Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Milchpreis

Tierwohl: Süddeutsche Milchbauern brauchen über 16 Cent/kg mehr

Braunvieh_Septemberweide
Josef koch
Josef Koch
am Donnerstag, 22.09.2022 - 08:45

Eine Studie des MEG Milch Boards zeigt die Mehrkosten für mehr Tierwohl in Milchviehbetrieben.

Grafik_Mehrkosten Tierwohl-MEG Milch Board.jpg

Süddeutsche Milchviehhalter benötigen mindestens 16 Cent/kg Milch mehr, wenn sie in ihren Ställen für mehr Tierwohl sorgen wollen. Damit liegen die Kosten deutlich höher als in anderen Regionen. Grund sind die kleineren Tierbestände im süddeutschen Raum. Daher liegen schon die derzeitigen Milcherzeugungskosten in dieser Region nach MEG Milch Board-Angaben bei rund 52,4 Cent/kg Milch.

Im Osten Deutschlands liegen die Zusatzkosten für mehr Tierwohl bei 10,6 Cent/kg, im Norden bei rund 12 Cent/kg Milch.

Das geht aus einer Studie hervor, die die MEG Milch Board beim Büro für Agrarsoziologie und Landwirtschaft in Auftrag gegeben hat.

Umfassende PraeRI-Studie als Ausgangspunkt

Ausgangsbasis dafür war die 2021 veröffentlichte „PraeRi-Studie“. Diese hat konkretisiert, was von vielen Milchviehbetrieben umgesetzt werden müsste, damit möglichst viele Milchkühe von tiergerechteren Haltungsbedingungen und mehr Tierwohl profitieren. Die PraeRi-Studie zur Gesundheit von Milchkühen in Deutschland hat das Bundeslandwirtschaftsministerium gefördert. Erstellt haben sie die veterinärmedizinischen Fakultäten der Freien Universität Berlin, der Ludwig-Maximilians-Universität München und die Tierärztliche Hochschule Hannover.

Bei vielen Milchviehbetrieben in dieser Studie waren die Laufställe inzwischen veraltet und erfüllten nicht die aktuellen Platz- und Haltungsansprüche. Neben dem fehlenden Platzbedarf in den Liegeboxen und den zu kleinen Lauf- und Liegeflächen waren viele Ställe hinsichtlich des Tier-Liegeplatz-Verhältnisses und des Tier-Fressplatz-Verhältnisses deutlich überbelegt und hatten keine Laufhöfe.

Detaillierte Kosten für unterschiedliche Standards

Die aktuelle MEG Milch-Board-Studie stellt detailliert die Kosten für einzelne höhere Tierwohl-Standards dar. So verursachen Investitionen in mehr Platz und mehr Komfort im Stall Kosten von 2,68 Cent (Region Ost) bis 5,24 Cent (Region Süd) pro Kilogramm Milch. Darin enthalten sind ein weiteres Tier-Liegeplatz- und Tier-Fressplatz-Verhältnis, zusätzliche Kranken- und Abkalbebereiche sowie beispielsweise Kuhbürsten. Das Einrichten eines Laufhofs schlägt mit 2,16 (Region Ost) bis 3,03 Cent (Region Süd) pro Kilogramm Milch zu Buche.

Ist in bestimmten Programmen Weidehaltung erwünscht, kommen Kosten von 5,55 Cent in der Region Ost bis 7,34 Cent pro Kilogramm Milch in der Region Süd auf die Milchviehhalter zu.

Basis für Preisverhandlungen

„Ein wichtiger Aspekt in dieser Studie ist der Faktor Mensch“, so der Vorstandsvorsitzende der MEG Milch Board Frank Lenz. Mehr Tierwohl könne nur durch qualifizierte Betreuung gewährleistet werden. Deshalb wurden auch die anfallenden Kosten für Management und Qualifizierung der Arbeitskräfte von 0,24 Cent (Ost) bis 0,72 Cent (Süd) pro Kilogramm Milch mitberücksichtigt.

„Tierwohl ist was wert!“, stellt Lenz fest. „Nun haben wir zu dieser emotionalen Aussage auch wissenschaftliche Fakten, die den monetären Wert widerspiegeln. Damit klar ist, ab welchem Preis Tierwohl am Markt zu haben ist“, meint der MEG Milch Board -Vorsitzende. Schließlich müssten die Kosten der Milchviehhalter für Investitionen in mehr Tierwohl zumindest gedeckt sein. Er sieht die Studie als „fachliche Grundlage“ für Preisverhandlungen über mehr Tierwohl für die Kühe.

Ihr Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
blw digital iphone blw digital macbook
Hefttitelbild Printausgabe Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt