Wirtschaftlichkeit

Haupterwerbsbetriebe zahlen drauf

Geschäftsabschluss
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Mittwoch, 27.01.2021 - 15:46

Das Wirtschaftsjahr 2020/21 wird den landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetrieben in allen Betriebsformen erhebliche Eigenkapitalverluste bringen.

Die Landwirtschaftskammern haben eine Vorschätzung über die Entwicklung der Ergebnisse für das laufende Wirtschaftsjahr 2020/21 vorgelegt. Nach dem Rekordjahr 2019/20 sinkt die Rentabilität der Veredlungsbetriebe in einen existenzbedrohenden Bereich. Die Gewinne der Futterbaubetriebe sind bereits seit drei Jahren rückläufig. Ackerbauern und Tierhalter leiden unter dem Lockdown in der Gastronomie. Die Getreidepreise befinden sich derzeit zwar auf einem Mehrjahreshoch, im laufenden Wirtschaftsjahr werden die Ackerbauern davon aber nicht mehr profitieren können.

Drittes Trockenjahr in Folge

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Der Winter 2019/20 war zu mild. Schädlinge bereiteten im weiteren Vegetationsverlauf Probleme. Der Frühling 2020 präsentierte sich erneut außergewöhnlich trocken. Regional verursachten Spätfröste größere Schäden. Auch im Frühsommer fehlten Niederschläge. Infolge der vorangegangenen Dürrejahre konnten die Böden kaum noch Feuchte nachliefern. Auch im Erntejahr 2020 war Wasser der limitierende Wachstumsfaktor.

Die Erträge bei Getreide lagen dicht unter dem langjährigen Mittel und damit etwa auf dem Niveau des mäßigen Vorjahres. Regional wurden je nach Bodengüte aber auch bis zu 90 dt/ha erreicht. In den südwestlichen Teilen der Republik konnten sogar leichte Mehrerträge realisiert werden. In den nordöstlichen Regionen blieben die Hektarerträge deutlich hinter den Durchschnittswerten der Vorjahre zurück.

Beim Raps konnte das schwache Vorjahresergebnis überwiegend überboten werden. In den Ländern mit einer Landwirtschaftskammer wurden gute Hektarerträge von bis zu 40 dt erzielt.

Wie schon in den letzten Jahren hatten die Zuckerrüben auch 2020 mit massiver Trockenheit zu kämpfen. Niederschläge im September sorgten noch für Ertragszuwächse. Die Zuckergehalte waren leicht überdurchschnittlich. Unter dem Strich wurden bis zu 815 dt/ha gerodet.

In den Bundesländern mit einer Landwirtschaftskammer brachten die Kartoffeln Hektarerträge von bis zu 450 Dezitonnen. Damit wurden die schlechten Ernteergebnisse der beiden vorangegangenen Trockenjahre größtenteils übertroffen.

Grundfuttermangel in Grünlandregionen

Regional sind im Wirtschaftsjahr 2020/21 wegen unzureichender Bodenwasservorräte Einbußen in der Grundfutterproduktion zu verzeichnen. Nach einem durchwachsenen, ersten Grünlandschnitt brachte die verbleibende Vegetationsperiode keine großen Masseerträge mehr.

Insbesondere in Teilen Niedersachsens kam es zudem durch Mäusefraß und durch einen Befall mit Tipula-Larven zu Ernteeinbußen durch Schäden an der Grasnarbe. Fehlende Futtervorräte führten zu Grundfuttermangel.

Preise für Marktfrüchte durchmischt

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Im neuen Wirtschaftsjahr 2020/21 ist der Markt mit Getreide nur knapp versorgt. Die gesamteuropäische Ernte blieb hinter den Erwartungen zurück. Zusätzlich musste Russland seine Exporte drosseln, um seine heimische Versorgung sicherzustellen. Die Marktnotierungen für Getreide steigen deshalb. Die hohen Preise ab der Jahreswende haben den meisten Produzenten aber nichts mehr genutzt, denn das Gros der Ernte war zu diesem Zeitpunkt bereits vermarktet. Über das gesamte Wirtschaftsjahr gesehen rechnen die Landwirtschaftskammern mit Preisen von bis zu neun Prozent über dem Vorjahreszeitraum.

Der Rapsmarkt tendiert im Vergleich zum Vorjahr leicht positiv. Auch international zogen die Weltmarktpreise für Ölfrüchte an.

