Provisionen

Streit nach Pferdevermittlung

Pferde-in-Dunkelheit
onlineurteile.de
am Donnerstag, 02.12.2021 - 10:06

Was gilt für die Provision bei einer Vermittlung, wenn das Geschäft sich als nicht vertragskonform erweist?

Eine GmbH vermittelt Pferde, vor allem Ponys, und betreibt eine Verkaufsplattform. Auf ihrer Homepage bot sie 2018 das Pony A eines niederländischen Verkäufers mit folgender Angabe an: „International FEI erfolgreich, holländischer Champion“. Eine Reiterin kaufte das Turnierpferd für 30.000 Euro und zahlte der Vermittlerin Provision.

Im Kaufvertrag wurde vereinbart, bei Wiederverkauf könne das Pony von der GmbH vermarktet werden. So richtig überzeugt war die Käuferin nämlich nicht. Ihre Zweifel an den behaupteten „FEI-Erfolgen“ (FEI: Internationale Reiterliche Vereinigung) erwiesen sich als begründet. Ihre Nachfrage bei der Vereinigung ergab, dass das Pferd bei deren Turnieren keine Erfolge vorzuweisen hatte.

Reiterin verlangt Schadenersatz

Daraufhin wollte die Reiterin das Tier nicht mehr haben und verlangte Schadenersatz: Man habe sie mit falschen Angaben getäuscht. Da es der Vermittlerin gelang, das Pony weiterzuverkaufen, ging es vor Gericht im Wesentlichen um die Provision. Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm bejahte den Anspruch der Käuferin auf Rückzahlung (2 U 122/19). Die GmbH habe eine Nebenpflicht aus dem Vermittlungsvertrag über den Ankauf des Ponys verletzt.

Normalerweise dürften sich Makler und Vermittler auf die Angaben der Verkäufer verlassen. Sie müssten keine Nachforschungen anstellen, betonte das OLG, sondern nur die Informationen des Verkäufers fehlerfrei weitergeben. Aber: Wenn sie über die Kaufsache nur wüssten, was ihnen der Verkäufer mitteilte, seien sie verpflichtet, Kaufinteressenten darauf hinzuweisen. Wer das unterlasse, müsse für objektiv falsche Angaben sehr wohl einstehen. Anspruch auf Provision habe die Vermittlerin daher nicht.