Öffentlichkeit

Wir sind keine Gnadenhöfe

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Max Riesberg Portrait
Max Riesberg
am Mittwoch, 31.10.2018 - 13:35

Für ein realistisches und positives Bild der Landwirtschaft in der Gesellschaft setzen sich der Mastbetrieb Klenkert und der Milchviehbetrieb Mayerhofer bei der Initiative Unsere Bayerischen Bauern ein. Ihr Appell: Jeder kann etwas dazu beitragen!

Eine junge Frau kniet vor 750 kg schweren Fleckviehbullen. Wenn das kein Hingucker ist. Für Franziska Klenkert aus Ettleben im Landkreis Schweinfurt ist der Umgang mit den Kolossen allerdings nichts außergewöhnliches sondern Alltag. Insgesamt 300 Mast- und 270 Fresserplätze hat sie gemeinsam mit ihren Eltern Rita und Hubert zu versorgen. Klar, dass damit jede Menge Arbeit verbunden ist. Harte Arbeit, die der 26-Jährigen jedoch viel Spass macht. Das merkt man auch sofort und darum ist man bei der Werbe-Initiative des Bayerischen Bauernverbands mit dem Motto „Unsere Bayerischen Bauern“ (UBB) auch froh, dass sich Franziska als sympathisches Gesicht der Landwirtschaft für das Image eines ganzen Berufsstandes in der Öffentlichkeit zeigt und einsetzt.

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Seit zwei Jahren gibt es die Initiative inzwischen. Zum ZLF in München 2016 fiel der Startschuss. Klenkert hat sich und ihren Betrieb aus eigenen Beweggründen für die Werbekampagne zur Verfügung gestellt. „Auf der Jahreshauptversammlung des Fleischerzeugerrings wurde sie vorgestellt“, erzählt sie rückblickend. Das habe die Jungbäuerin gleich für eine gute Sache gehalten, allerdings sei es ihr auch wichtig gewesen, dass auch die Bullenmast in der Öffentlichkeit dargestellt wird und nicht immer nur die Milchviehhaltung im Fokus steht. „Den Kopf einzuziehen und zu meinen jeder hackt auf uns Bauern rum, bringt doch nichts“, ist sich Klenkert sicher.

Wie ein Lauffeuer

Es folgte ein Fotoshooting im Bullenstall und der Dreh eines Image-Films. All das hat Klenkert gerne und unentgeltlich mitgemacht, wie sie berichtet. Genau vor einem Jahr wurde dieser Porträtfilm dann online gestellt und die Plakate mit der jungen Frau und ihren Bummerln aufgehängt. „Dann ging es wie ein Lauffeuer“, meint Klenkert und lacht. Aus dem Freundeskreis kamen so viele Rückmeldungen. „Die haben sich alle mit mir gefreut.“ Aber auch kritische Stimmen und Kommentare beispielsweise auf Facebook musste die engagierte junge Frau aushalten.

Dabei ging es um Themen wie Massentierhaltung, Betonspaltenboden, das Enthornen der Kälber, Weidegang und nicht zuletzt um das Trennen von Kuh und Kalb unmittelbar nach der Geburt. Da ist es besonders wichtig, gute Argumente zu haben und den Leuten unverblümt und unaufgeregt die Wahrheit zu schildern, denn viele kennen die Landwirtschaft schlichtweg nur aus Heile-Welt-Kinderbüchern oder aus der mitunter sehr tendenziösen Berichterstattung im Fernsehen. „Natürlich gibt es auch Hardcore-Tierschützer, bei denen man das Gefühl hat, dass alles Erklären nichts bringt. Aber ich habe immer versucht, jedem sachlich zu antworten“, erzählt Klenkert.

