Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Antragswesen

Wegweiser durch den Mehrfachantrag

Antrag
Albert Zollner, Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
am Donnerstag, 17.03.2022 - 09:17

Der 16. Mai – das ist mit der wichtigste Termin für alle bayerischen Landwirte. Bis dahin müssen sie den Mehrfachantrag 2022 ausgefüllt beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) eingereicht haben.

Derzeit erhalten alle Landwirte per Post die Informationen zum MFA, wie der Antrag kurz genannt wird. Fragen können telefonisch oder per E-Mail geklärt werden.

In Ausnahmefällen ist auch eine sogenannte persönliche Vorsprache möglich. Jedes AELF informiert dazu auf seiner Homepage. Wer den Antrag im Internet nicht alleine auf den Weg bringen, kann sich auch bayernweit durch den Service des BBV, der Maschinenringe und des Landwirtschaftlichen Buchführungsdiensts unterstützen lassen.

Elektronische Beantragung unter iBALIS

Mit dem Mehrfachantrag werden Fördermaßnahmen elektronisch im iBALIS unter www.ibalis.bayern.de beantragt. Der Menüpunkt Förderwegweiser hält alle Merkblätter für die Antragstellung 2022 bereit. Mit dem MFA lassen sich mehrere Fördermaßnahmen gleichzeitig beantragen:

  • Basisprämie und Greeningprämie (Zahlung für dem Klima- und Umweltschutz förderliche Landbewirtschaftungsmethoden),
  • Umverteilungsprämie,
  • Zahlung für Junglandwirte,
  • Ausgleichszulage in benachteiligten Gebieten (AGZ),
  • Auszahlung für Agrarumweltmaßnahmen (AUM),
  • dazu gehören das Kulturlandschaftsprogramm (Kulap) und Vertragsnaturschutzprogramm (VNP),
  • Transaktionskostenzuschuss für ökologische Bewirtschaftung im Gesamtbetrieb (Kulap – B12),
  • Ausgleichszahlungen für Gewässerrandstreifen (GWZ),
  • Prämie für Sommerweidehaltung Weideprämie (Kulap – B60).
Direktzahlungen: Prämien je Hektar*
  Basisprämie     ca. 171 €  
   Greeningprämie      ca. 83 €
 
  
   Junglandwirteprämie     44,27 € (für max. 90 aktivierte ZA)   
   Umverteilungsprämie     1. bis 30. ZA   ca. 50 €
31. bis 46. ZA ca. 30 €
  

* Die endgültigen Beträge für 2022 stehen noch nicht fest. Zur Orientierung werden die Werte aus 2021 dargestellt.

Weiterhin werden darin verpflichtende Angaben gemacht bei Teilnahme an:
  • dem Bayerischen Sonderprogramm für Versicherungsprämienzuschüsse Obst- und Weinbau (Mehrgefahrenversicherung),
  • den Prämienzahlungen für die Umstrukturierung und Umstellung von Rebflächen.

Integrierte Feldstückskarte als Kernstück

Das Kernstück von iBalis ist die integrierte Feldstückskarte. Sie stellt alle Feldstücke eines Betriebs auf hochauflösenden aktuellen Luftbildern rot umrandet dar. Zusätzlich können viele geografische Informationen, z. B. die Digitale Flurkarte (DFK) oder die Abgrenzung verschiedener Gebietskulissen (z. B. Wasserschutzgebiete, Rote und Gelbe Gebiete, Hangneigungskarten) einfach abgerufen werden.

Die grundsätzlichen Vorgaben zum MFA haben sich nicht verändert. Die Neuerungen der GAP ab 2023 greifen erst zur Antragsstellung des Jahres 2023. Nachfolgend die wichtigsten Eckpunkte des MFA 2022:

1. Zahlungsansprüche (ZA)

Die Zuweisung von ZA erfolgte bereits 2015. Nur in bestimmten Fällen ist eine Neubeantragung aus der nationalen Reserve möglich. Verwaltung und Übertragung der ZA erfolgt für die Landwirte in der Zentralen Invekos Datenbank (ZID) unter www.zi-daten.de. Alle ZA haben in Deutschland seit 2019 einen einheitlichen Wert und können mit beihilfefähiger Fläche aktiviert werden. Ebenso ist die ZA-Übertragung bundesweit möglich.

Sollen für das Jahr 2022 noch ZA aufgenommen werden, kann der Übernehmer diese für 2022 nur aktivieren, wenn die Übertragung bis zum 16. Mai erfolgt und die Meldung spätestens bis 10. Juni 2022 in der ZID durch Abgeber und Übernehmer abgeschlossen ist. Zahlungsansprüche haben letztmalig im Prämienjahr 2022 eine Bedeutung und entfallen bei der Umsetzung der GAP ab 2023 in Deutschland.

