510) generierte 2020 mehr als die Hälfte des Umsatzes aus zusätzlichen Einkommensquellen. Die verstärkte Diversifizierung der Einkommensquellen ist als eine mögliche betriebswirtschaftliche Strategie zur Streuung von Markt- und Preisrisiken zu sehen.

GbR gewinnt an Bedeutung

GbR

Die Entscheidung, weiter – ganz oder teilweise – von der Landwirtschaft zu leben, ist auch von der Perspektive auf eine Hofnachfolge abhängig.

Dies zeigt sich unter anderem in der Zunahme von Personengesellschaften; diese Rechtsform hatten knapp elf Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in der Landwirtschaftszählung angegeben. Insbesondere die Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR) verzeichneten eine Zunahme seit 2010.

Sie sind ein beliebtes Instrument für die gemeinsame Wahrnehmung der Betriebsleitung durch Eltern und Kinder, bieten aber auch außerhalb der eigenen Familie die Möglichkeit, die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen. Weitere Betriebsformen rechtlicher Art sind die juristischen Personen (zwei Prozent).

Auch wenn die Verteilung historisch bedingt in den verschiedenen Regionen Deutschlands unterschiedlich ist und in den östlichen Bundesländern die Rechtsform „Juristische Person" auf großen Betrieben mehr als im Westen verbreitet ist, überwiegen die Einzelunternehmen mit 87 Prozent der deutschen landwirtschaftlichen Betriebe. Wird ein landwirtschaftlicher Betrieb als Einzelunternehmen geführt, so stellt sich die Frage, ob die Weiterführung des Betriebs bereits geregelt ist.