Altersvorsorge

Rente: Pfeiler in Zeiten der Unsicherheit

Hans Dreier Portrait 2019
Hans Dreier
am Mittwoch, 10.06.2020 - 08:31

Vielen wird erst jetzt bewusst, dass es ein Privileg ist, diesem auf Generationen angelegten Versicherungssystem angehören zu dürfen.

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Die Rente ist sicher! Für dieses Versprechen ist im Jahr 1997 Norbert Blüm, der damalige Bundessozialminister heftig angegriffen worden. Blüm, der kürzlich verstorben ist, hatte die schwierige Aufgabe, das Alterssicherungssystem an die steigende Lebenserwartung anzupassen. Die Rentenhöhe wurde gesenkt und an die Zahl der Beitragszahler und der Entwicklung der Löhne gebunden.

Über Blüms Rentenreform ergossen sich Hohn und Spott. Die Rentenversicherung sei am Ende, die eingezahlten Beiträge brächten kaum eine Verzinsung. Finanzberater rechneten den Leuten vor, dass sie das Doppelte an Rente bekämen, wenn sie ihr Geld in eine private Lebensversicherung einzahlen würden.

Auch für die landwirtschaftliche Alterskasse wurde damals überall das Totenglöckchen geläutet. Scharenweise ließen sich Bäuerinnen von der 1995 eingeführten Versicherungspflicht befreien, weil sie befürchteten, jahrelang Beiträge zu zahlen, um dann hinterher eine mickrige Rente zu bekommen. Eine Lebensversicherung, die Renditen von fünf bis sechs Prozent versprach, schien da besser zu sein.

Inzwischen haben sich die Verhältnisse umgekehrt

Die privaten Altersvorsorgemodelle haben sich als Rohrkrepierer erwiesen. Weil es heute für Geldanlagen keine Zinsen mehr gibt, schmelzen die versprochenen Auszahlungen immer weiter zusammen. Mit Schrecken erfahren viele beim Eintritt ins Rentenalter dann auch noch, dass sie auf ihre Lebensversicherung 15 Prozent Krankenversicherungsbeitrag abführen müssen.

Die Bezieher von Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung und der landwirtschaftlichen Alterskasse konnten sich dagegen in den letzten Jahren regelmäßig an Rentensteigerungen erfreuen. Auch zum 1. Juli 2020 erhöhen sich die Renten wieder um 3,5 Prozent. Nächstes Jahr darf man allerdings keine Erhöhung erwarten, weil die Löhne wegen der Coronakrise heuer kaum steigen werden.

Dennoch ist in diesen unsicheren Zeiten das deutsche Alterssicherungssystem einer der wenigen Pfeiler, die den Bürgern noch Halt geben und Verlässlichkeit ausstrahlen. Die Stimmen, die klagen, dass sie Beiträge zur Alterssicherung zahlen müssen, sind weitgehend verstummt. Vielen wird erst jetzt bewusst, dass es ein Privileg ist, diesem auf Generationen angelegten Versicherungssystem angehören zu dürfen. Wer mit 65 Jahren langsam auf die Rente zugeht, braucht für seine Nerven vor allem eine Gewissheit: Die Rente ist sicher!

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