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Einspeisevergütung

Bessere Vergütung für Solarstrom

Neue PV-Anlagen erhalten jetzt mehr Vergütung für den Strom.
Hans Dreier
Hans Dreier
am Montag, 21.11.2022 - 07:57

Der Bau von Photovoltaikanlagen ist auch wirtschaftlich wieder interessanter. Es gibt mehr Geld für den ins Netz eingespeisten Solarstrom und die Drosselung auf 70 Prozent der Leistung wird ab nächstem Jahr aufgehoben.

Für das seit mehr als zwanzig Jahren bestehende Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hat die Bundesregierung eine Neufassung beschlossen, die seit 30. Juli 2022 in Kraft ist. Für seither in Betrieb genommene Anlagen gelten deutliche verbesserte Vergütungssätze. Unterschieden wird zwischen Volleinspeise- und Eigenversorgungsanlagen. Wer eine Anlage neu errichtet, muss sich für eines der zwei Modelle entscheiden:

 

  1. Variante Eigenverbrauch: Der Betreiber verbraucht den Solarstrom auch selbst und speist nur den Überschuss ins öffentliche Netz ein. Die Vergütung dafür beträgt 8,2 Cent pro kWh und wird bis zu einer Anlagengröße von 10 kWp bezahlt. Ist die Anlage größer, erhält der Anlagenteil ab 10 kWp eine Vergütung von 7,1 Cent pro kWh und der Anlagenteil über 40 kWp nur noch 5,8 Cent. Lohnend ist dieses Modell nur bei einem möglichst hohen Eigenverbrauch und die dadurch erzielte Ersparnis bei den Stromkosten.
  2. Variante Volleinspeiser: Wird der Solarstrom komplett ins öffentiche Netz eingespeist, bekommt der Betreiber eine deutlich höhere Vergütung. Anlagen bis 10 kWp erhalten 13,0 Cent pro kWh. Ist die Anlage größer, erhält der Anlagenteil ab 10 kWp 10,9 Cent pro kWp.

Beispiel: Eine 30 kWp-Anlage mit Volleinspeisung erhält dann für die ersten 10 kWp 13,0 Cent und für die verbleibenden 20 kWp 10,9 Cent. Im Durchschnitt sind das 11,6 Cent pro Kilowattstunde.

Jährlicher Wechsel der Variante möglich

Ein großer Pluspunkt der EEG-Neuregelung ist, dass man sich als Betreiber nicht dauerhaft auf eines der beiden Modelle festlegen muss. Man kann vor jedem Kalenderjahr neu entscheiden und zwischen den Varianten wechseln. Wenn sich die Umstände ändern, kann es durchaus sein, das mal das eine, mal das andere Modell vorteilhafter sein kann. Beispielsweise kann sich der Eigenanteil mit der Zeit erhöhen, weil Elektrofahrzeuge angeschafft werden. Ein Wechsel ist unkompliziert, denn als Anlagenbetreiber muss man künftig dem Netzbetreiber ohnehin jedes Jahr aufs Neue bis zum 1. Dezember mitteilten, welches Modell man im folgenden Jahr anwenden möchte.

Zwei getrennte Anlagen auf einem Dach möglich

Mit den Neuregelungen ist es auch möglich, zwei PV-Anlagen auf einem Dach zu installieren: eine für den Eigenverbrauch und eine Volleinspeise-Anlage. So kann eine Anlage auf einen hohen Eigenverbrauch ausgelegt werden und mit einer zweiten Anlage trotzdem das volle Potenzial der Dachflächen genutzt werden. Weil beide Anlagen technisch getrennt sein müssen (z. B. durch eigene Wechselrichter), ist diese Lösung eher für größere Anlagen geeignet.

Welches der beiden Modell für den Betreiber am günstigsten ist, hängt von mehreren Faktoren ab: vom Strompreis, der Anlagengröße und wie viel Strom man selbst verbrauchen kann.

Der Eigenanteil sinkt mit der Anlagengröße

Grundstätzlich kann man sagen, dass der Anteil des selbst genutzten Stroms mit der Größe der Anlage sinkt. Bei einer 30 kWp-Anlage und einem Preis für Zukaufsstrom von 35 Cent/kWh rentiert sich die Eigenverbrauchsanlage bereits ab einem Eigenanteil von mehr als 16 %. Wenn man auf 30 bis 40 % Eigenverbrauch kommt, was zum Beispiel bei Betrieben mit Viehhaltung durchaus möglich ist, kann sich die Anlage schon nach zwölf Jahren amortisieren.

Dagegen rentieren sich Anlagen mit Volleinspeisung trotz der besseren Vergütung derzeit kaum. Denn die Anlagenpreise sind inzwischen stärker gestiegen als die Einspeisevergütung. Ergibt die Kalkulation dann eine Amortisationszeit von 20 Jahren, wird die Investition fraglich.

Ab 2023 wird auch die ärgerliche 70-Prozent-Regelung abeschafft. Bisher musste bei PV-Anlagen mit einer Leistung bis zu 25 kWp die Wirkleistungseinspeisung am Netzeinspeisepunkt auf 70 % begrenzen werden. Optional war eine Ausrüstung ihrer Anlagen mit einer Steuerungseinrichtung möglich, sodass eine Abschaltung durch den Netzbetreiber vorgenommen werden konnte. So sollte einer lokalen Überlastung des Stromnetzes durch viele einspeisende PV-Anlagen vorgebeugt werden.

70-Prozent-Drosselung wird abgeschafft

Laut Energiesicherungsgesetz gilt nun wie folgt:

Tabelle: Vergütung für Stromeinspeisung

  • Abschaffung der 70-Prozent-Regelung für alle Neuanlagen mit einer Inbetriebnahme nach dem 14. 9. 2022.
  • Aufhebung für Bestandsanlagen bis 7 kWp Leistung ab dem 1. 1. 2023.
  • Bestandsanlagen mit einer installierten Leistung über 7 bis 25 kWp: Die Regelung läuft ab Einbau eines intelligenten Messsystems aus. Für Anlagen mit einer installierten Leistung über 7 kWp ist gemäß Messstellenbetriebsgesetz ein Einbau verpflichtend.

Zukünftig soll eine Fördervergütung für PV-Anlagen bis maximal 20 Kilowatt Leistung auch dann möglich sein, wenn die Module nicht auf einem Gebäude, sondern stattdessen z. B im Garten aufgebaut werden. Das EEG 2023 definiert einige Bedingungen, dazu zählt unter anderem der Nachweis, dass sich das Hausdach nicht für eine Solar-Installation eignet. Allerdings wird dafür eine Baugenehmigung notwendig sein. Konkrete Hinweise zur Umsetzung sollen noch in einer Verordnung festgelegt werden.

Die aktuellen Vergütungssätze gelten bis Ende 2023. Für danach installierte Anlagen soll dann wieder die sogenannte Degression greifen. Das bedeutet, dass dann jedes halbe Jahr die Vergütung für neu hinzukommende Anlagen um 1 % gekürzt wird.