Mehrfachantrag

Fördermittel richtig beantragen

PC-Anwender
Albert Zollner, Bayerisches Staatministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
am Donnerstag, 18.03.2021 - 10:09

Die Frist für die Abgabe des Mehrfachantrags endet dieses Jahr am Montag, dem 17. Mai. Wir zeigen, worauf bei der Beantragung im iBalis zu achten ist.

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Die bayerischen Landwirte erhalten in diesen Tagen wieder eine Postsendung mit den notwendigen Informationen für die Mehrfachantragstellung 2021. Bis spätestens 17. Mai muss der elektronische Mehrfachantrag einschließlich aller Anlagen beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) eingegangen sein. Aufgrund der Coronaeinschränkungen können Fragen heuer telefonisch oder per E-Mail geklärt werden.

Der Mehrfachantrag bietet eine Vielzahl von Fördermaßnahmen, die elektronisch im Internetportal iBalis (integriertes Bayerisches Landwirtschaftliches-Informations-System) unter www.ibalis.bayern.de beantragt werden können. Dort sind im Förderwegweiser auch alle Merkblätter mit den Neuerungen und den wichtigen Informationen für die Antragstellung 2021 verfügbar und können zur Ansicht oder zum Ausdrucken heruntergeladen werden.

Mehrere Maßnahmen auf einmal beantragen

Mit dem Mehrfachantrag können mehrere Fördermaßnahmen gleichzeitig beantragt werden:

  • Basisprämie und Greeningprämie (Zahlung für dem Klima- und Umweltschutz förderliche Landbewirtschaftungsmethoden),
  • Umverteilungsprämie,
  • Zahlung für Junglandwirte,
  • Ausgleichszulage in benachteiligten Gebieten (AGZ),
  • Auszahlung für Agrarumweltmaßnahmen (AUM), dazu gehören das Kulturlandschaftsprogramm (Kulap) und das Vertragsnaturschutzprogramm (VNP/EA),
  • Ausgleichszahlungen für Gewässerrandstreifen (GWZ),
  • Prämie für Sommerweidehaltung (Weideprämie).
     
Prämie je Hektar*
Basisprämie ca. 173 €
Greeningprämie ca. 84 € 
Junglandwirteprämie 44 € (für max. 90 aktivierte ZA)
Umverteilungsprämie 1. bis 30. ZA ca. 51 €
31. bis 46. ZA ca. 30 €

 *Die endgültigen Werte 2021 stehen noch nicht fest. Die Auswirkungen nach der Festle- gung des neuen Mehrjährigen Finanzrahmens 2021 – 2027 der Europäischen Union können noch nicht genau beziffert werden. Zur Orientierung werden die Werte aus 2020 dargestellt

Weiterhin werden darin verpflichtende Angaben gemacht:
  • Aufgrund der Teilnahme am Bayerischen Sonderprogramm für Versicherungsprämienzuschüsse Obst- und Weinbau (Mehrgefahrenversicherung),
  • bei Prämienzahlungen für die Umstrukturierung und Umstellung von Rebflächen.

Integrierte Feldstückskarte ist Kernstück

Kernstück für die Online-Antragstellung in iBalis ist die integrierte Feldstückskarte. Darin sind alle Feldstücke eines Betriebs auf hochauflösenden aktuellen Luftbildern grafisch dargestellt. Zusätzlich können viele geografische Informationen, z. B. die Digitale Flurkarte (DFK) oder die Abgrenzung verschiedener Gebietskulissen (z. B. Wasserschutzgebiete, rote und gelbe Gebiete, Hangneigungskarten) einfach abgerufen werden. Neben der eigenen Antragstellung durch Landwirte im Internet bieten bayernweit auch der BBV, die Maschinenringe und der Landwirtschaftliche Buchführungsdienst wieder eine Unterstützung der Antragstellung an.

