Einschlagsbeschränkung

Steuerhilfen für Waldbauern

Forstschäden_B1
Toni Kreckl, Michaela Schön, Sebastian Gruber, Steuerberater, Treukontax GmbH BBV-Steuergruppe, Informationsabteilung
am Freitag, 21.05.2021 - 05:20

Der Gesetzgeber hat eine Einschlagsbeschränkung bei der Holzart Fichte erlassen und kommt den Waldbauern dafür bei der Besteuerung von Schadholz entgegen. Wir erläutern die Folgen für die Praxis und die Steuererklärung.

Die seit 2018 aufgetretenen extremen Wetterereignisse (Stürme, Hitze- und Dürreperioden) und der nachfolgende Schädlingsbefall haben in Deutschland zu einem immensen Anfall von Kalamitätsholz und einbrechenden Holzabsatzmärkten geführt. Die Bundesregierung schätzt die Waldschäden für die Jahre 2018 bis 2020 auf bundesweit insgesamt 176 Millionen Kubikmeter Schadholz und die wieder zu bewaldende Fläche auf insgesamt rund 247 000 Hektar. Dies sind die größten Waldschäden seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland!
Der Gesetzgeber versucht, eine schwerwiegende Marktstörung und einen Verfall der Holzpreise zu umgehen, indem er erstmals seit 20 Jahren den Holzeinschlag einer Holzart beschränkt. Hierzu wird das Forstschädenausgleichsgesetz reaktiviert, das gleichzeitig auch steuerliche Erleichterungen beinhaltet.
Die Einschlagsbeschränkung gilt ausschließlich für die Holzart Fichte und für den Zeitraum vom 1. 10. 2020 bis zum 30. 9. 2021. In dieser Zeit darf nur 85 % des ordentlichen Holzeinschlags im Vergleich zum durchschnittlichen Einschlag der Jahre 2013 bis 2017 vorgenommen werden. Der Referenzzeitraum 2013 bis 2017 ist nicht näher definiert, nach dem Wortlaut der zum Gesetz veröffentlichten Verordnung handelt es sich hierbei aber um den an die Forstwirtschaftsjahre angelehnten Vier-Jahres-Zeitraum vom 1. 10. 2013 bis 30. 9. 2017. Sofern in einem Betrieb in dem genannten Vierjahreszeitraum jedoch kalamitätsbedingt Über- oder Unternutzungen erfolgten, ist ein anderes durchschnittliches Jahr heranzuziehen.

Die steuerlichen Folgen im Überblick

Aus der steuerlichen Sichtweise ist das ForstSchAusglG durchaus zu begrüßen, da es folgende Vorteile mit sich bringt:
  1. Tarifermäßigung für Kalamitätsnutzung: Sämtliches im Zeitraum der Einschlagsbeschränkung verwertetes Kalamitätsholz unterliegt einheitlich dem ¼-Steuersatz (§ 34b Abs. 3 Nr. 2 EStG), vorausgesetzt die Einschlagsbeschränkung wird eingehalten. Besonders hervorzuheben ist, dass unter diesen begünstigten Steuersatz nach dem vom Bayerischen Landesamt für Steuern veröffentlichten Leitfaden nicht nur das Kalamitätsholz der Holzart Fichte fällt, sondern aller Holzarten. Ferner ist es sogar möglich, diesen Steuersatz auf Antrag auch für Kalamitätsholz anzuwenden, das innerhalb des Zeitraums der Einschlagsbeschränkung angefallen ist, jedoch erst nach dem 30. 9. 2021 verwertet wird. Dieser Antrag ist erst im Rahmen der Steuererklärung zu stellen.
    Zu beachten ist, dass sich an der praktischen Vorgehensweise bezüglich des Kalamitätsholzes nichts ändert. Tritt ein Schadensfall auf, muss das Kalamitätsholz weiterhin unverzüglich dem Bayerischen Landesamt für Steuern gemeldet werden und nach der Aufarbeitung mengenmäßig nachgewiesen werden.
  2. Erhöhung der Pauschale für Betriebsausgaben: Die Betriebsausgabenpauschalen für nicht buchführungspflichtige Land- und Forstwirte werden erheblich erhöht. Begünstigt sind Steuerpflichtige, die ihren Gewinn mit der Einnahmeüberschussrechnung oder nach Durchschnittssätzen (13a-Betriebe) ermitteln. Statt bisher 55 % der Einnahmen aus der Verwertung des eingeschlagenen Holzes können nun sogar 90 % abgezogen werden. Bei der Veräußerung von Holz auf dem Stamm erhöht sich der Abzug von 20 % auf 65 % der Einnahmen.
    Die erhöhten Betriebsausgabenpauschalen gelten für die Einnahmen aus allen Holznutzungen, also für ordentliche und außerordentliche Nutzungen aller Holzarten. Aber wieder nur dann, wenn die Einschlagsbeschränkung eingehalten wird.
    Maßgebend für den erhöhten Abzug ist, wann die Betriebseinnahmen zufließen. So wäre es schädlich, wenn die Einnahmen erst nach der Einschlagsbeschränkung (also ab 1. 10. 2021) zufließen. Fließen die Einnahmen hingegen in der Einschlagsbeschränkung zu, sind sie auch dann begünstigt, wenn es sich um Einnahmen handelt, die eigentlich aus vorangegangenen Wirtschaftsjahren stammen. Durch die Erhöhung der Betriebsausgabenpauschalen soll erreicht werden, dass das Einkommen im Vergleich zum Einkommen, das ohne Einschlagsbeschränkung erzielt wird, nur unwesentlich gemindert wird.
  3. Absehen von der Aktivierung von Kalamitätsholz: Bei bilanzierenden Steuerpflichtigen mit Einkünften aus Forstwirtschaft besteht die Möglichkeit, von der Aktivierung des eingeschlagenen und unverkauften Kalamitätsholzes abzusehen und so der Gewinnerhöhung durch die Erhöhung von Vorräten zu entgehen. Auch hier ist die Voraussetzung, dass die Einschlagsbeschränkung eingehalten wurde.
  4. Niedrigerer Ansatz für Übervorräte: Zudem dürfen Bilanzierer in der gewerblichen Holzwirtschaft den Mehrbestand an bestimmten Holzarten mit einem niedrigeren Wert ansetzen. Mehrbestand ist hierbei die mengenmäßige Erhöhung der Bestände an Holz oder Holzwaren gegenüber den durchschnittlichen Beständen an den letzten drei vorangegangen Bilanzstichtagen. Auch so kann man im Einzelfall eine Gewinnminderung erreichen.
  5. Rücklage ohne Steuerzuschlag in Anspruch nehmen: Zur Ergänzung der durch die Einschlagsbeschränkung geminderten Erlöse dürfen bilanzierende Betriebe, die in Vorjahren einen betrieblichen Ausgleichsfonds gebildet haben, diesen ohne Steuerzuschlag in Anspruch nehmen.

