Coronabeeinflusstes Einkaufsverhalten

Gesteigertes Preisbewusstsein bei Konsumenten

Supermarkt
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Montag, 21.09.2020 - 15:31

Beim Preis sind die Deutschen unerbittlich. Ein Effekt, den Corona jetzt sogar noch befördert hat.

Forscherinnen und Forscher der Universität Göttingen haben ermittelt, wie sich die Corona-Pandemie auf das Einkaufs-, Ernährungs- und Kochverhalten auswirkt. Dabei konnten die Wissenschaftler der bisherigen Erkenntnis, dass die Käufer mehr auf die Herkunft achten noch einen weiteren Aspekt hinzufügen: Ein erhöhtes Preisbewusstsein.

70 Prozent schauen verstärkt auf den Preis

28 Prozent der Befragten gaben an, während der Corona-Pandemie mehr Geld für Essen auszugeben. Über 40 Prozent sagten, dass sie vermehrt auf Sonderangebote achten und 30 Prozent, dass sie vermehrt günstige Lebensmittel einkaufen.

„Eine mögliche Erklärung ist die Verschiebung vom Außer-Haus-Konsum in den Haushaltsbereich, weshalb viele Menschen stärker wahrnehmen, mehr Geld beim Lebensmittelkauf auszugeben“, kommentiert Erstautorin Dr. Gesa Busch diese Zahlen.

„Überraschend war zudem, dass trotz der Erfahrung leerer Supermarktregale zu Beginn der Pandemie nur etwa 44 Prozent der Befragten Haushaltsvorräte für mindestens zehn Tage zu Hause haben.“  Das Vertrauen in die Ernährungssicherung ist bei den meisten Menschen nach wie vor sehr hoch.

Beobachtung über einen längeren Zeitraum

Die Studie startet Mitte April in einer deutschlandweiten Konsumentenbefragung. Mitte Juni, zu einem Zeitpunkt mit geringen Infektionszahlen und zunehmenden Lockerungen, wurden dieselben Konsumentinnen und Konsumenten noch einmal befragt.

Ein Vergleich der Daten zeigt in einigen Bereichen einen Rückgang zu den Verhaltensmustern wie vor der Corona-Pandemie. Die Menschen kochten weniger zuhause, dafür gingen sie wieder häufiger einkaufen. Andere Aspekte blieben stabil, wie die gestiegene Bedeutung von Nachhaltigkeitsaspekten bei der Lebensmittelwahl und die gestiegene Präferenz für die heimische Landwirtschaft. Die Ergebnisse sind in einem Diskussionspapier am Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung der Universität Göttingen erschienen.

Besuch von Gastronomie nur zögerlich wieder aufgenommen

Ein Blick auf die Gastronomie zeigt, dass die Befragten nur zögerlich den Außer-Haus-Verzehr wiederaufnehmen. Mitte Juni hatte erst ein Drittel wieder einen Gastronomiebetrieb besucht. Allerdings sieht die Hälfte der Befragten eine Notwendigkeit, die Gastronomie durch einen Besuch zu unterstützen.

„Insgesamt zeichnet sich eine schwierige Zukunft insbesondere für die klassische Gastronomie ab“, so Prof. Dr. Achim Spiller, Leiter der Abteilung Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte der Universität Göttingen.