  • Aktivierung der Zahlungsansprüche (ZA): Die Beantragung und Zuweisung von ZA erfolgte bereits 2015. Nur in bestimmen Fällen ist eine Neubeantragung aus der nationalen Reserve möglich. Verwaltung und Übertragung der ZA erfolgt in der Zentralen InVeKoS-Datenbank (ZID) unter www.zi-daten.de. Alle deutschen ZA haben seit 2019 einen einheitlichen Wert und können mit beihilfefähiger Fläche unabhängig von der Lage in einem Bundesland aktiviert werden. Ebenso ist die ZA-Übertragung bundesweit möglich. Sollen für das Jahr 2021 noch ZA aufgenommen werden, kann der Übernehmer diese nur aktivieren, wenn die Übertragung bis zum 17. Mai erfolgt und die Meldung spätestens bis 11. Juni in der ZID durch Abgeber und Übernehmer abgeschlossen ist.
  • Basis- und Greeningprämie: Die Aktivierung von ZA ist nur mit bei der Basisprämie beihilfefähigen Kulturen möglich. Welche Kulturen beihilfefähig sind, kann man der Liste zur Codierung der Nutzungen im Flächen- und Nutzungsnachweis (FNN) entnehmen; sie sind dort in der Spalte „Basisprämie“ mit „B“ gekennzeichnet. Stehen auf einer Fläche des Betriebs beihilfefähige Kulturen, sind diese im FNN mit „B“ zu kennzeichnen und gelten damit zur Aktivierung von ZA als beantragt. Zusätzlich müssen die Flächen dem Betriebsinhaber am 17. Mai zur Verfügung stehen, d. h. vom Antragsteller in eigenem Namen und auf eigene Rechnung bewirtschaftet und grundsätzlich das gesamte Jahr 2021 für landwirtschaftliche Zwecke genutzt werden. Ist dies nicht der Fall, kann eine Fläche nicht mit „B“ beantragt werden und ist folglich mit „N“ zu kennzeichnen.
Werden Flächen kurzzeitig und vorübergehend für nichtlandwirtschaftliche Zwecke (z. B. Parkplätze für Festveranstaltungen) oder zur landwirtschaftlichen Lagerung (z. B. Stroh-, Dunglager) genutzt, können sie dennoch beihilfefähig bleiben. Diese Ausnahme gilt dann, wenn die nichtlandwirtschaftliche Nutzung
  • während der Vegetationsperiode oder bei mit Kulturpflanzen genutzten Ackerflächen von der Aussaat bis zur Ernte nur eine kurze Zeit (max. bis zu 14 Tage in Folge oder max. 21 Tage im gesamten Jahr 2021) erfolgt
  • und damit keine wesentliche Beeinträchtigung des Aufwuchses der Fläche verbunden ist.
In solchen Fällen ist es ratsam, frühzeitig mit dem AELF Kontakt aufzunehmen und die geplante Nutzung abzuklären. In aller Regel muss sie mindestens drei Tage vorher am AELF angezeigt werden. Dies kann 2021 erstmals auch online im Portal iBalis erfolgen. Eine nichtlandwirtschaftliche Nutzung, die bereits vor der Antragstellung erfolgte, ist ebenfalls dem AELF mitzuteilen und kann online nachgemeldet werden.

Einhaltung der Greeningauflagen

Mit der Beantragung der Basisprämie verpflichtet sich der Antragsteller auch zur Einhaltung der Greeningauflagen auf allen seinen beihilfefähigen Flächen im gesamten Kalenderjahr. Die Basisprämie ist gekoppelt mit dem Greening und kann nicht alleine beantragt werden. Betriebe des Ökolandbaus und Teilnehmer der Kleinerzeugerregelung sind von den Greeningauflagen befreit.

