Biogasgülle

Biodünger für Gartenpflanzen

Ludwig Holly
am Donnerstag, 05.09.2019 - 10:55

Aus den Gärresten einer Biogasanlage kann man auch einen hochwertigen organischen Dünger herstellen, dachte sich Landwirtschaftsmeister Johann Falter und setzte seine Idee mit großem Engagement in die Tat um.

Johann Falter

Johann Falter bewirtschaftet in Pleiskirchen im oberbayerischen Landkreis Altötting einen 120 ha-Ackerbaubetrieb. Seit 2014 bearbeitet er seine Ackerflächen pfluglos mit Fräse und Grubber. „Durch regelmäßige Untersaaten und Zwischenfruchtbau gelang es mir auch, dem Unkraut einigermaßen Herr zu werden“, erklärte der Junglandwirt.

Auf seinen Feldern stehen Sojabohnen, Triticale, Roggen, Körnerhirse, Mais, Getreide-Leguminosen-GPS und Kleegräser für die Biogasanlage. Seit Anfang dieses Jahres bewirtschaftet er den Betrieb nach den ökologischen Richtlinien von Naturland, denn er ist überzeugt: „Man muss viel mehr mit der Natur arbeiten, nicht dagegen“.

Fütterung der Anlage

In die Biogasanlage kommen je zur Hälfte Gülle und Entenmist und nachwachsende Rohstoffe aus eigener Produktion. In den Maschinenräumen stehen zwei MAN-Gasmotoren mit jeweils 150 kW Leistung und ein weiterer MAN-Motor mit 530 kW, die im Regelleistungs-Betrieb gefahren werden. Die Biogasanlage liefert ihm Strom und Wärme und das brachte den findigen Landwirt auf die Idee, einen Teil der Gärreste mit ihren wertvollen Nährstoffen zu einem organischen Naturdünger zu verarbeiten.

Geschlossener Kreislauf

„Der Kreislauf muss meines Erachtens geschlossen werden. Außerdem können wir mit einem weiteren Standbein zusätzliche Einnahmen generieren“, betonte der Tüftler. Und so kaufte Falter Anfang 2018 einen Gärreste-Trockner, den er auf seine Verhältnisse umrüstete. Dieser hat eine 7 m lange wartungsfreie Trocknungswanne aus Edelstahl mit zwei Rührwerken, in der die Trocknung mit der Abluft der Biogasanlage erfolgt.
Der Trockner ist kompakt in einem Container untergebracht. Über einem Computerbildschirm kann die Anlage gesteuert und der Betriebszustand jederzeit kontrolliert werden, natürlich auch von unterwegs aus übers Handy.
Die getrockneten Gärreste werden dann granuliert oder in einer selbst entwickelten Pelletieranlage inklusive Kühlung und Verpackungsanlage weiter verarbeitet. Der Durchsatz liegt abhängig vom Ausgangsmaterial bei rund 300 kg/h.

Vielseitige Vermarktung

Falter Düngerarten

Die Vermarktung seiner Produkte konnte der 27-jährige landwirtschaftliche Unternehmer selbst übernehmen, denn er hat auch eine Ausbildung als Groß- und Außenhandelskaufmann und außerdem ist er staatlich geprüfter Agrarbetriebswirt. „Der Markt ist da, man muss ihn nur erschließen“, so Falter.

Der Naturdünger wird am Hof abgesackt und über verschiedene Vermarktungsschienen vertrieben. So können seine Kundinnen und Kunden die Produkte über das Internet, zum Beispiel auch über den Online-Versandhändler Amazon, in Hofläden, Supermärkten und Gartencentern in der Region kaufen. Damit hat Falter sein Ziel erreicht, alles von der Erzeugung der Biomasse bis hin zur Herstellung, Verarbeitung und Abpackung des organischen Bio-Düngers unter seiner Kontrolle auf dem Hof durchzuführen. „Das war mein größtes Anliegen“, so Falter.
„Wir haben einen hochwertigen Bionaturdünger, der den Humusaufbau und die Wasserspeicherfähigkeit fördert und mit seinen natürlichen Inhaltsstoffen dem Boden das zurückgibt, was er braucht“, betont er. Das Düngemittel ist in der Betriebsmittelliste für den ökologischen Landbau in Deutschland gelistet. Deshalb wird er auch schon bei größeren Gärtnereien sowie bei Unterglas-Gemüsebetrieben eingesetzt.

Die Kundschaft

Seine Zielkunden sind Hobbygärtner und Betreiber von Kleingartenanlagen, die ein hochwertiges, organisches Produkt ohne jegliche chemische Zusätze zum Düngen von Gartenpflanzen und Blumen verwenden wollen. „Ich will kein Massenprodukt erzeugen, sondern ein Qualitätsprodukt für Kunden, die nachhaltig einkaufen wollen“, so Falter. Und dieser Kundenstamm akzeptiert dann auch einen höheren Preis für den Naturdünger.
Fünf Produkte hat Falter derzeit im Sortiment. Den organischen NPK-Naturdünger gibt es wahlweise in 2,5 und 5 kg Papierpackungen als Granulat und als Pellets und auch geflockt. Speziell für Pflanzen im Haus ist der Zimmerpflanzendünger gedacht. Er wird mit ätherischen Ölen versetzt, damit er ein dezentes Orangenaroma abgibt.

Spezialdünger

Auch ein Schafwolledünger in Pelletform ist bei ihm erhältlich. Seine Besonderheit ist die Langzeitwirkung, da die Schafwolle das Dreifache ihres Gewichts an Wasser aufnehmen und speichern kann, sich im Boden nur langsam zersetzt und außerdem auch wertvolle Inhaltsstoffe aufweist. „Wir verwenden 100 Prozent ungewaschene Naturwolle und kein Bindemittel. Wir können das,“ sagt Falter. Mit der bisherigen Nachfrage nach seinen Produkten ist er zufrieden, wenngleich natürlich noch Ausbaupotenzial vorhanden ist.
Doch mit dem bisher Erreichten ist der findige Landwirt noch nicht zufrieden. Er hat weitere Ideen, die er in Zukunft umsetzen will. So ist derzeit eine große Halle im Bau, in der auch die Naturdünger-Produktion untergebracht wird. Die Dachfläche wird eine 215 kW-Photovoltaikanlage bilden.

Wärmenutzung

Mit der warmen Luft unter den Modulen wird sich Falter ein weiteres Standbein schaffen. Denn diese wird abgesaugt und einer Trocknungsanlage zugeführt, mit der er dann ab Herbst dieses Jahres als Dienstleistung für andere Landwirte das Trocknen von Hackschnitzeln, Kleegras und vielem mehr übernehmen kann. Des Weiteren bietet er auch die Möglichkeit der Lohnpelletierung für alle schüttfähigen Produkte an. „Egal, ob Heu, Silomais, Miscanthus, Kompost, Sägespäne etc., mit der von uns entwickelten Anlage können wir fast alles pelletieren“, erklärte der junge Unternehmer.
Aufgrund seiner innovativen Ideen und seines Organisationstalents ist Johann Falter auch als einer der drei Finalisten für den diesjährigen CeresAward „Landwirt des Jahres 2019“ des dlv Deutscher Landwirtschaftsverlag in der Kategorie Manager nominiert worden. So schaut er nun mit Spannung auf den 16. Oktober, wenn in der Nacht der Landwirtschaft in Berlin der Gesamtsieger gekürt (Info: ceresaward.de).

Info: www.falter-naturduenger.de

Kontakt: Tel. 0151-46625739 und E-Mail: info@falter-naturduenger.de