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Kostenrechnung

Milchpreise decken im Bundesschnitt fast die Kosten

Josef koch
Josef Koch
am Mittwoch, 20.07.2022 - 07:00

Für den Süden, also auch Bayern, ermittelt die MEG Milch Board aber ein größeres Defizit.

Melken-Melkroboter

Zum ersten Mal seit Beginn der Berechnung des Milch Marker Index wurde trotz des starken Anstiegs fast die Kostendeckung erreicht. Der Milch Marker Index lag im April 2022 bei 116 Punkten, und die Milcherzeugungskosten betrugen 47,60 Cent pro Kilogramm, ergab eine Auswertung des MEG Milch Boards.

Die Milcherzeugungskosten stiegen seit Januar 2022 um 1,31 Cent auf 47,60 Cent je Kilogramm, ein Plus von 2,8 Prozent. Der Milchauszahlungspreis stieg im gleichen Zeitraum sogar um 5,54 Cent bzw. 13 Prozent auf 47,20 Cent je Kilogramm. Damit waren nah MEG-Angaben die Milcherzeugungskosten im Bundesdurchschnitt zu 99 Prozent gedeckt.

Im Süden von Kostendeckung noch weit entfernt

Allerdings war die Kostendeckung nicht überall gleich. In der Region Süd lagen die Milchpreise im April 2022 nur bei 46,30 Cent/kg, die Kosten von 53,43 Cent waren hier nur zu rund 87 Prozent gedeckt.

Dagegen erreichten die Milchauszahlungspreise in Schleswig-Holstein Höchststände von 50,54 Cent und lagen in der Region Nord durchschnittlich bei 47,96 Cent/kg. Im Osten ermittelte die Erzeugergemeinschaft 47,17 Cent/kg. In diesen Regionen erzielten die Landwirte sogar Gewinne.

 

Weitere Kostensteigerungen erwartet

Der Vorstandsvorsitzende der MEG Milch Board, Frank Lenz, warnt aber vor weiteren Kostensteigerungen. „Die Mindererträge bei Milch und auf dem Feld werden uns erst später einholen. Auch die rasant steigenden Energiekosten werden sich erst noch auswirken.“ Er hält weiter steigende Milchpreise für notwendig, um Stabilität in ungewissen Zeiten zu erlangen. Das würde dann auch zu der Selbstverständlichkeit führen, dass die Produktionskosten gedeckt und Gewinne erwirtschaftet werden.“

Seitenhieb auf Bayern MeG

Lenz teilt hat auch noch einen Seitenhieb auf die Bayern MeG parat. Trotz starker Bündelung ist seiner Meinung nach der Milchpreisanstieg im Süden auffallend gering. Bündelung dürfe kein Selbstzweck sein, sondern müsse im Sinne der Milcherzeuger ausgestaltet werden.

„Hier ist noch viel Luft nach oben“, meint Lenz. Der MMI könne in den Verhandlungen um den Milchpreis mit der Molkerei nur die unterste Grenze sein, rät er. Allerdings schneiden süddeutsche Molkereien in der Vermarktung ihrer Produkte derzeit etwas schlechter ab, da die Preise für Markenprodukte weniger stark angestiegen sind als für Standardware wie Butter und Milchpulver. Darauf setzen vor allem Molkereien in Schleswig-Holstein.

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