Einkommen

Was Landwirte verdienen

Thumbnail
Ulrich Graf Portrait 2019
Ulrich Graf
am Freitag, 22.05.2020 - 10:44

Bauern arbeiten im Durchschnitt deutlich mehr als andere Berufsgruppen, verdienen aber meist weniger.

Beschäftigte in der Landwirtschaft arbeiten viel. Im Schnitt kommen landwirtschaftliche Vollzeit Arbeitskräfte auf 48,8 Wochenstunden und haben damit laut Statistischem Bundesamt mit Abstand die längsten Arbeitszeiten unter allen deutschen Berufsgruppen. Der Durchschnitt liegt bei 41,4 Wochenstunden. Die Mehrarbeit bekommen sie aber nicht entlohnt, wie eine Auswertung des Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) zeigt

Bruttolohn und Arbeitszeit in und außerhalb der Landwirtschaft im Vergleich

  Angestellte in der Landwirtschaft Selbständige in der Landwirtschaft Durchschnitt aller Angestellten
Durchschnittliches Einkommen pro Jahr 17.975 Euro* 34.095 Euro** 34.825 Euro*
Durchschnittliche Arbeitszeit pro Woche 48,8 Stunden*** 41,4 Stunden***

* Bruttolohn laut Inlandsproduktberechnung des Statistischen Bundesamtes, Fachserie 18 Reihe 1.4, Bezugsjahr 2017
** Eigene Berechnung aus Vergleichslohn, erhoben durch das Bundeslandwirtschaftsministerium im Rahmen der Vergleichsrechnung für Haupterwerbsbetriebe (Einzelunternehmen) nach § 4 LwG, Wirtschaftsjahr 2017/2018
*** Ergebnis der Arbeitskräfteerhebung des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2018

Teils 35 Prozent weniger als deutscher Durchschnittsangestellter

Haupterwerbsbetrieb

Hinsichtlich des Verdienst ist zu unterscheiden zwischen selbstständig tätigen Landwirten und solchen, die angestellt sind. Die aktuellsten Zahlen dazu gibt es vom Statistischen Bundesamt: 2017 waren von insgesamt 570.000 Erwerbstätigen in der Landwirtschaft rund 56 Prozent angestellt tätig. Die übrigen 44 Prozent arbeiteten selbstständig.

Angestellte in der Landwirtschaft verdienen in Deutschland etwa die Hälfte von dem, was der Durchschnittsangestellte verdient. Der durchschnittliche Bruttolohn über alle Berufs- und Tarifgruppen in Deutschland betrug 2017 laut Statistischem Bundesamt 34.825 Euro. Angestellte Beschäftigte in der Landwirtschaft erhielten im gleichen Jahr dagegen nur einen durchschnittlichen jährlichen Bruttolohn von 17.975 Euro. In den Vorjahren war der Unterschied vergleichbar.

Wie sieht es bei den selbstständigen Landwirtinnen und Landwirten aus? Laut dem letzten Agrarpolitischen Bericht erhielten selbstständige Landwirtinnen und Landwirte im Wirtschaftsjahr 2017/2018 einen Vergleichslohn von rund 34.095 Euro im Jahr. Damit liegt ihr Einkommen zwar weit über dem der landwirtschaftlich Angestellten, aber noch unter dem durchschnittlichen deutschen Bruttolohn – und zwar um 3 Prozent – oder 1.365 Euro pro Jahr. In den Vorjahren war der Abstand noch größer: Im Wirtschaftsjahr 2016/2017 lag der Vergleichslohn zum Beispiel um rund 13 Prozent und im Wirtschaftsjahr 2015/2016 sogar um ca. 35 Prozent unter dem der deutschen Durchschnittsangestellten.

Gewinne landwirtschaftlicher Unternehmen schwanken stark

Konventionell

Die Einkommen selbstständiger Landwirtinnen und Landwirte unterliegen starken jährlichen Schwankungen. Das hat folgenden Grund: Die Preise, die ein landwirtschaftlicher Betrieb für einen Liter Milch oder ein Kilo Fleisch erzielen kann, verändern sich ebenso von Jahr zu Jahr wie die Preise für Saatgut, Dünger, Futtermittel und Energie.

Dadurch kommt es auch zwischen den verschiedenen Betriebsformen, das heißt Ackerbau, Milchvieh oder Tiermast, immer wieder zu unterschiedlichen Betriebsgewinnen. So erzielten beispielsweise die Milchviehbetriebe im Wirtschaftsjahr 2017/2018 die höchsten Gewinne, drei Jahre zuvor war die Milcherzeugung dagegen die Betriebsform mit dem geringsten Einkommen. Der Grund dafür war die Milchpreiskrise in jener Zeit.

Auch die Frage, ob auf einem Betrieb ökologisch oder konventionell gewirtschaftet wird, kann einkommensentscheidend sein: Sowohl im Wirtschaftsjahr 2016/2017 als auch 2017/2018 erzielten Öko-Betriebe ein höheres Einkommen als konventionelle.

Von Bundesland zu Bundesland können die Einkommen ebenfalls sehr unterschiedlich ausfallen. Das liegt zum einen daran, dass die regionale Verteilung der Betriebe nach Betriebsformen und Größenklassen in Deutschland nicht einheitlich ist. Hinzu kommen die unterschiedlichen natürlichen Ertragsbedingungen (Bodengüte, Wetter usw.).

Vergleichslohn bildet den Maßstab

Landwirtschaft

Ein direkter Vergleich des Einkommens von selbständigen Landwirten mit dem von Angestellten in anderen Branchen ist schwierig, da man den Gewinn landwirtschaftlicher Unternehmerinnen und Unternehmer nicht eins zu eins mit dem Bruttolohn von Angestellten vergleichen kann. Um einen vergleichbaren Einkommenswert zu erhalten, hat das Bundeslandwirtschaftsministerium daher einen Vergleichslohn entwickelt. Dieser wird jedes Jahr im Agrarpolitischem Bericht der Bundesregierung veröffentlicht.

Für die Berechnung des Vergleichslohns werden alle landwirtschaftlichen Einzelunternehmen – das sind knapp 90 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe – herangezogen, die den Betrieb im Haupterwerb führen. Betriebswirtschaftlich gesehen bedeutet Haupterwerb: Es arbeitet mindestens eine Vollarbeitskraft auf dem Betrieb und der Erlös aus landwirtschaftlichen Erzeugnissen liegt bei über 50.000 Euro pro Jahr.

Von dem durchschnittlichen Gewinn der Einzelunternehmen werden der Zinssatz für das Eigenkapitel und ein angemessener Betriebsleiterzuschlag abgezogen. Das Saldo ergibt den Vergleichslohn.