Landwirtschaftszählung

Bayern: Weniger Bauern und bewirtschaftete Fläche

Bayern
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Donnerstag, 21.01.2021 - 10:23

Die ersten Ergebnisse der Landwirtschaftszählung 2020 liegen vor: Sie belegen das Höfesterben und den Verlust an Agrarflächen.

Im Jahr 2020 bewirtschafteten nach den vorläufigen Stichprobenergebnissen der Landwirtschaftszählung 2020 rund 84.600 Betriebe knapp 3.069.100 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche in Bayern. Nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Statistik haben sich die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe seit dem Jahr 2010 um 13,6 Prozent (rund -13.300 Betriebe) und die landwirtschaftlich genutzte Fläche um 2,2 Prozent (rund -67.700 Hektar) verringert.

In der Viehhaltung zeigt sich ein ähnliches Bild. Bei leicht sinkenden Viehzahlen hat die Zahl der viehhaltenden Betriebe relativ deutlich abgenommen (-13,1 Prozent gegenüber 2016). Die Zahl der Ökobetriebe ist hingegen gestiegen: Mit rund 9.900 Betrieben gab es im Jahr 2020 etwa ein Fünftel mehr Ökobetriebe in Bayern als noch im Jahr 2016.

Durchschnittsbetrieb hat 36 ha

Die durchschnittliche Betriebsgröße stieg in den letzten zehn Jahren von 32 auf 36 Hektar an. Damit ist Bayern nach wie vor von den in den Medien häufig kolportierten Verhältnissen mit riesigen, industriell funktionierenden Betrieben weit weg. Dennoch müssen die Bauern in Bayern mit diesem Vorwurf zurecht kommen. Darauf haben, wie die Zahlen zeigen, immer weniger Lust.

Größenklassen der landwirtschaftlichen Betriebe in Bayern
Landwirtschaftlich 2020   2016   2010  
genutzte Fläche Betriebe Fläche Betriebe Fläche Betriebe Fläche
  Anzahl ha Anzahl ha Anzahl ha
Insgesamt 84.600 3.069.100 90.162 3.125.366 97.873 3.136.843
unter 5 ha 3.000 5600 3.653 6.979 4.173 9.623
5 bis 10 ha 15.400 111.400 16.155 117.688 17.435 127.508
10 bis 20 ha 22.200 335.400 24.504 374.314 27.334 417.024
20 bis 50 ha 24.400 809.200 26.817 893.176 30.968 1.020.185
50 bis 100 ha 14.300 985.300 14.073 962.189 13.906 946.321
100 bis 200 ha 4.400 581.200 4.219 554.189 3.531 460.491
200 bis 500 ha 8.000 212.100 701 187.201 497 133.142
500 bis 1 000 ha 800 24.500 35 23.214 24 15.911
1 000 und mehr ha   4.300 5 6.417 5 6.638
darunter  Ackerland 67.300 2.000.300 71.685 2.048.124 79.532 2.052.183
Dauergrünland 74.800 1.055.000 79.745 1.063.313 85.567 1.070.618
Dauerkulturen 3.600 13.700 4.035 13,834 6.282 13.900
Darunter Öko-Betriebe            
Insgesamt 9.900 372.700 7.416 258.107 5.732 190.572
darunter  Ackerland 6.500 184.200 4.564 110.885 3.751 88.940
Dauergrünland 9.300 186.500 6.965 145.945 5.249 97.490

Bauern beuten sich vor allem selbst aus

Den Großteil der Agrarbetriebe bildeten im Jahr 2020 mit 92,3 Prozent weiterhin die zumeist familiengeführten Einzelunternehmen (rund 78.000 Betriebe). Diese Betriebe werden zu knapp 55 Prozent (rund 42.700 Betriebe) im Nebenerwerb geführt.

Betriebsformen in Bayern
Betriebe 2020 2016 2010
Anzahl in 1.000 Anzahl Anzahl
Einzelunternehmen 78.000 84.632 93.337
davon  Haupterwerbsbetriebe 35.300 40.126 47.852
Nebenerwerbsbetriebe 42.700 44.625 45.485

In den bayerischen landwirtschaftlichen Betrieben waren 2020 rund 231.100 Arbeitskräfte beschäftigt, zum überwiegenden Teil handelte es sich hierbei um Familienarbeitskräfte (knapp 159.900) – diese Zahl ist gegenüber dem Jahr 2016 stabil geblieben.