Mehr Solidarität

Schön sei es für sie auch gewesen, vor allem bei den Online-Kommentaren die Unterstützung ihrer Berufskollegen zu erfahren, über alle Produktionsrichtungen hinweg. „Da spürt man schon eine gewisse Solidarität unter den Landwirten. Und die brauchen wir noch stärker, um uns gemeinsam für die gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen der Zukunft zu rüsten“, ist die 26-Jährige überzeugt.
Für Klenkert ist eine Hauptbotschaft, dass es ihren Tieren gut geht und dass man in der Landwirtschaft immer noch Geld mit der Tierhaltung verdienen muss. Das werde in der öffentlichen Diskussion leider viel zu oft ausgeblendet. „Für mich hat jede Haltungsform Vor- und Nachteile. Da gibt es kein Schwarz- Weiß, sondern so viele Möglichkeiten, die gerade für die bayerischen Familienbetriebe ihre Berechtigung haben“, betont Klenkert.
Die unterfränkische Familie selbst hat ihren Betrieb ebenfalls über die Jahre hinweg Schritt für Schritt weiterentwickelt. Dabei spielt regionale Wertschöpfung heute eine besondere Rolle. „Wir produzieren für den Schlachthof in Bayreuth im Rahmen des Programms: in Bayern geboren, in Bayern gemästet und in Bayern geschlachtet“, erzählt Klenkert. Gerade beim Thema Fleischproduktion und „Qualität aus der Region“ sieht sie noch viel Potenzial für Nachhaltigkeit in der Wertschöpfungskette. Aber die Verbraucher müssten zunächst Mal über die Produkte und deren Vorzüge informiert werden.
„Jeder kann für ein positiveres Image der Landwirtschaft etwas beitragen“, davon ist die Bullenmästerin überzeugt. Sie ist seit sechs Jahren selbst in der bayerischen Jungbauernschaft aktiv und inzwischen sogar stellvertretende Kreisbäuerin. Standdienste auf Messen, Öffentlichkeitsarbeit mit z. B. Medienvertretern oder Führungen für Schulklassen und Kindergärten gehören inzwischen ebenso zu ihrem Tätigkeitsfeld, wie das täglich fünfmalige Mischen der verschiedenen Mastrationen für ihre Fresser und Bullen. „Da muss man sich trotz Arbeitsstress einfach so organisieren, dass Zeit dafür übrig bleibt“, erklärt sie.
Facebook und Co sind für sie gute Kanäle, wo Imagearbeit quasi nebenbei geht. Dabei sei sie sicher keine, die den ganzen Tag am Smartphone hängt. „Als Einzelkämpfer ist es jedoch schwierig. Wenn wir unsere Aktivitäten bündeln, sieht es ganz anders aus“, sagt sie. Mit UBB sei vor zwei Jahren der richtige Schritt in die richtige Richtung gemacht worden. Jetzt brauche es nur noch mehr Mitstreiter. „Denn die Gesellschaft entfernt sich immer mehr von der realen Landwirtschaft. Wenn wir nichts tun und uns nicht bemühen, wird sich der Prozess noch beschleunigen. Irgendwann kräht kein Hahn mehr nach uns“, ist Klenkert überzeugt.

Mehr Wirklichkeit

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Auch Monika und Hans Mayerhofer sehen noch viel Handlungsbedarf in Sachen Öffentlichkeits- und Imagearbeit für die Landwirtschaft. Daher haben auch sie sich vor zwei Jahren bereit erklärt, bei UBB mitzumachen. „Wir wollen den Verbrauchern zeigen, wie Landwirtschaft wirklich ist und nichts beschönigen“, sagt Monika Mayerhofer und ihr Mann Hans ergänzt, „dabei muss es aber auch um eine faire Wertschöpfung für unsere Arbeit und unsere Produkte gehen.“ Familie Mayerhofer bewirtschaftet einen Milchviehbetrieb mit 70 Kühen und Nachzucht in Vogtareuth (Lkr. Rosenheim).