2. Basis-/Greeningprämie

ZA können nur mit bei der Basisprämie beihilfefähigen Kulturen aktiviert werden. Welche das sind, kann man der Liste zur Codierung der Nutzungen in der „Anleitung zum Ausfüllen des Flächen- und Nutzungsnachweis (FNN)“ entnehmen; sie sind dort in der Spalte „Basisprämie“ mit „B“ gekennzeichnet. Stehen auf einer Fläche des Betriebs beihilfefähige Kulturen, sind diese im FNN mit „B“ zu kennzeichnen und gelten damit als beantragt für die Aktivierung von ZA. Zusätzlich müssen die Flächen dem Betriebsinhaber am 16. Mai zur Verfügung stehen, d. h. vom Antragsteller in eigenem Namen und auf eigene Rechnung bewirtschaftet und grundsätzlich das gesamte Jahr 2022 für landwirtschaftliche Zwecke genutzt werden. Ist dies nicht der Fall, muss eine Fläche mit „N“ gekennzeichnet werden.

Werden Flächen nur kurzzeitig und vorübergehend für nichtlandwirtschaftliche Zwecke (z. B. Parkplätze für Festveranstaltungen) oder zur landwirtschaftlichen Lagerung (z. B. Stroh-, Dunglager) genutzt, können sie dennoch beihilfefähig bleiben. Diese Ausnahme gilt dann, wenn die nichtlandwirtschaftliche Nutzung bzw. die landwirtschaftliche Lagerung
  • während der Vegetationsperiode oder bei mit Kulturpflanzen genutzten Ackerflächen von der Aussaat bis zur Ernte nur eine kurze Zeit (max. bis zu 14 Tage in Folge oder max. 21 Tage im gesamten Jahr 2022) erfolgt und
  • damit keine wesentliche Beeinträchtigung des Aufwuchses der Fläche verbunden ist.
In solchen Fällen sollte man frühzeitig mit dem AELF Kontakt aufnehmen und die geplante vorübergehende nichtlandwirtschaftliche Nutzung abklären. In aller Regel muss sie mindestens drei Tage vorher am AELF online angezeigt werden. Eine nichtlandwirtschaftliche Nutzung, die bereits vor der Antragstellung erfolgte, ist ebenfalls dem AELF mitzuteilen und kann online nachgemeldet werden.
Mit der Beantragung der Basisprämie verpflichtet sich der Antragsteller auch zur Einhaltung der Greeningauflagen auf allen seinen beihilfefähigen Flächen im gesamten Kalenderjahr 2022. Die Basisprämie ist gekoppelt mit dem Greening und kann nicht allein beantragt werden. Betriebe des Ökolandbaus und Teilnehmer der Kleinerzeugerregelung sind von den Greeningauflagen befreit.

3. Mindestgröße

Schläge, die für die Aktivierung von Zahlungsansprüchen beantragt werden, müssen eine Mindestgröße von 0,1 ha aufweisen und mit einem einheitlichen Nutzungscode angegeben werden. Eine Ausnahme gilt, wenn Ackerstreifen an Waldrändern oder Pufferstreifen und Feldränder als ökologische Vorrangflächen (ÖVF) beantragt werden; diese müssen zusammen mit der angrenzenden Ackerfläche mindestens eine Größe von 0,1 ha erreichen. Flächen, welche die Mindestgröße nicht erreichen, sind mit „N“ anzugeben.

Für Schläge, die zumindest teilweise durch die gesetzlichen Bewirtschaftungsbeschränkungen auf Gewässerrandstreifen (GWR) nach Art. 16 BayNatSchG oder § 38a WHG entstehen, beträgt die Mindestschlaggröße 0,01 ha. Hierzu ist es erforderlich, dass die GWR im iBalis, Menü „Feldstückskarte“ in der Ebene „Gewässerrandstreifen“, digitalisiert werden.

4. Umverteilungsprämie

Zusätzlich zur Basis- und Greeningprämie kann die Umverteilungsprämie für die mit Fläche aktivierten ZA beantragt werden. Sie wird für maximal 46 aktivierte ZA gewährt, wobei für die ersten 30 ZA der volle Prämiensatz und für bis zu 16 weitere ZA ein reduzierter Prämiensatz ausbezahlt wird. Mit der Umverteilungsprämie werden kleinere Betriebe bessergestellt.

5. Junglandwirte

Junglandwirte mit Anspruch auf die Basisprämie erhalten auf Antrag zusätzlich die Zahlung für Junglandwirte. Sie wird für maximal 90 aktivierte ZA gewährt. Als Junglandwirt gilt eine natürliche Person, die sich erstmals in einem landwirtschaftlichen Betrieb als Betriebsleiter niederlässt oder sich während der fünf Jahre vor der erstmaligen Beantragung der Zahlung für Junglandwirte niedergelassen hat und im ersten Jahr der Beantragung der Basisprämie nicht älter als 40 Jahre ist. Für den Mehrfachantrag 2022 sind dies die Geburtsjahrgänge 1982 oder später. Ist der Betriebsinhaber eine juristische Person oder eine Vereinigung von natürlichen Personen (z. B. GbR), so kann die Zahlung für Junglandwirte grundsätzlich auch in diesen Fällen dem Betriebsinhaber gewährt werden. Der Junglandwirt muss den Betrieb als Betriebsleiter wirksam und langfristig kontrollieren (Vetorecht). Beim häufigen Fall der GbR muss der Junglandwirt sowohl Geschäftsführer als auch Gesellschafter sein.

