Recht

Wenn die Rente zur Falle wird

Krankenkasse
Hans Dreier Portrait 2019
Hans Dreier
am Donnerstag, 21.11.2019 - 15:18

Vorsicht mit Renten, solange man noch Inhaber eines Betriebes ist! Es drohen Krankenversicherungsbeiträge für sämtliche Einnahmen.

Landwirte, die sich mit dem Gedanken tragen, einen Rentenantrag zu stellen, aber weiterhin auch ihren Hof bewirtschaften wollen, müssen äußerst vorsichtig sein. Denn der Rentenbezug kann weitreichende Folgen bei der Krankenversicherung nach sich ziehen.

Normalerweise zahlt der LKK-versicherte Haupterwerbslandwirt seine Krankenkassenbeiträge nur für die Einkünfte aus der Landwirtschaft. Gewerbliche Zusatzeinkommen, zum Beispiel aus einer Photovoltaik-, Biogas- oder Windenergieanlage, zählen dabei nicht mit.

Doch sobald jemand eine Rente bezieht, ändert sich die Berechnungsgrundlage für die Krankenkassenbeiträge gravierend. Bei Rentenbeziehern werden die Krankenkassenbeiträge laut Gesetz nicht nur auf die Renten selbst fällig, sondern auch auf Einkommen aus einer selbstständigen Tätigkeit, die der Rentner sonst noch bezieht, zum Beispiel die Gewinne aus einer Photovoltaikanlage. Der Beitrag hierfür liegt bei 15,5 %. Dazu kommt der Beitrag zur Pflegeversicherung von 3,05 % bzw. 3,30 % für kinderlose Versicherte. Für 5000 € Jahresgewinn aus einer PV-Anlage fallen also etwa 900 € Krankenkassenbeiträge an.

Die Höhe der Rente und das Alter des Rentners sind dabei egal. Es spielt auch keine Rolle, ob die Rente von der Landwirtschaftlichen Alterskasse oder der Gesetzlichen Rentenversicherung gewährt wird. Wer mit 50 Jahren eine Witwer- oder Witwenrente bezieht, ist ebenso betroffen wie der Haupterwerbslandwirt, der 60 € Monatsrente aus der allgemeinen Rentenversicherung bekommt, weil er als junger Mann einige Jahre als Arbeitnehmer gearbeitet hat. Die Bewilligung der Rente löst in all diesen Fällen den geänderten Berechnungsmodus aus – und die Falle schnappt zu. Fatal ist, dass die Bewilligung einer Rente nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.

Deshalb sollte man sich unbedingt vor einer Rentenantragstellung (egal welcher Art) fachkundig beraten lassen und die Auswirkungen auf die Krankenversicherung prüfen. Ein Ausweg kann sein, den Gewerbebetrieb auf die nachfolgende Generation zu übertragen und im Gegenzug private Altenteilszahlungen zu vereinbaren. Austragszahlungen unterliegen nämlich nicht der Beitragspflicht zur Rentnerkrankenversicherung.