Aufforstung

Steuern: Aufforstung sofort absetzen?

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Toni Kreckl, Michaela Schön, Sebastian Gruber, Steuerberater, Treukontax Informationsabteilung, BBV Steuerberatung, München
am Donnerstag, 05.08.2021 - 09:54

Nach den vielen Kalamitätsereignissen im Forst müssen die Waldbauern jetzt wieder aufforsten. Da stellt sich die Frage: Welche Kosten sind sofort absetzbar und welche müssen aktiviert und abgeschrieben werden.

Die Stürme, Hitzeperioden und Dürren der letzten Jahre und der nachfolgende Schädlingsbefall haben in Deutschland zu einem immensen Anfall von Kalamitätsholz und einbrechenden Holzabsatzmärkten geführt. Ein erster Schritt des Gesetzgebers war, im Frühjahr 2021 das Forstschädenausgleichsgesetz zu aktivieren, um negative Auswirkungen der Schadereignisse auf den Holzmarkt zu kompensieren. Nun steht die tatsächliche Aufarbeitung der Schäden in den betroffenen Waldgebieten an. Hierbei gilt es auch, die größtmögliche steuerliche Absetzbarkeit von Kosten zu beachten.

Der Baumbestand ist ein eigenes Wirtschaftsgut

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Der stehende Baumbestand (stehendes Holz) bildet im Steuerrecht ein eigenes Wirtschaftsgut, welches von Grund und Boden getrennt zu bewerten ist. Dabei ergibt sich der Umfang des Wirtschaftsgutes regelmäßig aus einem amtlich anerkannten Betriebsgutachten, aus einem Betriebswerk, ansonsten aus den Regelungen zum Anbauverzeichnis. Vereinfachungshalber wird steuerlich ein eigenes Wirtschaftsgut Baumbestand angenommen, wenn dieses eine zusammenhängende Flächengröße von einem Hektar bildet.

Der reguläre Holzeinschlag und die daraus erzielten Verkäufe führen zu betrieblichen Erlösen. Dabei wird der Wert des Wirtschaftsgutes Baumbestand nicht gemindert, denn die Holznutzung gehört zur regelmäßigen Waldbewirtschaftung, was sich nicht gewinn- beziehungsweise wertmindernd auswirken darf.

Wertminderungen können eine Betriebsausgabe sein

Wird jedoch das Wirtschaftsgut Baumbestand derart beansprucht, dass das nutzbare Derbholz auf der gesamten Fläche des Baumbestandes eingeschlagen wird und keine gesicherte Kultur bestehen bleibt, liegt steuerlich ein sogenannte Kahlschlag vor. Vereinfachungshalber wird dieser auch angenommen, wenn auf einer ein Hektar großen Teilfläche Holz eingeschlagen wird, unabhängig von den einzelnen angrenzenden Baumbeständen.

Waldbau

Neben Kahlschlägen führt auch das Anlegen von befestigten Wirtschaftswegen oder Lagerplätzen zu einer Minderung des Waldwertes. Reine Durchforstungsmaßnahmen oder die Anlage von (unbefestigten) Rückewegen begründen jedoch keine Wertminderung. Die Wertminderung kann in Form einer Buchwertminderung steuerlich bei buchführungspflichtigen Betrieben als Betriebsausgabe geltend gemacht werden. Forstwirte mit Gewinnermittlung nach Durchschnittssätzen oder Einnahmenüberschussrechnung können derartige Aufwendungen nicht geltend machen.

Zu beachten ist jedoch, dass die meisten Waldflächen bereits vor dem 21. Juni 1948 zum Betriebsvermögen gehört haben und die Waldbestände im Rahmen der bis 1998/1999 geltenden Waldwertminderung von 3 % bereits voll abgeschrieben sind.

Egal ob buchführungspflichtiger Betrieb, Einnahmenüberschussrechner mit oder ohne pauschale Betriebsausgaben oder mit Gewinnermittlung nach Durchschnittssätzen: Die Wiederaufforstungskosten stellen dem Grunde nach laufende Betriebsausgaben dar (zur Übersicht, vgl. Tabelle 1).

Aufforstungskosten nach normaler Holznutzung

Die Wiederaufforstung beginnt mit den Pflanzmaßnahmen, der Naturverjüngung oder der Saat. Sie endet mit der Sicherung des Baumbestands, die nach Ablauf von fünf Wirtschaftsjahren nach dem Wirtschaftsjahr des Beginns der Wiederaufforstung anzunehmen ist. Zu den Wiederaufforstungskosten gehören insbesondere die Aufwendungen für

  • Setzlinge,
  • Pflanzung,
  • Befestigung des Pflanzgutes (z. B. Pfähle und Drähte),
  • Pflegemaßnahmen
  • sowie Löhne.
Waldbau

Dagegen führen Aufwendungen für Kulturzäune zu Herstellungskosten für ein selbstständiges Wirtschaftsgut und können nur im Rahmen der Abschreibung berücksichtigt werden. Besonderheiten bei der Bilanzierung: Soweit jedoch eine Wiederaufforstungsverpflichtung besteht, sind diese Aufwendungen entsprechend dem Umfang der Verpflichtung und den Wertverhältnissen am Bilanzstichtag in eine Rückstellung einzustellen. Rückstellung sind wie „Verbindlichkeiten“ zu sehen, deren Höhe ungewiss sind und sich sofort als Betriebsausgabe niederschlagen (vgl. Tabelle 2).

Kosten der Aufforstung nach Kahlschlag

Der Kahlschlag und die Wertminderung führen steuerlich betrachtet zu Aufwand. Im Gegenzug führen dann die Wiederaufforstungskosten zu Herstellungskosten, sodass die laufenden Aufwendungen keine sofort abzugsfähigen Betriebsausgaben darstellen.

Besonderheit bei Bilanzierung: Eine Rückstellung für Wiederaufforstungskosten ist nicht vorzunehmen, da die Aufwendungen zukünftige Herstellungskosten darstellen (vgl. Tabelle 2).

Soweit ein Kahlschlag aufgrund von Kalamitätsschäden entstanden ist, kann abweichend von den allgemeinen Regelungen (aktivierungspflichtige Herstellungskosten) wie folgt verfahren werden:

  • Kahlschlag: führt nicht zu einer Buchwertminderung (keine Betriebsausgaben).
  • Wiederaufforstungskosten sind sofort abzugsfähige Betriebsausgaben.