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Saisonkräfte

Mehr Container fürs Wohnen wegen Corona

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Martina Opfermann-Kersten, SVLFG
am Montag, 24.08.2020 - 15:17

Die Unterbringung und Beschäftigung von Saisonarbeitskräften ist in Coronazeiten eine Herausforderung. Die Sozialversicherung zeigt an einem Beispielsbetrieb, wie man die Hygienevorgaben richtig umsetzt.

Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) berät Arbeitgeber auf Wunsch, wie sie die Vorgaben der zuständigen Behörden während der Corona-Pandemie erfolgreich umsetzen können. Unternehmer Jan von Oehsen hat die strengen Auflagen zum Gesundheitsschutz bereits erfüllt. Er erzählt, wie er die rund 150 Saisonarbeitskräfte auf seinem Bio-Heidelbeerenbetrieb Hof Neunkrug in Hambergen angemessen unterbringt und wie er die Arbeit organisiert.

Gespräche mit Behörden und Ämtern aktiv gesucht

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Die Corona-Pandemie stellt Arbeitgeber vor große Herausforderungen. Dass die Heidelbeerernte auf seinem Hof trotz Corona und den damit verbundenen Risiken sicher und ertragreich verläuft, ist auch das Ergebnis gut geplanter und umsichtiger Vorarbeit.

„Bereits seit Ende März informierten wir uns bei den zuständigen Stellen und nutzten das Beratungsangebot der SVLFG“, blickt der Unternehmer zurück. Sein direkter Ansprechpartner bei der SVLFG ist Präventionsmitarbeiter Manfred Eggers.

Eggers lobt das umsichtige und frühzeitige Vorgehen von Jan von Oehsen und seiner Tochter: „Anna Engelken-von Oehsen ging aktiv auf uns und auf die anderen zuständigen Ämter und Behörden zu, informierte sich darüber, was genau zu tun war und konnte somit schnell aktiv werden.“

Die rührige Jungunternehmerin hatte bereits vor dem ersten Gespräch mit Eggers zahlreiche für sie nutzbare Hilfen auf der Homepage der SVLFG unter www.svlfg.de gefunden. So lassen sich dort zum Beispiel die Checklisten zum Thema Corona einsehen, ebenso wie Hygienetipps, Betriebsanweisungen in polnischer und in rumänischer Sprache sowie die aktualisierten Mustergefährdungsbeurteilungen.
„Gemeinsam mit Manfred Eggers bin ich diese Arbeitshilfen durchgegangen. Sie haben mir sehr dabei geholfen, das Hygienekonzept für unseren Betrieb auszuarbeiten. Die Betriebsanweisungen in Landessprache nutzen wir, um die Saisonarbeitskräfte zu unterweisen und ihnen Arbeitshilfen in ihrer Landessprache zu geben“, so Anna Engelken-von Oehsen.

Zusammen wohnen – zusammen arbeiten

Das Herzstück des Hygienekonzeptes ist die Strategie „Zusammen Wohnen – Zusammen Arbeiten“. Manfred Eggers erklärt: „Das Ziel dieser Strategie ist es, die Ansteckungsmöglichkeiten der Arbeitnehmer so weit wie möglich zu begrenzen.“

Die Arbeitskräfte reisen bereits in Teams an. Sie werden bei Ankunft auf Corona getestet und erhalten gemeinsam eine Unterweisung in ihrer Landessprache. Das Unternehmen hat eine Vielzahl an Wohncontainern angeschafft, die mit maximal zwei Personen belegt werden. In einer Reihe stehen jeweils zehn der Wohncontainern sowie ein Sanitärcontainer. Die Wohncontainerreihen haben einen ausreichend großen Abstand zueinander und die Zugänge der Container sind voneinander abgewandt.
Die Bewohner einer Wohncontainerreihe bilden ein Team, das nicht nur in einer Reihe wohnt, sondern auch zusammen auf dem Feld arbeitet und zu festen Zeiten gemeinsam Pause macht. Ebenfalls feste Nut-zungszeiten je Team gibt es für den vom Betrieb zur Verfügung gestellten Container mit Waschmaschinen und für die Nutzung der betriebseigenen Kantine. Hier wird nach jedem Teamwechsel gereinigt und desinfiziert. Kontakte zu anderen Teams sind nicht erwünscht.

Hygiene während der Arbeit auf dem Feld

Wenn bei der Arbeit der geforderte Mindestabstand von 1,5 Metern untereinander nicht immer eingehalten werden kann, zum Beispiel auf der Fahrt zum Feld oder in der Sortier- und Abpackhalle, gilt Maskenpflicht. Jede Saisonarbeitskraft erhält gleich bei der Ankunft auf dem Feld eine Mund-Nase-Bedeckung, die sie bei Bedarf trägt.
Auch die Reinigung der auf dem Feld bereitgestellten mobilen Toiletten ist im Hygieneplan berücksichtigt und wird regelmäßig durchgeführt. Bei den Toiletten stehen mobile Waschtischeinheiten mit Spendern für Einwegpapiertücher und Desinfektionsmittel, damit sich jeder nach einem Toilettengang die Hände waschen und desinfizieren kann. „Allein von diesen Spendern für die Handdesinfektion sind für den gesamten Betrieb über 75 Stück beschafft worden und an allen markanten Stellen auf dem Betrieb zu finden“, bemerkt Manfred Eggers.

Geschützt so gut es nur geht

Alle Maßnahmen zusammen gewährleisten, dass jeder einzelne Beschäftigte so gut es geht geschützt ist und dass im Falle einer Coronainfektion nur das betroffene Team um die infizierte Person in Quarantäne gehen muss, während alle anderen Teams auf den Feldern weiterarbeiten können. „Jedes Team hat zusätzlich einen Teamleiter, der für die Umsetzung der Vorgaben verantwortlich ist“, ergänzt Anna Engelken-von Oehsen