Arbeitsmarkt

Zahl der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft rückläufig

Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Montag, 06.09.2021 - 09:55

Von März 2019 bis Februar 2020 waren in Deutschland rund 938.000 Arbeitskräfte in der Landwirtschaft beschäftigt.

Angestellte

Diese repräsentativen Zahlen weist die Landwirtschaftszählung 2020 aus. Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, entspricht dies einem Rückgang um 15 % gegenüber der letzten Landwirtschaftszählung in 2010. Im gleichen Zeitraum ging die Zahl landwirtschaftlicher Betriebe um etwa 13 % zurück. Infolgedessen blieb die durchschnittliche Anzahl von 3,6 Arbeitskräften pro Betrieb gegenüber dem Jahr 2010 nahezu stabil.

Dagegen hat sich die Zahl der Arbeitskräfte je 100 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche von 6,6 Arbeitskräften im Jahr 2010 auf 5,6 Arbeitskräfte in 2020 verringert. Diese Entwicklung ist insbesondere auf die wachsenden Betriebsgrößen und die weiter voranschreitende Technisierung und Digitalisierung in der Landwirtschaft zurückzuführen.

In Westen dominieren die Familienmitarbeiter

Bundesländer

Annähernd die Hälfte der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft, nämlich 434.400 Personen, waren Familien­arbeitskräfte in Einzelunternehmen. Weiterhin arbeiteten 228.900 ständig angestellte Arbeitskräfte und 274.700 Saisonarbeitskräfte in den landwirtschaftlichen Betrieben.

Regionale Unterschiede in den Betriebsstrukturen spiegeln sich auch in der Beschäftigtenstruktur wider: Auch in 2020 überwogen in den westlichen Bundesländern die in Einzelunternehmen tätigen Familienarbeitskräfte mit rund 408.600 Personen. Das sind 51 % aller Arbeitskräfte in Westdeutschland. 19 % der in der Landwirtschaft tätigen Personen zählten hier zu den ständig angestellten Arbeitskräften und 30 % waren Saisonarbeitskräfte.

In Osten ist der Anteil an Fremdarbeitskräften höher

In Ostdeutschland dominierten aufgrund der Vielzahl von Personengesellschaften und juristischen Personen die ständig angestellten Arbeitskräfte. Von den insgesamt 135.000 Arbeitskräften in Ostdeutschland zählten 55 % zu den ständig angestellten Arbeitskräften, 19 % zu den Familienarbeitskräften und 26 % zu den Saisonarbeitskräften. 

Hinsichtlich der Saisonarbeitskräfte spielt die geografische Lage eine untergeordnete Rolle, hier beeinflussen vor allem die angebauten Kulturen den Einsatz der Aushilfskräfte. Besonders hoch ist deren Anteil in den Bundesländern mit einem starken Schwerpunkt auf Obst-, Gemüse- und Weinbau wie Rheinland-Pfalz (50 % aller Arbeitskräfte), Hamburg (44 %) und Brandenburg (40 %). Aber auch in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Niedersachsen stellen sie ein Drittel der Arbeitskräfte. 

Frauenanteil bei den Saisonarbeitskräften am höchsten

Von den in der Landwirtschaft tätigen Personen war etwa ein Drittel weiblich. Während sich dieser Anteil bei den Familienarbeitskräften (33 %) und den ständig Beschäftigten (32 %) in etwa wiederfand, lag er mit 43 % bei den Saisonarbeitskräften höher. Auf der Führungsebene zeigt sich wiederum ein anderes Bild: Nur jeder neunte Betrieb wurde 2020 von einer Frau geleitet.

Die meisten Betriebsleiter haben fachspezifische Ausbildung

Zwei Drittel (175.500) aller Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter verfügten über eine landwirtschaftliche Berufsausbildung. Davon hatten knapp 50 % eine berufliche Lehre, eine Berufsschule oder eine einjährige Fachschule und 36 % eine Fortbildung zum Meister oder eine höhere Landbauschule absolviert; knapp 14 % verfügten über ein abgeschlossenes Hochschulstudium.

Ein Drittel der Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter verfügte ausschließlich über praktische Berufserfahrung, ohne eine spezielle landwirtschaftliche Berufsausbildung abgeschlossen zu haben.

In Bayern Abnahme um 12,3 Prozent

Landwirtschaft

Für Bayern ergab die Landwirtschaftszählung 2020 rund 232.600 Arbeitskräfte. Diese arbeiteten in 84.520 landwirtschaftlichen Betrieben. Die überwiegende Mehrheit der Arbeitskräfte bilden mit 68,1 Prozent Familienarbeitskräfte. Das entspricht 158.400 Personen.

32.500 Menschen, knapp 14 Prozent, waren als ständige Arbeitskräfte und 41.800 Personen mit einem Anteil von nahe 18 Prozent als Saisonarbeitskräfte zur Überwindung zeitweiser Arbeitsspitzen beschäftigt.

Der Vergleich zur Landwirtschaftszählung 2010, bei der in Bayern insgesamt 265.100 Arbeitskräfte erfasst wurden, zeigt eine Abnahme um 12,3 Prozent.

Knapp 70 Prozent der Arbeitskräfte waren teilbeschäftigt. Die Umrechnung der Arbeitsleistung der Arbeitskräfte unter Berücksichtigung der Teilbeschäftigung in die Maßzahl „Arbeitskräfteeinheit“ zeigt gegenüber 2010 einen Rückgang um 16,2 Prozent. Dieser ist durch die rückläufige Entwicklung der größten Gruppe der „Familienarbeitskräfte“ bedingt. Diese sanken von 122.800 AK-Einheiten im Jahr 2010 auf 94.100 AK-Einheiten im Jahr 2020.

Währenddessen nimmt die Bedeutung „ständiger Arbeitskräfte“ in dem betrachteten Jahrzehnt mit 22.600 AK-Einheiten. +24,9 Prozent und 6.300 AK-Einheiten saisonalen Arbeitskräfte um 8,6 Prozent zu. Bezogen auf die Personenanzahl nimmt die Gruppe der „Familienarbeitskräfte“ in dieser Zeitspanne um gut ein Fünftel ab.