Wie wird der Einschlag praktisch ermittelt?

Die Land- und Forstwirte sind durch die Einschlagsbeschränkung mit aufwendigen Aufzeichnungen und Umrechnungen konfrontiert – der bereits erfolgte Einschlag und der verbleibende zulässige Einschlag dürfte im Einzelfall schwer zu ermitteln sein, insbesondere dann, wenn der Gewinnermittlungszeitraum vom Zeitraum der Einschlagsbeschränkung abweicht.
Zudem müssen Unterlagen über den Einschlag im Referenzzeitraum 2013 bis 2017 vorliegen, um überhaupt die Ausgangsgröße für den zulässigen Einschlag berechnen zu können. Für aussetzende Betriebe gibt es hierzu eine Vereinfachung: Sollte der Einschlag in diesen Betrieben nicht hinreichend dokumentiert sein, kann von einem pauschalierten Hiebsatz von 5 Erntefestmetern je Hektar ausgegangen werden.
Da die Nichteinhaltung der Einschlagsbeschränkung als Ordnungswidrigkeit geahndet werden kann – das Gesetz sieht hier Bußgelder bis zu einem Höchstbetrag von 25 000 € vor – ist dringend zu empfehlen, sich auch wirklich an die Einschlagsbeschränkung zu halten. Der Einschlag, der bereits seit dem 1. 10. 2020 erfolgte, ist hierbei auf die 85 % anzurechnen und bleibt nicht außen vor. Sollten die 85 % bereits vor dem Inkrafttreten der Verordnung überschritten worden sein, muss man aber keine bußgeldrechtlichen Konsequenzen befürchten.
Das Forstschädenausgleichsgesetz bietet den Steuerpflichtigen ohne Zweifel einige steuerliche Vorteile. Insbesondere der erhöhte Betriebsausgabenabzug und die Tarifermäßigung mindern die steuerliche Belastung in nicht unerheblichem Maße. Da eine Holzeinschlagsbeschränkung und das damit zusammenhängende Forstschädenausgleichsgesetz in der Vergangenheit jedoch nur äußerst selten zur Anwendung kamen, sind die Land- und Forstwirte seit seiner Verabschiedung mit vielen praktischen Anwendungsfragen konfrontiert, von denen viele noch nicht gelöst wurden.
Hinsichtlich der steigenden Holzpreise und den steuerlichen Vorteilen sollte möglichst viel verkauft werden – im Einzelfall kann die Unsicherheit bestehen, in welcher Menge dies derzeit zulässig ist. Es bleibt zu hoffen, dass auch diese verbleibenden Praxisfragen bald durch die zuständigen Ämter geklärt werden können.