Wichtig ist auch, dass die Niederlassung vor der erstmaligen Beantragung der Zahlung für Junglandwirte erfolgt ist. Die Junglandwirteprämie wird für einen Zeitraum von fünf aufeinanderfolgenden Jahren ab erstmaliger Antragstellung gewährt.

6. Kleinerzeuger

Im Jahr 2015 konnten sich Antragsteller einmalig zur Teilnahme an der Kleinerzeugerregelung entscheiden. Sie unterliegen damit nicht den Vorschriften des Greenings und der Cross-Compliance, jedoch gelten die fachrechtlichen Vorschriften unverändert. Der Landwirt erhält hierbei für seine beantragte Fläche die Direktzahlungen aus Basis-, Greening-, Junglandwirte- und Umverteilungsprämie; max. 1250 € pro Jahr. Kleinerzeuger haben die Möglichkeit im Mehrfachantrag einen Ausstieg aus dieser Regelung zu erklären.

7. Ausgleichszulage in benachteiligten Gebieten

Durch den intensiven Einsatz Bayerns wird im Jahr 2022 weiterhin die Übergangszahlung („Phasing out“) in der historischen, also bis 31. 12. 2018 gültigen benachteiligten Agrarzone gewährt. Die Ausgleichszulage können Landwirte mit Betriebssitz in Bayern erhalten, die mindestens 3 ha LF in benachteiligten Gebieten Bayerns bewirtschaften. Die Höhe der Förderung richtet sich nach dem Grad der Benachteiligung der förderfähigen Fläche und wird nach dem Bewirtschaftungssystem differenziert. Der Grad der Benachteiligung richtet sich nach der durchschnittlichen Ertragsmesszahl (EMZ) der förderfähigen Flächen des Antragstellers. Die Einstufung in ein Bewirtschaftungssystem orientiert sich am Anteil der Dauergrünlandfläche an der LF (nur die in Bayern gelegenen Flächen). Die Förderhöhe ist gestaffelt und beträgt:

  • für Betriebe im Bewirtschaftungssystem „Dauergrünland ab 65 % der LF“ gestaffelt nach Durchschnitts-EMZ: 50 – 200 €/ha;
  • für Betriebe im Bewirtschaftungssystem „Dauergrünland unter 65 % der LF“ gestaffelt nach der Durchschnitts-EMZ: 25 – 100 €/ha;
  • für anerkannte Almen/Alpen und für Flächen über 1000 Meter unabhängig vom Grad der Benachteiligung 200 €/ha.
Darüber hinaus können ergänzende Zuschläge gewährt werden:
  • Agrarstrukturzuschlag: für Feldstücke < 0,5 ha (50 €/ha)
  • Hangzuschlag: für Steilflächen > 20 % Hangneigung (50 €/ha)
Bei Betrieben mit mehr als 75 ha LF wird der Förderbetrag nach einem festgelegten Schlüssel anteilig gekürzt.

8. Agrarumweltmaßnahmen

Über den Mehrfachantrag ist von allen Betrieben, die am Kulap oder VNP teilnehmen, die Einhaltung der Verpflichtungen für alle vereinbarten Maßnahmen zu bestätigen. Die Daten im Mehrfachantrag bilden die Grundlage zur Berechnung der jährlichen Auszahlung.

Neu eingeführt wird ein Transaktionskostenzuschuss für die ökologische Bewirtschaftung des Gesamtbetriebes: Er wird für den zusätzlichen Arbeitszeitbedarf für die Betriebsführung, beschränkt auf die Bereiche Aufzeichnungen, Antragswesen, Information und Weiterbildung zur Erfüllung der EU-Vorgaben gewährt. Die anfallenden Mehraufwendungen werden mit 40 €/ha, max. 600 € je Betrieb vergütet. Die Beantragung setzt die Teilnahme an der Kulap-Maßnahme B10 – Ökologischer Landbau im Gesamtbetrieb sowie den Betriebssitz in Bayern voraus und ist von Landwirten zu beantragen, die erstmals an B10 teilnehmen, aber auch von solchen, die bereits 2021 und/oder den Vorjahren an B10 teilgenommen haben.

Neue Codes

Zur Antragstellung 2022 gibt es neue Nutzungscodes:
NC 188 Reis im Trockenanbau
NC 512 Iberischer Drachenkopf
NC 612 Schwarzer Senf
NC 825 Kernobst
NC 826 Steinobst
Der Nutzungscode 821 Kern- und Steinobst fällt weg.