Die Kartoffelpreise geben um bis zu 35 Prozent nach. Die Ursache ist vor allem in der Corona-Pandemie begründet. Geschlossene Kantinen, Mensen, Gaststätten und ausgefallene Großveranstaltungen ließen die Nachfrage einbrechen. Eine gute Ernte sorgt für gut versorgte Märkte, so dass sich die Preise zusätzlich unter Druck befinden.

Milchpreise weiterhin niedrig

Auch die Situation am Milchmarkt ist durch die Pandemie gekennzeichnet. Schulmilchprogramme sind eingestellt, Gastronomiebetriebe sind geschlossen und der Lockdown reduziert die Absatzmöglichkeiten. Die Auswirkungen auf die heimischen Erzeugerpreise wären gravierender, wenn sich das weltweite Wachstum der Milchproduktion gegenwärtig nicht abschwächen würde. Insofern gehen die Landwirtschaftskammern von einem ganzjährigen Rückgang des Erzeugerpreises von bis zu zwei Prozent aus.

Notierungen für Rinder rückläufig

Mastbullen-Futtertisch_MR

In Folge des ersten Lockdowns sind die Rinderpreise gesunken. Der vorwiegende Grund war die Schließung von Restaurants und anderen Gastronomie-Betrieben. Nach zwischenzeitlicher Erholung verschärft der zweite Lockdown den Nachfragerückgang erneut.

Bei den Mastrindern legt die Prognose einen Preisrückgang von bis zu fünf Prozent zu Grunde. Bei Altkühen wird mit einem Preisminus von knapp zwanzig Prozent gegenüber dem Vorjahr gerechnet. Beim weiblichen Zuchtvieh nehmen die Landwirtschaftskammern einen ganzjährigen Preisabschlag von bis zu acht Prozent an. Für die Kälber erwarten die Fachexperten um 20 Prozent geringere Notierungen.

Ruinöse Verhältnisse in der Schweinhaltung

Mastschweine-Stallbucht

Der Vorjahresboom in der Schweinehaltung war nur ein Zwischenhoch. Im laufenden Jahr wird die Situation dramatisch. Näher betrachtet werden die Bundesländer Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, in denen die meisten Schweine gehalten werden. In Niedersachsen brechen die Unternehmensergebnisse auf 14.000 EUR ein und in Nordrhein-Westfalen auf 17.000 EUR.

Ausgehend von einer Nettorentabilität im Vorjahr von deutlich über 100 Prozent gibt diese im laufenden Wirtschaftsjahr um bis zu 90 Prozent nach. Die eingesetzten Produktionsfaktoren können nur noch bis zu 16 Prozent vergütet werden. Die Betriebsergebnisse bleiben hinter dem Durchschnittsgewinn der zurückliegenden fünf Jahre zurück, und zwar bis zu 78 Prozent.

Die im September 2020 in Deutschland aufgetretene Afrikanische Schweinepest (ASP) führte aus seuchenhygienischen Gründen zur Verhinderung von Schweinefleisch-Exporten nach Asien. Weit verbreitet mussten Schlachtstätten ihre Kapazitäten Corona-bedingt reduzieren.

Dies verursachte in den Ställen einen erheblichen Stau an Schlacht-schweinen. Der Schweinepreis befand sich zum Jahreswechsel 2020/21 auf dem niedrigsten Stand seit fast 15 Jahren. Insgesamt wird ein Preisrückgang von bis zu 28 Prozent bei der Berechnung zu Grunde gelegt.

Vor dem Hintergrund der Absatzschwierigkeiten bei Schlachtscheinen sind die Mastabteile voll. Die Mäster können keine Ferkel einstallen. Die verminderte Nachfrage führt zu dramatischen Einbrüchen bei den Ferkelpreisen. Die Landwirtschaftskammern rechnen damit, dass die Notierungen um bis zu 50 Prozent unter denen des Vorjahres rangieren werden.

Ackerbau schwächelt, steht aber noch am besten da

Die Regionen mit einer Landwirtschaftskammer zeigen unterschiedliche Entwicklungen. In Rheinland-Pfalz (-11 Prozent), Niedersachsen (-16 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (-19 Prozent) geben die Unternehmensergebnisse nach. Erreicht werden absolute Größenordnungen zwischen 53.000 EUR (Nordrhein-Westfalen) und 62.000 EUR (Niedersachsen). Anders sieht die Situation für das Saarland (+14 Prozent) und Schleswig-Holstein (+19 Prozent) aus. Bedingt durch landesspezifische Betriebsstrukturen und ausgehend von einem schlechten Vorjahr können die dortigen Landwirte zum Niveau der anderen Bundesländer aufschließen.

