Urteil

Pferd verletzt sich in Pferdepension

onlineurteile.de
am Donnerstag, 04.02.2021 - 08:47

Laut einem Pferdeeinstellvertrag sollte der Inhaber der Pferdepension das Pferd A in seinen Stallungen unterbringen, es füttern und sich allgemein um sein Wohlergehen kümmern

Pferd_Rivo_Apfel

Laut einem Pferdeeinstellvertrag sollte der Inhaber der Pferdepension das Pferd A in seinen Stallungen unterbringen, es füttern und sich allgemein um sein Wohlergehen kümmern. Schon drei Tage nach seiner Ankunft wurde das Tier morgens von einer Mitarbeiterin schwer verletzt vorgefunden.

Ein Tierarzt diagnostizierte eine Oberarmfissur, Ellenbogenfraktur und Lockerung des Fesselträgerursprungs. Wie und warum sich das Pferd diese Verletzungen zugezogen hatte, war nicht aufzuklären.

Die Pferdebesitzer verklagten den Inhaber der Pferdepension auf Schadenersatz für die Behandlungs- und Medikamentenkosten von rund 9.000 Euro. Zu Recht, entschied das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt (15 U 21/16). Da der Pensionsinhaber das Pferd in Obhut genommen habe, lägen die möglichen Ursachen für den Schadensfall allein in seinem Verantwortungsbereich, stellte das OLG fest. Um sich zu entlasten, hätte er beweisen müssen, dass er seine vertraglichen Pflichten nicht verletzt habe. Das bedeutet: Er hätte die Schadensursache klären und belegen müssen, dass er diese nicht zu vertreten habe.

Es geht um den Nachweis der Ursache

Der gerichtliche Sachverständige habe erläutert, bei diesem „Verletzungsmuster“ komme ein Unfall beim so genannten Festlegen des Pferdes in Frage: Dann wäre die Verletzung auf das Verhalten des Tieres selbst zurückzuführen. Das sei aber nicht zwingend. Ebenso gut könnte das Pferd in der Boxengasse oder auf dem Paddock über Hindernisse gestürzt sein. Wenn nicht feststehe, ob sich das Pferd aufgrund angeborener Risiken verletzt habe oder infolge eines schuldhaften Pflichtenverstoßes des Pensionsinhabers, sei von einer Pflichtverletzung auszugehen. Daher müsse er für die Unfallfolgen aufkommen.