Arbeitskräfte in landwirtschaftlichen Betrieben in Bayern
Arbeitskräfte 2020 2016 2010
Anzahl Anzahl Anzahl
Insgesamt 231.100 223.096 257.419
davon  Familienarbeitskräfte 159.900 161.932 197.156
Ständige Arbeitskräfte 32.500 23.787 21.853
Saisonarbeitskräfte 38.700 37.377 38.410

Minus 55 % bei den Schweine- und minus 29 % bei den Rinderhaltern

Die Viehhaltung spielt in Bayern weiterhin eine wichtige Rolle. Allerdings ging die Zahl der viehhaltenden Betriebe seit der Landwirtschaftszählung im Jahr 2010 um 27,2 Prozent (rund -20.700 Betriebe) zurück. Mit einem Minus von 54,8 Prozent (rund -9.500 Betriebe) ist die Zahl der Schweinehalter in diesen zehn Jahren sogar um mehr als die Hälfte gesunken, die Zahl der Rinderhalter ging um 28,7 Prozent (rund -15.700 Tiere) zurück.

Die insgesamt 55.300 bayerischen Viehhalter hielten 2020 rund 2.971.100 Rinder, 2.976.200 Schweine, 323.800 Schafe, 42.000 Ziegen, 78.000 Einhufer und 16.340.200 Stück Geflügel.

Landwirtschaftliche Betriebe mit Viehhaltung in Bayern
Viehbestand 2020   2016   2010  
  Betriebe Tiere Betriebe Tiere Betriebe Tiere
  Anzahl Anzahl Anzahl Anzahl Anzahl Anzahl
Insgesamt 55.300 X 63.619 X 75.980 X
davon  Rinder 39.000 2.971.100 44.698 3.185.933 54.731 3.355.911
Schweine 7.900 2.976.200 10.807 3.456.293 17.379 3.654.276
Schafe 5.100 323.800 5.140 317.507 6.255 387.725
Ziegen 3.500 42.000 3.041 37.790 3.819 59.536
Geflügel 20.500 16.340.200 23.444 12.283.234 28.940 11.481.342
Einhufer 9.400 78.000 10.122 83.720 12.331 88.324
Ökobetriebe            
Insgesamt 6.700 X 5.334 X 4.343 X
darunter   Rinder 5.200 273.600 4.074 216.261 3.501(1) 162.098
Schweine 600 37.100 507 30.674 632(1) 32.381
Geflügel 2.500 1.499.800 1.982 858.739 1.969(1) 271.978

(1)Einschließlich Betriebe mit Viehbeständen die nicht vollständig in die ökologische Wirtschaftsweise einbezogen sind

Deutliches Plus bei den Ökobetrieben

Der Trend hin zur ökologischen Bewirtschaftung ist ungebrochen. Nach dem Kontrollverfahren zum ökologischen Landbau werden nun rund 9.900 Betriebe und damit 27,5 Prozent mehr als noch 2016 und sogar 72,4 Prozent mehr als im Jahr 2010 ökologisch geführt. Der Öko-Anteil an allen landwirtschaftlichen Betrieben liegt damit bei 11,7 Prozent. Die ökologisch bewirtschaftete landwirtschaftliche Nutzfläche nahm seit 2016 um 44 Prozent auf 372.700 Hektar zu, davon entfallen rund 184.200 Hektar auf Ackerland und 186.500 Hektar auf Dauergrünland.

In der ökologischen Viehhaltung ist bei allen Tierarten seit dem Jahr 2016 ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen. Beim Geflügel ist der Zuwachs an ökologisch gehaltenen Tieren mit einem Plus von 74,6 Prozent auf 1.499.800 Tiere besonders hoch. Bei den Rindern ist ebenfalls ein starker Zuwachs zu erkennen, im Vierjahreszeitraum stieg die Zahl der Ökorinder um 26,5 Prozent auf 273.600 Tiere.

Die Zahl der ökologisch gehaltenen Schweine stieg seit 2016 um 20,9 Prozent auf rund 37.100 Tiere.

Anbindehaltung schrumpft um 57 %, Käfighaltung nahezu verschwunden

Auch die Haltungsverfahren der Tiere haben sich in den letzten zehn Jahren deutlich verändert. Im Jahr 2020 wurden in der Rinderhaltung 635.700 Haltungsplätze im Anbindestall gezählt, das waren 57,1 Prozent weniger als noch im Jahr 2010. Hingegen ist die Zahl der Haltungsplätze im Laufstall, trotz des großen Rückgangs bei den Rinderhaltern insgesamt, nur um 2,6 Prozent auf 2.071.300 Plätze gefallen.

In der Schweinehaltung ist weiterhin der Vollspaltenboden vorherrschend (2.404.400 Haltungsplätze). Legehennen werden weiterhin am häufigsten in der Bodenhaltung gehalten, während die Käfighaltung mit einem Minus von 98,7 Prozent fast verschwunden ist und die Freilandhaltung mit einem Anstieg von 246,7 Prozent auf 2.550.900 Haltungsplätze enorm zugelegt hat.