Flächenkataster

Neue Geodaten für Feldstücke

ibalis
Hans Dreier Portrait 2019
Hans Dreier
am Donnerstag, 12.12.2019 - 16:22

Die Digitale Feldstückskarte im EDV-System iBalis ist die Grundlage für flächenbezogene Förderungen. Die Darstellung der Feldstücke wird jetzt auf ein neues Koordinatensystem umgestellt. Welche Auswirkungen hat das?

Landwirte, die jedes Jahr ihren Mehrfachantrag stellen, arbeiten dabei auch mit digitalen Flächendaten ihrer Grundstücke. Künftig müssen sie sich einen neuen Fachbegriff einprägen: UTM ist der neue Standard für die grafische Darstellung von Geodaten. Auch Bayerns Fluren werden nun in dem EU-einheitlichen System erfasst.

Hintergrund: Die Größe und die Lage aller landwirtschaftlichen Nutzflächen in Bayern ist in der Digitalen Feldstückskarte grafisch abgebildet. Landwirte können ihre Feldstücke unter www.ibalis.de im EDV-System des bayerischen Landwirtschaftsministeriums ansehen, bearbeiten und auch weiterverarbeiten. Die Größe und die Lage der Flächen werden dabei über die sogenannten Geodaten ermittelt, deren Grundlage die Erdvermessung mit Satelliten und die Darstellung in einem Koordinatensystem ist.
 

Die Flächenberechnung beruht auf den Geodaten

Das Gauß-Krüger-Format, das bisher als Koordinatensystem diente, wurde in den letzten Jahren in vielen Ländern Europas durch das Abbildungssystem UTM ersetzt. Das bayerische Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung hat bereits Anfang 2019 seinen Datenbestand auf UTM umgestellt. Künftig stehen Geodaten nur noch in UTM zur Verfügung. Die Nutzflächen in der Digitalen Feldstückkarte werden dann im neuen Format abgebildet.

Wie das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten mitteilt, hat Brüssel bereits im Jahr 2008 das Ziel vorgegeben, EU-weit auf ein einheitliches Koordinatensystem umzustellen. Die vernetzte Welt verlange einheitliche Grundlagen zur Nutzung von Geodaten und Geodatendiensten über Ländergrenzen hinweg. Das zukünftige UTM-Bezugssystem habe sich als Standard durchgesetzt und schafft damit nicht nur in Europa eine einheitliche Basis für Geodaten und Karten.

Die Umstellung im Bayerischen Landwirtschaftlichen Informationssystem iBalis, so das Ministerium, beginnt am Freitag, 13. Dezember,  und wird voraussichtlich am 17. Dezember abgeschlossen sein. Während dieser Zeit steht iBalis nicht zur Verfügung.

Nach der Umstellung auf UTM können sich bei einigen landwirtschaftlichen Flächen geringfügige Änderungen ergeben, denn die Berechnung der Flächengröße erfolgt ja anhand der Geo-Koordinaten. Infolge der Umstellung auf das neue Koordinatensystem können hier minimale Abweichungen auftreten. Dabei geht es laut Ministerium  jedoch nur um einige Quadratmeter. Weil die Flächen in iBalis auf zwei Stellen nach dem Komma aufgerundet werden, könne es vorkommen, dass eine mit 1,07 ha ausgewiesene Fläche sich rundungsbedingt auf 1,06 ha verkleinert oder auf 1,08 ha vergrößert. „Diese geringfügigen Flächenänderungen haben aber grundsätzlich keine Auswirkungen auf die Förderung in der Vergangenheit“, stellt das 
Ministerium klar.

Datenexport aus iBalis nur noch im UTM-Format

Die meisten Landwirte werden von der UTM-Umstellung nichts bemerken und können im iBalis ihre Flächen wie bisher verwalten. Größere Auswirkungen hat die Umstellung jedoch, wenn iBalis-Flächendaten exportiert oder importiert werden sollen. Der Export der Flächendaten aus iBalis heraus erfolgt in Form einer Shape-Datei (shp), in der dann zukünftig nicht mehr der Gauß-Krüger-Standard, sondern stattdessen der UTM-­Standard hinterlegt ist. Nach der Umstellung müssen die Empfänger und Lieferanten von einzelbetrieblichen Flächendaten ebenfalls mit dem UTM-Format arbeiten können.

Landwirte, die Flächendaten aus iBalis exportieren und in ihre Ackerschlagkartei einlesen wollen, sollten dann prüfen, ob Anpassungen in der Software vorzunehmen sind. Bei den Einstellungen für das verwendete Koordinatensystem muss dann auf UTM umgestellt werden. In der Praxis dürfte das wenig Probleme bereiten, da die meisten Schlagkarteiprogramme bereits mit UTM arbeiten.

Wenig Probleme dürfte es auch geben, wenn Flächendaten in ein Schlepperterminal eingelesen werden sollen. Auch hier ist UTM längst Standard. In den meisten Fällen wird die Datenübernahme sogar einfacher, weil bei GPS-Nutzung die bisher notwendige Umwandlung ins UTM-Format entfällt.
Aufatmen können jetzt auch Betriebe, die weitere Flächen in anderen Bundesländern oder EU-Ländern bewirtschaften. Das EU-einheitliche Koordinatensystem macht die Flächenverwaltung nun deutlich einfacher.

Auch Dienstleister müssen umstellen

Neben dem Datenexport für eigene Zwecke haben viele Landwirte auch Dienstleistern die Nutzung ihrer iBalis-Flächendaten erlaubt (Südzucker, Hagelversicherungen, Maschinenringe etc.). Damit die Datenübernahme weiterhin reibungslos erfolgen kann, müssen auch die betreffenden Organisationen ihre EDV umstellen.

Was ist UTM?

Das UTM-System (von englisch Universal Transverse Mercator) ist ein globales Koordinatensystem. Es teilt die Erdoberfläche streifenförmig in 6° breite vertikale Zonen auf. Daraus ergeben sich 60 Zonen, die von West nach Ost durchnummeriert sind. Bayern liegt überwiegend in der Zone 32. Von Süd nach Nord erfolgt eine Unterteilung in weitere Zonen, die nach Buchstaben alphabetisch geordnet sind. Bayern liegt hier überwiegend in der Zone U. Beide Zonen zusammen ergeben das Zonenfeld 32 U. Jeder Punkt auf der Erde wird durch seine geografischen Koordinaten eindeutig bestimmt, zum Beispiel
Rechtswert: E 706621 (East)
Hochwert: N 5492528 (North)
Beide Werte zusammen ergeben den UTM-Georeferenzwert:
32 U 706621 5492528
Die Georeferenz wird auch in der Digitalen Feldkarte angezeigt. Wenn man mit der Maus über die Karte fährt, sieht man am Bildschirm unten links, wie sich die Werte bei jeder Bewegung mit der Maus verändern.