Einzelbetriebliche Förderung

Bauliche Anforderungen beim AFP

Hans Dreier
Hans Dreier
am Donnerstag, 22.04.2021 - 16:08

Antragsteller müssen insbesondere beim Tierwohl hohe Anforderungen erfüllen.

Förderfähige Investitionen müssen bauliche und technische Voraussetzungen erfüllen, damit gewisse Anforderungen eingehalten werden können. Generell gilt: Die Ställe müssen so beschaffen sein, dass deren tageslichtdurchlässige Flächen mindestens 3 % der Stallgrundfläche bei Schweinen und Geflügel, 5 % bei allen übrigen Tierarten betragen. Nachfolgend stellen wir für drei Produktionsverfahren die Anforderungen vor.

Anforderungen für Kühe und Aufzuchtrinder

Bauförderung-Anforderungen_B1
  • Förderungsfähig sind Laufställe. Die spaltenfreie Liegefläche muss so bemessen sein, dass alle Tiere gleichzeitig liegen können.
  • Bei Liegeboxen ist für jedes Tier eine Liegebox bereitzustellen.
  • Liegeplätze müssen ausreichend mit geeigneter trockener Einstreu oder anderem komfortschaffenden Material (Komfortmatten geprüfter und anerkannter Qualität) versehen werden. Bei Hochboxen sind Komfortmatten mit DLG-Prüfung einsetzbar.
  • Für jedes Tier ist ein Grundfutterfressplatz bereitzustellen, dessen Breite dazu ausreicht, dass alle Tiere gleichzeitig fressen können. Für Milchkühe ist eine Fressplatzbreite von 75 cm vorzusehen. Sofern eine Erweiterung vorgenommen wird, muss lediglich für die Erweiterung (= Vorhaben) die Fressplatzbreite von 75 cm eingehalten werden. Bestehende Fressgitter mit mindestens 70 cm Fressplatzbreite erhalten Bestandsschutz. Sollte aber das Maß 70 cm im Altbau unterschritten sein, ist nachzubessern, allerdings nur auf mindestens 70 cm Fressplatzbreite.
  • Wenn durch geeignete technische oder manuelle Verfahren die Tiere ständig Zugang zum Futter haben, ist ein Tier-Fressplatz-Verhältnis von maximal 1,2 : 1 zulässig.
  • Werden Melkverfahren angewendet, bei denen die Kühe über den Tag verteilt gemolken werden (z. B. automatische Melksysteme), ist ein Tier-Fressplatz-Verhältnis von maximal 1,5 : 1 zulässig.
  • Die nutzbare Stallfläche muss mind. 5,5 m² je GV betragen.
  • Bei Stallneubauten müssen die Lauf-/Fressgänge bei Milchkühen mindestens 3,5 m und Laufgänge 2,5 m breit sein, sodass sich die Tiere stressfrei begegnen können.
  • Die Ställe müssen über einen Auslauf für mindestens ein Drittel der Milchkühe (4,5 m²/GV) verfügen.
  • Auf einen Auslauf kann bei einer Stallmodernisierung verzichtet werden, wenn ein Auslauf aufgrund der Stalllage nicht möglich ist und mindestens 7 m²/GV Stallfläche zur Verfügung gestellt werden.

Anforderungen für Mastschweine und Absatzferkel

  • Der Liegebereich muss ausreichend mit geeigneter trockener Einstreu versehen werden oder
  • mit Tiefstreu versehen werden oder
  • mit einer Komfortliegefläche ausgestattet sein.
Die Komfortliegefläche ist bei Aufzuchtferkeln als Liegefläche mit Bodenheizung oder mit Abdeckung und Strahlungsheizung von oben auszugestalten. Bei Mastschweinen gelten Böden mit weniger als 3 % Perforation oder weiche Böden (z. B. Gummimatte mit maximal 10 % Perforation) als Komfortliegefläche, wenn diese mindestens die Hälfte des gemäß Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) geforderten Platzbedarfs umfasst.
Im Stall muss für alle Tiere jederzeit zugänglich organisches und faserreiches Beschäftigungsmaterial angeboten werden. Zudem müssen in einer ausreichenden Anzahl Raufutterraufen vorhanden sein, mittels derer die Dauer der Futteraufnahme bei den Tieren ausgedehnt und eine Beschäftigung induziert werden kann. Das organische Beschäftigungsmaterial soll bewühlbar, kaubar und essbar sein und einen ernährungsphysiologischen Nutzen haben. Besonders geeignet hierfür sind Heu, Stroh, Silage und Pellets. Für Absatzferkel, Zuchtläufer und Mastschweine muss eine uneingeschränkt nutzbare Bodenfläche zur Verfügung stehen, die mindestens 20 % größer ist als nach der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung vorgeschrieben.

Anforderungen für Zuchtsauen und Zuchteber:

Im Falle der Trogfütterung ist je Sau bzw. Jungsau ein Fressplatz bereitzustellen, dessen Breite es zulässt, dass alle Tiere gleichzeitig fressen können. Der Liegebereich muss für Eber, Zucht- und Jungsauen nur im Wartebereich bzw. in Gruppenhaltung planbefestigt sein und ausreichend mit geeigneter trockener Einstreu oder mit Tiefstreu versehen werden oder mit einer Komfortliegefläche ausgestattet sein. Für Zucht- und Jungsauen im Abferkelbereich muss mindestens ein Teil des Liegebereiches als Komfortliegefläche ausgestattet sein.

Im Stall muss für alle Tiere jederzeit zugänglich organisches und faserreiches Beschäftigungsmaterial angeboten werden. Zudem müssen wie bei Mastschweinen und Absetzferkeln ausreichend Raufutterraufen vorhanden sein. Und auch Zuchtsauen und -eber müssen wie Mastschweine/Absatzferkel organisches Beschäftigungsmaterial vorfinden. Gut geeignet sind Heu, Stroh, Silage und Pellets.
Für Zucht- und Jungsauen muss bei Einzelhaltung im Deck- und Abferkelbereich mindestens ein Beschäftigungselement zur Verfügung gestellt werden. Geeignet hierfür sind eine besondere Fütterungstechnik, die die Dauer der Futteraufnahme beim Tier ausdehnt und eine Beschäftigung induziert, Raufutter oder vergleichbare organische Elemente.
Ab dem Einstallen in den Abferkelbereich bis zum Abferkeln muss auch Nestbaumaterial zur Verfügung gestellt werden. Geeignet sind langfaserige, organische Materialien, die am Boden verändert und mit dem Maul erfasst und getragen werden können.
Im Falle von Stallneubauten ist das Güllesystem derart auszugestalten, dass es durch langfaserige, organische Materialien insgesamt nicht beeinträchtigt werden kann. Für Jungsauen und Sauen muss im Zeitraum nach dem Decken bis eine Woche vor dem voraussichtlichen Abferkeltermin eine uneingeschränkt nutzbare Bodenfläche zur Verfügung stehen, die mindestens 20 % größer ist als nach der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung vorgeschrieben.

Zusätzlich zu den nach der TierSchNutztV vorgeschriebenen Tränken ist im Stall allen Tieren mittels geeigneter Schalen- oder Beckentränken permanent das Saufen aus einer offenen Fläche zu ermöglichen. Zulässig ist ein Tier-Tränke-Verhältnis von einer offenen Tränke für jeweils bis zu zwölf Tiere.

Die Anforderungen für weitere Tierarten enthält die Anlage 1 zur Richtlinie EIF