Mehr Sensibilität

Für sie ist es entscheidend, dass man in der Landwirtschaft sensibler im Umgang mit den Mitmenschen wird. Der eigene Freundes- und Bekanntenkreis sei genau der richtige Ansatzpunkt für jeden Einzelnen, um die Akzeptanz landwirtschaftlicher Belange weiter voranzutreiben. Dazu gehört für sie auch ein transparenter Betrieb. Mayerhofers haben in diesen laufend investiert und in Sachen Tierwohl einige bauliche Maßnahmen vorgenommen, jüngst wird ein Laufhof mit Außenliegeboxen gebaut, um den Stall zur Wohlfühloase für die Kühe zu machen. Vom Bauverlauf werden dann Zeitrafferaufnahmen im Internet zu sehen sein.
„Freilich wissen wir selbst, dass nicht alles toll ist, aber solang wir für die Milch nur einen besseren Dumpingpreis bekommen, können nicht noch mehr Auflagen gemacht und immer noch mehr Forderungen an uns gestellt werden. Denn irgendwann produzieren wir Biomilch zu einem konventionellen Preis. Das kann es doch nicht sein“, sagt der BBV-Kreisvorstand ganz klar.
Für Monika Mayerhofer ist es nicht immer leicht die öffentliche Diskussion weiterzuführen. „Wenn einem immer wieder vorgehalten wird, dass man den armen Kühen die Kälber wegnimmt. Dann kommt man sich gerade als Mutter auch irgendwann schlecht vor und zweifelt“, erzählt sie. Aber man habe nun mal Milchviehhaltung, von der man leben muss und keinen Streichelzoo oder Gnadenhof.
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Ein Beispiel spiegelt die oft absurden Argumente einiger unbelehrbarer Zeitgenossen deutlich wieder: Als die Werbekampagne mit dem Plakat mit Monika Mayerhofer und ihren Kühen angelaufen ist, erhielt sie einen Anruf von einer Frau. Diese beschimpfte sie, dass sie durch das Melken der Kühe den armen Kälbern die Milch wegnehme. Selbst teilte ihr die Anruferin mit, dass sie schon lange keine Milch mehr trinke und immer nur Sahne in ihren Kaffee schütte. - „Da hilft nur eines, tief durchatmen und weitermachen“, sagt die engagierte Bäuerin. Denn es zeige ihr zum anderen auch, dass viel Aufklärungsbedarf bei der nicht landwirtschaftlich geprägten Bevölkerung bestehe.

Um diese Aufklärungsarbeit geht es ihrem Mann Hans auch, wenn Forderungen oder öffentliche Statements von Politikern kommen. „Wenn die eine Agrarwende wollen, dann müssen sie sich auch auskennen“, betont er. Mayerhofers haben schon einige Politiker verschiedener Parteien auf ihrem Betrieb gehabt. „Die Gespräche waren immer positiv. Meist lagen die Vorstellungen gar nicht so weit auseinander“, schildert der Betriebsleiter und denkt dabei an die aktuell heiß diskutierte Gülleausbringung. „Wir müssen unbedingt schauen, dass wir unsere Interessen bündeln. Gerade bei den Organen, die für die Landwirtschaft in der Öffentlichkeit stehen.“ Außerdem ist es für ihn entscheidend, dass man „nicht immer wartet, bis es zu spät ist. Wir müssen uns jetzt schon um die Probleme von morgen kümmern. Denn viele Zukunftsprobleme kann man heute schon erkennen.“ Max Riesberg

Transparenz schafft Vertrauen

Die Geschäftsführerin von UBB Eva-Maria Haas zieht im Wochenblatt eine Zwei-Jahres-Bilanz und spricht über die Herausforderungen, die Kampagne weiter bekannt zu machen, sowie einen Schulterschluss in der Branche zu erreichen.

Die bis jetzt auf unserem Facebook-Kanal platzierten Videos zu den Themen „Weide- vs. Stallhaltung“ und „Substratanbau bei Gemüse“ haben für zahlreiche Kommentare und hitzige Diskussionen gesorgt, die uns wiederum die Chance geben, die Landwirtschaft zu erklären, Fakten zu platzieren und Verständnis zu schaffen. Ich möchte alle Social Media affinen Landwirte und Fachleute aus den Branchen auffordern, sich an den Diskussionen auf Facebook zu beteiligen! Alle zwei Wochen, immer montags, posten wir ein neues Video. (Bisherige Filme unter: https://www.unsere-bauern.de/wissen/nachgeharkt/).

Zur Finanzierung

Über alle Branchen hinweg (Milch, Fleisch, Geflügel, Getreide, Hopfen, Gemüse etc.) sollen 0,45 Promille des vermarkteten Umsatzes an UBB gehen. Bei einem Umsatz von 1000 € wären das 45 Cent – auf freiwilliger Basis. Die einzelnen Branchen rechnen den Ansatz z. B. auf die Anzahl vermarkteter Tiere oder auf Tonnen vermarktetes Getreide um. In den letzten Wochen und Monaten sei viel passiert, heißt es von UBB. Allerdings gehe es in den einzelnen Branchen auch strukturell bedingt unterschiedlich schnell voran. Da im Verein kein „Wasserkopf“ für die aufwändige Mitgliederverwaltung aufgebaut werden soll, sei eine organisatorische und logistische Unterstützung entlang der Lieferkette bei der Einziehung der Gelder essentiell. Vor allem die VVGs und EZGs im Fleischbereich seien mittlerweile alle dabei. Und sogar der Viehhandel mache sich auf den Weg, wobei hier teilweise viel Überzeugungsarbeit zu leisten ist, da die Beteiligten ihren Nutzen nicht gleich sehen.