Verbandsgründung

Jubiläum: 50 Jahre Bioland

Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Montag, 19.04.2021 - 08:26

Auf der digitalen Pressekonferenz kommt mit der Gründergeneration des Hof Bergs in Dannau ein Urgestein des Verbandes zu Wort.

Bioland

Mainz/Dannau - Was 1971 mit der Gründung des „bio gemüse e.v.“ durch zwölf Frauen und Männer begann, hat sich in den vergangen 50 Jahren kräftig entwickelt. Nach Angaben von Bioland ist die Organisation zum größten Bio-Anbauverband in Deutschland und Südtirol mit rund 10.000 Unternehmen aus Erzeugung, Herstellung und Handel herangewachsen. Anlässlich des Jubiläums hat Bioland bei einer digitalen Pressekonferenz auf die Meilensteine seiner Historie zurückgeblickt und einen Blick in die Landwirtschaft der Zukunft geworfen. Mit dabei war auch ein echter Bioland-Pionierbetrieb: Die aktuelle und die Gründergeneration des Hof Bergs in Dannau berichteten vom gemeinsamen Alltag auf dem Hof und den vielen Erfahrungen, die man als ältester Bioland-Betrieb Schleswig-Holsteins über die Jahre sammelt.

„Die Prinzipien, die Bioland zugrunde liegen, sind auch heute noch sehr lebendig“, sagt Bioland-Präsident Jan Plagge. „Wir müssen biologische Systeme ganzheitlich begreifen und mit der Natur, statt gegen sie arbeiten. Das bedeutet, Menschen, Tiere und Pflanzen nicht getrennt vom Mikrobiom im Boden zu betrachten. Reine Nährstoffbetrachtungen werden diesem komplexen System nicht gerecht. Dieses biologische Denken ist die Grundlage für uns als Verband und ich bin sehr dankbar für die vielen Menschen in unserer Historie, die diese Grundprinzipien – auch gegen Widerstände – beibehalten und weiterentwickelt haben.“

Generationenübergreifende Arbeit beim Pionierbetrieb Berg

Bioland

Der älteste Bioland-Hof Schleswig-Holsteins ist der Hof Berg in Dannau. Gemeinsam mit René Kohler hat Falk Teschemacher die Leitung des elterlichen Betriebs vor einigen Jahren übernommen. Was sich nicht geändert hat: Seit 1979 bis heute arbeitet der Hof nach den strengen Bioland-Richtlinien. Auf 150 Hektar Land wirtschaftet das Team des Hofs Berg in der Holsteinischen Schweiz unweit der Ostsee und hält dabei 70 Kühe, deren Milch in der eigenen Käserei weiterverarbeitet werden.

„Für mich war immer klar: Der einzige Weg, überhaupt einen Hof aufzubauen, ist der Bio-Landbau“, erklärt Albert Teschemacher seine Motivation zur ökologischen Ausrichtung des Hofs nach der Übernahme im Jahr 1979. „Bioland habe ich damals wie heute als starke Organisation wahrgenommen, die den Bio-Landbau voranbringt und auch positiv auf den konventionellen Anbau ausstrahlt“, so Teschmacher, der 1975 als einer der ersten Geschäftsführer des Verbandes dessen Ausrichtung mitgestaltete.

Seine Frau Birgitta Teschemacher erinnert sich an die Anfangstage des Hofs Berg und zieht Bilanz: „Anfangs haben uns andere Bauern aus der Region schlecht geredet und sich über uns lustig gemacht. Viele haben uns nicht mehr als fünf Jahre gegeben. Heute bestätigen uns die vielen positiven Rückmeldungen von unseren Kunden, dass wir damals genau den richtigen Schritt gemacht haben.“

Den für sich richtigen Schritt hat auch René Kohler gemacht, der 1998 als Lehrling in den Betrieb einstieg. „Für mich ist die Arbeit auf dem Hof mehr Berufung als Beruf – und die ökologische Bewirtschaftung gibt mir dabei das Gefühl, auf der guten Seite zu stehen.“ Zur gestiegenen Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln während der Corona-Pandemie ergänzt er: „In unsicheren Phasen besinnt man sich auf das Elementare und wer macht etwas Elementares, wenn nicht wir?“