  • Mindestgröße bei den Schlägen einhalten: Schläge, die für die Aktivierung von ZA beantragt werden, müssen eine Mindestgröße von 0,1 ha aufweisen, also zusammenhängend mit einem einheitlichen Nutzungscode angegeben werden. Eine Ausnahme hiervon gilt, wenn Ackerstreifen an Waldrändern oder Pufferstreifen und Feldränder als ökologische Vorrangflächen (ÖVF) beantragt werden; diese müssen zusammenhängend mit der angrenzenden Ackerfläche mindestens eine Größe von 0,1 ha erreichen. Flächen, welche die Mindestgröße nicht erreichen, sind dann mit einem „N“ anzugeben.

Für Schläge, die zumindest teilweise durch die gesetzlichen Bewirtschaftungsbeschränkungen auf Gewässerrandstreifen (GWR) nach Art. 16 BayNatSchG oder § 38a WHG entstehen, beträgt die Mindestschlaggröße 0,01 ha. Es ist erforderlich, dass die GWR im iBalis, Menü „Feldstückskarte“ in der Ebene „Gewässerrandstreifen“ digitalisiert werden.

  • Neue Nutzungscodes: Zur Antragstellung 2021 gibt es zwei neue Nutzungscodes für Kulturen:
    • NC 866 Pflanzenmischungen mit Hanf,
    • NC 690 Samenvermehrung von Wildkräutern.
Wegen der hohen Bedeutung für die Biodiversität und den künftigen Ökoregelungen bei der GAP ab 2023 ist davon auszugehen, dass der Umfang dieser kleinparzellierten Mähdruschfrüchte sich deutlich erhöhen wird. Alle Vermehrungsflächen auf einem Feldstück können als ein gemeinsamer Schlag zusammengefasst werden und vereinfachen somit die Antragstellung.
  • Umverteilungsprämie für die ersten Hektare: Zusätzlich zur Basis- und Greeningprämie kann die Umverteilungsprämie für die mit Fläche aktivierten ZA beantragt werden. Sie wird für maximal 46 aktivierte ZA gewährt, wobei für die ersten 30 ZA der volle Prämiensatz und für bis zu 16 weitere ZA ein reduzierter Prämiensatz ausbezahlt wird. Mit der Umverteilungsprämie werden kleinere Betriebe bessergestellt.
  • Zusätzliche Zahlung für Junglandwirte: Junglandwirte, die einen Anspruch auf die Basisprämie haben, erhalten auf Antrag zusätzlich die Zahlung für Junglandwirte. Sie wird für maximal 90 aktivierte ZA gewährt. Als Junglandwirt gilt eine natürliche Person, die sich erstmals in einem landwirtschaftlichen Betrieb als Betriebsleiter niederlässt oder sich während der fünf Jahre vor der erstmaligen Beantragung für Junglandwirte niedergelassen hat und im ersten Jahr der Beantragung der Basisprämie nicht älter als 40 Jahre ist. 2021 sind dies die Geburtsjahrgänge 1981 oder später.

Rechtsform der Betriebsinhaber

Ist der Betriebsinhaber eine juristische Person oder eine Vereinigung von natürlichen Personen (z. B. GbR), so kann die Zahlung für Junglandwirte grundsätzlich auch in diesen Fällen dem Betriebsinhaber gewährt werden. Der Junglandwirt muss den Betrieb als Betriebsleiter wirksam und langfristig kontrollieren (Vetorecht). Beim häufigen Fall der GbR muss der Junglandwirt sowohl Geschäftsführer als auch Gesellschafter sein.

