Wirtschaftliche Lage

Milchviehhalter können Rechnungen nicht mehr begleichen

Zahlungsfähigkeit
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Montag, 26.10.2020 - 18:00

Eine Onlineumfrage unter unter knapp 1.750 deutschen Milchviehhaltern im Oktober 2020 offenbart besorgniserregende Zahlen.

Seit Beginn der Corona-Pandemie sind nach Erhebungen von Land schafft Verbindung Deutschland die Milcherzeugerpreise um bis zu 34 % eingebrochen. Um einen Einblick in die aktuelle wirtschaftliche Lage der Betriebe zu erhalten, hat die Bauernbewegung im Oktober unter knapp 1.750 deutschen Milchviehhaltern eine Onlineumfrage durchgeführt.

Das Ergebnis bestätigte die schlimmsten Befürchtungen: 56 % der Betriebe gaben an, aktuell ihre Rechnungen nicht pünktlich bezahlen zu können. 8 % haben vor, den Betrieb innerhalb der nächsten 12 Monate auslaufen zu lassen. Lediglich für 6 % gilt, dass die Versorgung mit liquiden Mitteln ausreichend ist und Ersatzinvestitionen problemlos getätigt werden können.

Andresen fordert Politiker auf zu handeln

Dirk Andresen, Vorstand vom LsV-Deutschland zeigte sich alarmiert: “Die wirtschaftliche Lage unter den Milchbauern ist in etwa identisch mit der letzten Milchpreiskrise von 2015 bis 2017.” Jann-Harro Petersen, Sprecher der Milchgruppe von LsV-Deutschland und selbst Milchbauer wies auf die prekäre Situation hin, dass das was der Normalzustand für Unternehmen sein sollte, nämlich die ausreichende Versorgung mit liqiden Mitteln, nur noch für 7 % gaben der Betriebe gilt.

Beiden ist völlig unverständlich, warum die wirtschaftspolitisch Verantwortlichen den Ernst der Lage nicht erkennen und die Krise thematisieren. Dabei sei die Stimmung unter den Landwirten in Deutschland bereits länger schlecht. So veröffentlicht beispielsweise der Deutschen Bauernverband hierzu regelmäßig Situationsberichte.  

Andresen und Petersen fordern deshalb: “Es muss jetzt gehandelt werden, da sonst ein Strukturbruch ungekannten Ausmaßes bevorsteht. Wir hoffen, dass sich die Entscheider in Politik und Milchbranche endlich ihrer Verantwortung bewusst werden und den Worten auch Taten folgen lassen."

Dramatische Verschlechterung

Die Landesanstalt für Landwirtschaft Bayern führt regelmäßig Erhebungen zur Liquidität der Betriebe durch. Die jüngste Auswertung entfällt auf das Wirtschaftsjahr 2018/2019.

Sie zeigt noch ein abweichendes Bild. Im betrachteten Wirtschaftsjahr standen vor allem schweinehaltende Betriebe unter Druck während sich Milchviehhalter noch weitgehend über Wasser halten konnten. Aber bereits aus den LfL-Daten des Wirtschaftsjahres 2018/2019 ging hervor, dass diejenigen Betriebe, die ihr Einkommen ausschließlich aus der Landwirtschaft bezogen, durch die Bank mit Problemen zu kämpfen hatten. Besser sah es auf Höfen aus, die Einlagen mobilisieren konnten - sei es aus Rücklagen, zweiten Standbeinen oder aus einem außerlandwirtschaftlichen Einkommen. Was zeigt: Allein mit der Landwirtschaft über die Runden zu kommen, ist kaum mehr möglich.