Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Urlaub auf dem Bauernhof

„Wenn das so weitergeht, sind wir ruiniert“

Alexandra Königer
Alexandra Königer
am Mittwoch, 24.03.2021 - 15:19

Die Anbieter von Urlaub am Bauernhof in Bayern sind stocksauer. Dass Reisen nach Mallorca erlaubt sind, aber die Unterbringung in heimischen Ferienwohnungen nicht, bringt sie auf die Palme.

„Wir hatten gedacht, dass bei den Bund-Länderberatungen Perspektiven für den Tourismus dabei sind“, sagt Gerda Walser, Vorsitzende  vom Verein „Blauer Gockel - Bauernhof- und Landurlaub“. Nun müssen die Vermieter, die seit Anfang November zugesperrt haben, weiter auf Einnahmen verzichten.

Ostern sollte es eigentlich wieder losgehen

Urlaub auf dem Bauernhof

Täglich bekommt Walser wütende Anrufe von Mitgliedsbetrieben. „Jeder Betrieb hatte sich darauf vorbereitet, dass es Ostern wieder losgeht“, erklärt Walser. Die Hygienekonzepte lägen vor. Erholungssuchende reisen mit dem Auto an, versorgen sich selbst und könnten sich auf den Betrieben aus dem Weg gehen. „Wir wären Teil der Problemlösung“, meint die Bäuerin, die auf ihrem Milchviehbetrieb in Oberbayern selbst Urlaub auf dem Bauernhof anbietet. Dass Reisen nach Mallorca zugelassen sind, aber der Bauernhofurlaub nicht, macht sie fassungslos. „Solche Entscheidungen kann man nicht mehr verstehen. Das hat uns sehr getroffen“, sagt Walser. „Jetzt hoffen wir auf den 18. April.“ Bis dahin soll der aktuelle Lockdown gelten. „Wenn wir zu Pfingsten nicht öffnen dürfen, sind die Betriebe ruiniert.“

Wirtschaftshilfen gibt es so gut wie keine

Von den Wirtschaftshilfen profitieren in Bayern die wenigsten Urlaubsanbieter. „Wer die Vermietung und Verpachtung neben dem landwirtschaftlichen Betrieb laufen hat, bekommt gar nichts, und das betrifft gerade die kleineren Betriebe“, erklärt Walser. Selbst die gewerblichen Urlaubsanbieter könnten Hilfen nur beantragen, wenn sie durch die Schließung über 80 Prozent ihres Umsatzes verlieren. Die Stimmung sei „total im Keller“.

Entgegen der Erwartungen vieler Urlaubsanbieter hat die Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel den Lockdown am vergangenen Dienstag bis zunächst 18. April verlängert. Am besten sollen die Menschen daheimbleiben. „Bund und Länder appellieren weiterhin eindringlich an alle Bürgerinnen und Bürger, auf nicht zwingend notwendige Reisen im Inland und auch ins Ausland zu verzichten“, heißt es in dem Beschlusspapier vom Dienstag. Zumindest soll es nun eine generelle Testpflicht vor Abflug zur Einreisevoraussetzung bei Flügen nach Deutschland geben – also auch für die Mallorca-Urlauber.

Selbst in der Politik herrscht Unverständnis über die Entscheidung

Auch in der Politik herrscht Unverständnis über die Entscheidung, auch in den Regierungsfraktionen. Der FW-Abgeordnete Alexander Hold, der auch Landtagsvizepräsident ist, twitterte am Dienstag, bevor Merkel die sogenannte Osterruhe wieder kassiert hatte: „Am #gruendonnerstag wird sich also niemand anstecken. Dafür wird der #Karsamstag zwischen vier Feiertagen zum #superspreader. Ferienwohnungen nein - Malle ja. Wird leider immer schwieriger, den Menschen zu erklären, das sei eine Strategie.“

Dabei halten laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL und ntv vom Dienstag nur 32 % die jüngsten Lockdown-Beschlüsse für zu hart, 32 % finden sie angemessen, 31 % gehen sie nicht weit genug. Zum Zeitpunkt der Umfrage war die sogenannte  Osterruhe noch geplant. 86 % der Befragten teilen die Kritik daran, dass Reisen nach Mallorca möglich sind, in deutsche Feriengebiete aber nicht.

Rund 10.000 Ferienbauernhöfe in Deutschland bleiben zu

Die Kritik an den Mallorca-Reisen wird auch im politischen Berlin immer lauter. Laut Bayerischem Rundfunk zieht Merkel nun eine Einschränkung von Mallorca-Reisen in Betracht.  Bei der Ministerpräsidentenkonferenz habe sie laut Teilnehmerkreisen angekündigt, dass das Innenministerium und das Justizministerium dies prüfen sollen.

Derweil bleiben die rund 10.000 Ferienbauernhöfe in Deutschland zu. Laut der Bundesarbeitsgemeinschaft für Urlaub auf dem Bauernhof und Landtourismus entgehen ihnen mit dem Ostergeschäft rund zehn Prozent des Jahresumsatzes. Somit käme mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Betriebe nach eigenen Angaben jetzt schon in Liquiditätsengpässe.