Wichtig ist, dass die Niederlassung vor der erstmaligen Beantragung der Zahlung für Junglandwirte erfolgt ist. Aufgrund einer Neuregelung im EU-Recht kann ab dem Antragsjahr 2018 die Zahlung für Junglandwirte für einen Zeitraum von fünf aufeinanderfolgenden Jahren ab erstmaliger Antragstellung auf Zahlung für Junglandwirte gewährt werden. Damit kann auch Junglandwirten mit erstmaliger Niederlassung in den Jahren 2012 und 2013, die 2017 bereits die Zahlung für Junglandwirte erhalten haben, im Jahr 2021 diese Zahlung nochmals gewährt werden. Eine rückwirkende Gewährung für vergangene Jahre ist nicht möglich.
  • Für Kleinerzeuger heuer Ausstieg möglich: Im Jahr 2015 konnten sich Antragsteller einmalig zur Teilnahme an der Kleinerzeugerregelung entscheiden. Sie unterliegen damit nicht den Vorschriften des Greenings und der Cross-Compliance, jedoch gelten die fachrechtlichen Vorschriften unverändert. Der Landwirt erhält hierbei für seine beantragte Fläche die Direktzahlungen aus Basis-, Greening-, Junglandwirte- und Umverteilungsprämie, maximal jedoch 1250 € pro Jahr. Kleinerzeuger können sich 2021 entscheiden, aus dieser Regelung wieder auszusteigen. Der Ausstieg kann jedoch nicht wieder rückgängig gemacht werden.
  • Ausgleichszulage in benachteiligten Gebieten: Die Ausgleichszulage können Landwirte mit Betriebssitz in Bayern erhalten, die mindestens 3 ha LF in benachteiligten Gebieten Bayerns bewirtschaften. Die Höhe der Förderung richtet sich nach dem Grad der Benachteiligung der förderfähigen Fläche und wird nach dem Bewirtschaftungssystem differenziert. Der Grad der Benachteiligung richtet sich nach der durchschnittlichen Ertragsmesszahl (EMZ) der förderfähigen Flächen des Antragstellers. Die Einstufung in ein Bewirtschaftungssystem orientiert sich am Anteil der Dauergrünlandfläche an der LF. Betrachtet werden dabei nur die in Bayern gelegenen Flächen. Die Förderhöhe ist gestaffelt und beträgt:
    • Für Betriebe im Bewirtschaftungssystem „Dauergrünland ab 65 % der LF“ gestaffelt nach Durchschnitts-EMZ: 50 – 200 €/ha.
    • Für Betriebe im Bewirtschaftungssystem „Dauergrünland unter 65 % der LF“ gestaffelt nach der Durchschnitts-EMZ: 25 – 100 €/ha
    • Für anerkannte Almen/Alpen und für Flächen über 1000 m werden unabhängig vom Grad der Benachteiligung 200 €/ha gewährt.

      Darüber hinaus können ergänzende Zuschläge gewährt werden:
    • Agrarstrukturzuschlag: für Feldstücke < 0,5 ha (50 €/ha)
    • Hangzuschlag: für Steilflächen > 20 % Hangneigung (50 €/ha)
Bei Betrieben mit mehr als 75 ha LF wird der Betrag nach einem festgelegten Schlüssel anteilig gekürzt.
Durch den intensiven Einsatz Bayerns auf EU-Ebene werden in den Jahren 2021 und 2022 Übergangszahlungen von 25 €/ha in der historischen, also bis 31. 12. 2018 gültigen benachteiligten Agrarzone gewährt.
  • Angaben zu Agrarumweltmaßnahmen: Über den MFA ist von allen Betrieben, die am Kulap oder VNP/EA teilnehmen, die Einhaltung der Verpflichtungen für alle vereinbarten Maßnahmen zu bestätigen. Die Daten im Mehrfachantrag bilden die Grundlage zur Berechnung der jährlichen Auszahlung.
Flächen in anderen Bundesländern: Werden auch Flächen in anderen Bundesländern bewirtschaftet, so sind hierfür zusätzlich die Flächenangaben elektronisch im Antragssystem des jeweiligen anderen Landes zu machen, zu dem der Antragsteller über einen Link im iBalis gelangt. Die dortigen Antragsangaben werden nach einigen Tagen in das iBalis eingespielt und sind dann im Betriebsdatenblatt des MFA-Online ersichtlich.