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Ceres Award Gesamtsieger

Benedikt Bösel ist Landwirt des Jahres 2022

Mit verschiedenen Methoden gewinnt Benedikt Bösel jedes Jahr einige Tonnen an Kompost, den er auf seine Ackerflächen ausbringt.
agrarheute
am Freitag, 14.10.2022 - 08:13

Nur ein Unternehmergeist kann erfolgreich gegen den Strom schwimmen. Benedikt Bösel folgt seinem Herzen, geht Risiken ein und mit seinen Überzeugungen voran.

Wenn es in Dürrezeiten um den Anfang vom Ende der Land- und Forstwirtschaft in Deutschland geht, richtet sich der Blick oft auf Brandenburg: Hier ist es sandig und trocken, Kiefernwälder stehen im Sommer regelmäßig in Flammen, die Arbeit auf dem Acker zieht dicke Staubwolken nach sich. Es scheint, als hätte Pessimismus einen besseren Nährboden als Kulturpflanzen. Wäre da nicht 30 km vor der polnischen Grenze der Betrieb von Benedikt Bösel.

Den Weg der syntropischen Landwirtschaft eingeschlagen

Den Bedingungen und Menschen begegnet der 37-Jährige mit einem Lächeln. Locker kommt er daher, löst Spannungen auf. Und begeistert ist er – von seinem Betrieb, seinen Ideen, seiner Vision. 1.000 ha Ackerland, 2.000 ha Wald und 30 feste Mitarbeiter brauchen aber mehr, um erfolg- und ertragreich zu sein. Wer nachbohrt, wissen will, ob hinter „syntropischer Landwirtschaft“ mehr als nur eine Worthülse steckt, wer den Landwirt des Jahres 2022 kennenlernen möchte, dem sei geraten: genug Zeit mitbringen, denn es waren besondere Umstände, die ihn dazu bewegten, den elterlichen Betrieb zu übernehmen und ihn kurz darauf so sehr zu verändern.

Nach zehn Jahren in der Finanzwirtschaft erfüllte ihn der gut bezahlte Job nicht mehr, etwas fehlte. Schwermütige Fragen darüber, was ihm im Leben wichtig ist, führten ihn zurück nach Alt Madlitz. Er übernahm den Hof, im Gepäck das noch in alter Zeit abgeschlossene Agrarökonomiestudium. Trotzdem war die Herausforderung, die nicht einmal zwei Jahre später auf ihn zukam, kaum zu bewältigen. Die Dürre 2018 brachte Benedikt Bösel erneut an einen Scheideweg. „Ich habe festgestellt, dass Technologie, die sonst üblich ist und gefördert wird, nicht gegen die Trockenheit hilft. Mir wurde klar, dass ich in die Bodengesundheit investieren muss“, sagt er. Von Grund auf änderte er das Betriebskonzept.

Innovationen Raum geben

Dass er das nicht allein schaffen wird, war ihm klar. „Erst habe ich keine Unterstützung bekommen. Dann habe ich private Mittel eingesetzt, die LandVision Alt Madlitz GmbH gegründet und erste Kühe gekauft.“ Über die LandVision setzt Benedikt Bösel seine Projekte zur regenerativen Landnutzung um. Das Unternehmen unter dem Dach Gut&Bösel überzeugte zahlreiche Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft. Ein wesentlicher Teil der Innovationsförderung war damit gesichert.

Heute präsentiert der ehemalige Investmentbanker seine Erfolge mit Stolz. Auf der Weide für die 150 Salers- und Angusrinder staubt es, doch Bösels Augen leuchten. Im ganzheitlichen Weidemanagement werden die Tiere zwei- bis dreimal am Tag umgetrieben. „Sie werden ganzjährig draußen gehalten und mobil geschlachtet. Das Fleisch geht an Restaurants“, so Bösel.

Als er auf einer seiner Agroforstflächen in den Oberboden greift, wirkt die Erde in seiner Hand erstaunlich humushaltig. Veredelt und vorgezogen werden die Bäume und Sträucher in einer eigenen Baumschule. Das Kompostierungssystem produziert große Mengen an Humus für die Sandböden mit durchschnittlich 30 Bodenpunkten.

Für Bösel ist die Mitgliedschaft im Naturland-Verband nur ein Randthema. Statt des Biologos stellt er sein regeneratives Konzept in den Vordergrund. Auf seiner Weihnachtsbaumplantage zum Beispiel befinden sich auch Brombeeren, Himbeeren und Hühner, die den Boden unkrautfrei halten. Geerntet wird nur die Spitze der Bäume, die sich nach wenigen Jahren wieder neu gebildet hat.

Attraktiv für junge Menschen

Fährt Benedikt Bösel durch seinen Wald, kommen ihm viele Kindheitserinnerungen. Trotzdem weiß er, dass der Bestand mit 70 Prozent Kiefern langfristig keine Chance mehr haben wird. Um auch der Generation seiner Tochter einen Wald zu hinterlassen, hat er ein Umbauprojekt gestartet. Die Hochschule in Eberswalde und Bösels Mitarbeiter arbeiten daran, einen resilienten Mischwald aufzubauen. Folgt er den Worten seines Kollegen, der den Waldumbau leitet, verliert Benedikt Bösel das Staunen nicht: „Er ist wie ein wandelndes Lexikon. Ich bin immer wieder aufs Neue beeindruckt.“

Weil er ein Händchen dafür hat, motivierte und kompetente Mitarbeiter für sich zu gewinnen, kann Bösel sich als Manager voll darauf konzentrieren, seinen Betrieb zu gestalten. Dabei bewahrt er sich seine Leichtigkeit, macht zwischen vielen Terminen und Telefonaten Scherze mit seinen Mitarbeitern und vielen Praktikanten. Voller Zuversicht stellt er fest: „Zu sehen, wie viel Freude diese jungen, gut ausgebildeten Menschen an der Landwirtschaft haben, gibt mir extrem viel Mut.“

Vom Banker zum Landwirt

Benedikt Bösel (37) wurde in München geboren und ist in Alt Madlitz aufgewachsen. Er studierte Business Finance und war zehn Jahre als Investmentbanker in der Finanzwirtschaft tätig. Zusätzlich schloss er das Masterstudium der Agrarökonomie ab und übernahm Ende 2016 den elterlichen Betrieb mit 16 Mitarbeitern. In der Dorfgemeinschaft und mehreren landwirtschaflichen Organisationen engagiert sich Benedikt Bösel ehrenamtlich. Mit einigen Start-up-Unternehmen hat er Kooperationen aufgebaut. Für Forschungszwecke gründete er 2021 die Finck Stiftung. Sie begleitet Projekte mit den wissenschaftlichen Partnern und erhebt Daten, die später für andere Landwirte frei zugänglich werden sollen.

Stimmen zu Benedikt Bösel

„Während viele um die Probleme wissen, die sich zum Beispiel aus schwierigen Standortbedingungen oder aus Monokulturen in Wäldern ergeben, sich aber gezwungen sehen, wie bisher weiter zu wirtschaften, geht Herr Bösel konsequent neue Wege und setzt Konzepte um, die er für erforderlich hält.“

Johanna Michel, agrarheute

„Es wird umgehend deutlich, dass er der Kopf eines größeren Unternehmens mit vielen Angestellten ist. Der Mann hat seinen Laden im Griff.“

Dr. Raimar Assmann, Verband der Landwirtschaftskammern