Prognose

Klimawandel und Bodenverbrauch gefährden Ernährung

Klimawandel
aiz
am Freitag, 11.10.2019 - 15:04

Auch in Mitteleuropa werden Anbaugebiete bis zu 50% ihrer Produktion einbüßen.

Wien - Die Zukunft der heimischen Selbstversorgung mit regionalen Lebens- und Futtermitteln ist massiv bedroht. "Der fortschreitende Klimawandel und der Bodenverbrauch werden ohne entsprechende Lenkungsmaßnahmen in den nächsten Jahrzehnten dazu führen, dass bei den meisten derzeit bedeutenden Feldfrüchten nach 2030 keine Autarkie mehr gewährleistet werden kann, selbst wenn alle derzeit verfügbaren Bodenressourcen in der Produktion verbleiben", brachte es Andreas Baumgarten, Leiter einer Studie der AGES, die in Kooperation mit anderen Institutionen im Auftrag des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) erstellt wurde, vor Journalisten auf den Punkt.

Oberstes nationales Ziel müsse daher sein, den Klimawandel zu bremsen und die Lebensgrundlage Boden zur Aufrechterhaltung der heimischen Ernährungssouveränität zu erhalten. "Hier herrscht jedenfalls Handlungsbedarf", appellieren Ferdinand Lembacher, Generalsekretär der Landwirtschaftskammer (LK) Österreich, und Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung, an die Politik, entsprechende Maßnahmen zu setzen und etwa die wertvollsten Böden explizit vor Verbauung zu schützen.

Studie belegt massiven Ertragsrückgang

Laut der präsentierten Studie "Bodenbedarf für die Ernährungssicherung in Österreich" (BEAT) ist hierzulande bis zum Jahr 2080 mit einem durchschnittlichen Temperaturanstieg von bis zu 6 °C zu rechnen. Damit einher gehen naturgemäß Verschiebungen der Regenmenge, was laut Baumgarten vor allem die Landwirtschaft im Osten und Südosten Österreichs spüren wird.

Das Resultat: Die "Bonität" der Böden wird insbesondere in diesen Regionen zum Teil dramatisch sinken. "Wir müssen mit einem Rückgang der Erträge um bis zu 19% in den kommenden 40 Jahren rechnen", so Baumgarten. Im aktuell trockenen, pannonischen Klimaraum werde es die stärksten Ertragseinbußen geben. Im Marchfeld könnte sich die Ernte sogar um bis zu 50% verringern, bis 2060 drohe eine Unterversorgung etwa bei Getreide, Mais oder Kartoffeln. "Deshalb müssen wir dieser wertvollen Ressource mehr Beachtung schenken, die besten, klimafitten Ackerflächen identifizieren und für die Lebens- und Futtermittelerzeugung bewahren", fordert der Wissenschaftler. Damit könnten 75% der gesamten landwirtschaftlichen Produktionskapazität in Österreich künftig gesichert werden.

Die Forschungsergebnisse untermauern auch die langjährige Forderung nach einer Trendumkehr des nahezu ungebremst anhaltenden Bodenverbrauchs und der Definition von Zielen mit konkreten Zahlen: "Wenn wir weitermachen wie bisher, werden wir Probleme bekommen. Jeden Tag gehen rund 12 ha Grünflächen durch Bauprojekte verloren. Daher schlagen wir vor, ertragreiche Flächen gegen Versiegelung zu schützen, damit sie in der landwirtschaftlichen Produktion bleiben", so Baumgarten. Als wichtiges Instrument für die künftige Raumplanung soll dabei das auf Basis der Bodenqualität entwickelte Konzept zum Schutz der wertvollen landwirtschaftlichen Produktionsflächen dienen.