Damit ist eine Vergütung der eingesetzten Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital nur teilweise möglich. Das Maß der Vergütung wird als Nettorentabilität bezeichnet und in Prozent angegeben. Per Saldo ergibt sich im Ackerbau eine Faktorvergütung um 70 Prozent. Das entspricht einer Verschlechterung von rund 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Nach den Spezialisierungsformen gesehen ergeben sich jedoch Differenzierungen. Betriebe mit den Schwerpunkten Getreide und Raps schneiden gegenüber dem Vorjahr leicht positiv ab. Kartoffeln sorgen bei Hackfruchtbetrieben für rückläufige Unternehmensergebnisse.

Futterbaubetriebe müssen Minderumsätze und hohe Futterkosten akzeptieren

Gesunkene Milchpreise und geringe Erlöse aus der Altkuh- und Rindfleischvermarktung, sowie hohe Futterkosten setzen die Futterbaubetriebe unter Druck. So geben die Unternehmensergebnisse gegenüber dem Vorjahr abermals nach. Die Spanne reicht von acht Prozent im Saarland bis hin zu 22 Prozent in Niedersachsen.

Erreicht werden Gewinne zwischen 44.000 EUR in Niedersachsen und 59.000 EUR im Saarland. Die damit verbundenen Werte der Nettorentabilität schwanken zwischen 53 Prozent in Niedersachsen und 80 Prozent im Saarland. Die Wirtschaftlichkeit nimmt um bis zu 20 Prozent ab.

Auch bei den Futterbaubetrieben bewirken die produktionstechnischen Ausrichtungen markante Unterschiede. Spezialisierte Milchviehbetriebe verzeichnen einen geringeren Rückgang des Gewinns als spezialisierte Bullenmäster und Mutterkuhhalter.

Verbesserung der Ergebnisse im Weinbau erwartet!

Regional sehr unterschiedlich waren die Ernteergebnisse im Weinbau 2020, dem dritten Jahr in Folge mit langem, trockenem und heißem Sommer. Im Durchschnitt konnte deutlich mehr Menge mit besseren Qualitäten als 2019 geerntet werden. Im Vorjahr „geplünderte“ Lagerbestände können wieder aufgefüllt werden.

Trotz allgemeiner zum Teil deutlicher Kostensteigerung werden Weinbaubetriebe im Wirtschaftsjahr 2020/21, bei annähernd gleichen Preisen wie 2019/20, ihr Unternehmenser-gebnis wieder steigern.

Eigenkapitalverluste in allen Betriebsformen

agrarpolitischer Bericht

Keine Hauptspezialisierungsform der Landwirtschaft kann im laufenden Wirtschaftsjahr punkten. Die Lage im Ackerbau ist mäßig bis schlecht, im Futterbau ist die Situation noch angespannter. Für die Veredlung wird es ein wahrlich dramatisches Jahr.

Im Durchschnitt aller Betriebsformen und über alle Regionen hinweg gesehen geben die Gewinne nach. Am geringsten ist das Saarland mit minus drei Prozent betroffen. Denn dort gibt es kaum Schweine und auch kaum einen Hackfruchtanbau. Am stärksten prägt sich die negative Tendenz für die Schweinehochburgen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen mit bis zu 47 Prozent Rückgang des Gewinns aus. Wenn man das Saarland (mit 78 Prozent Nettorentabilität) einmal ausklammert, können die eingesetzten Produktionsfaktoren nur in etwa zur Hälfe vergütet werden.

Zusammenfassend ist einzuschätzen, dass die Corona-Pandemie auch in der deutschen Landwirtschaft schweren Schaden verursacht hat. Das zeitgleiche Auftreten der Afrikanischen Schweinpest, der Geflügelgrippe und der dritten Dürre in Folge sorgen für übergreifend schlechte Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft. Die Haupterwerbsbetriebe müssen nennenswerte Eigenkapitalverluste und große Liquiditätsprobleme im laufenden Wirtschaftsjahr verkraften.