Betriebsführung

Banken verschärfen Kreditkontrolle

Kreditklemme
Michael Vetter
am Donnerstag, 22.08.2019 - 09:34

Um Kreditausfälle zu vermeiden, haben Banken die Überwachung bestehender Darlehen verschärft. Bei Nachfragen sollte man sich als Kunde kooperativ verhalten. Werden der Bank Informationen vorenthalten, droht die Kündigung.

Die Vorsichtsmaßnahmen der Banken bezüglich eventueller Kreditausfälle haben mittlerweile eine erhebliche Größenordnung erreicht. Dies kann für Betriebsverantwortliche je nach Kreditumfang und Kundenbeziehung eine noch umfangreichere Datenübermittlung an den Kreditgeber als bisher bedeuten. Aus der Sicht des Kreditnehmers kann dies einerseits als kaum mehr zu rechtfertigender Mehraufwand, andererseits aber auch als Chance verstanden werden, die Bank als kompetenten Geschäftspartner auch künftig zu akzeptieren.

Fritz B., einem Landwirt aus Bayern, fiel es aber zunächst schwer, sich mit der zweiten Variante anzufreunden. Die bisherige Kunde-Bank-Beziehung zu seiner Hausbank verlief ohne wesentliche Höhepunkte, sie war vielmehr geprägt von gegenseitiger Wertschätzung. Gab es bankseitig beispielsweise Fragen zur wirtschaftlichen Situation des Betriebs, redete man entweder mit oder ohne Steuerberater miteinander. Das Gleiche galt in der umgekehrten Richtung: Bei Problemen fand auch B. regelmäßig ein offenes Ohr für sein jeweiliges Anliegen. Ansonsten ging man sich zwar nicht gerade aus dem Weg, allerdings suchte man auch nicht unbedingt den zusätzlichen Kontakt.

Ein Kundengespräch aus heiterem Himmel

Vor diesem Hintergrund erschien es B. ungewöhnlich, dass er direkt nach Vorlage seines letzten Jahresabschlusses um ein Gespräch ins Bankgebäude gebeten wurde. Die Einladung zu diesem Gespräch erfolgte telefonisch durch einen Mitarbeiter des „Kreditmanagements“, von dem er bisher nichts gehört hatte. Als Gesprächsgrund nannte der Bankmitarbeiter angebliche „Unstimmigkeiten bei seinen wirtschaftlichen Daten“. Details, so führte er weiter aus, „sollten dem folgenden Gespräch vorbehalten bleiben“.

Der Steuerberater von B., den er unmittelbar danach anrief, konnte sich auch nicht erklären, worum es gehen sollte. An den wirtschaftlichen Daten des Betriebs konnte es nach seiner Überzeugung eigentlich nicht liegen, dass die Bank Klärungsbedarf besitzt. Das gilt vor allem für die Liquiditäts- und Rentabilitätsprognosen des Betriebs, die der Bank als Kreditgeber seit Jahren regelmäßig und pünktlich zur Verfügung gestellt werden und die eine nach wie vor absolut befriedigende wirtschaftliche Entwicklung erwarten lassen.

Gespräch nimmt einen überraschenden Verlauf

So verlief das Gespräch auch ganz anders als von B. eigentlich erwartet. Neben dem für ihn eigentlich zuständigen Kundenberater nahm auch dessen Kollege, den B. bereits vom erwähnten Telefongespräch her kannte, daran teil.
Im weiteren Verlauf wurde klar, dass dieser auch letztlich das Gespräch initiiert hatte. Im Rahmen der bankintern durchgeführten „Plausibilitätsprüfungen“ bezüglich der von B. und seinem Steuerberater eingereichten Unterlagen war ihm nämlich aufgefallen, dass sich die Kapitaldienstfähigkeit von B. verschlechtert hatte. Wenn eine solche Entwicklung erkennbar ist, reagieren Bankinstitute meist ausgesprochen sensibel.
Das ist durchaus verständlich, stellt die Kapitaldienstfähigkeit doch einen wichtigen Faktor für die regelmäßigen Zahlungen der Zins- und Tilgungsraten des Geschäftskunden dar. Das war aber nicht das einzige Problem, da es nach Aussage des Kreditsachbearbeiters „nicht erkennbar ist, aus welchem konkreten Grund sich die Kapitaldienstfähigkeit verschlechtert hat“.
Während der internen Prüfung, die aufgrund der Zahlen des Steuerberaters durchgeführt wurde, konnte er lediglich eine Erhöhung der Ausgaben von B. erkennen. Diese zusätzlichen Ausgaben waren aber nicht belegt, so dass hier ein entsprechender Klärungsbedarf entstand.
B., der sich zunächst keiner Schuld bewusst war, räumte im weiteren Verlauf des Gesprächs aber ein, dass er seiner Bank den Grund für die hohen Ausgaben wohl doch rechtzeitig hätte mitteilen sollen. B. hatte sich nämlich von seinem Vater einen Betrag von 60 000 Euro als Darlehen zur Verfügung stellen lassen, um längst fällige Renovierungsarbeiten an dem von ihm und seiner Familie bewohnten Mehrfamilienhaus durchführen zu lassen. Die Zins- und Tilgungsraten dieses Darlehens liegen bei immerhin rund 500 Euro pro Monat und belasten die Liquidität von B. in entsprechendem Umfang.
Im Ergebnis akzeptierte die Bank diese Erklärung. Allerdings machten beide Gesprächspartner B. unmissverständlich klar, dass ein Verschweigen wichtiger Veränderungen in den persönlichen finanziellen Verhältnissen durchaus zu Irritationen und in extremen Fällen auch zu einer Kreditkündigung führen kann. Vor allem vor dem Hintergrund der „langjährigen und verlässlichen Geschäftsbeziehung“ wird das Kreditinstitut von entsprechenden Maßnahmen aber absehen. Eine Kreditkündigung wurde ohnehin nicht ernsthaft in Erwägung gezogen.

Landwirt B. hat seine Lektion verstanden

B. wird der Bank eine Kopie des Darlehensvertrages mit seinem Vater ebenso zur Verfügung stellen wie eine aktualisierte Vermögensaufstellung. Aus dieser gehen sämtliche, also auch seine privaten Verbindlichkeiten, hervor. Das gilt übrigens auch für mögliche Vermögenswerte, die dem Kreditinstitut bisher nicht bekannt waren.

B. hat diese „Lektion“, wie er es selbst nennt, verstanden und gar nicht erst versucht, diese zusätzlichen Forderungen seiner Bank zu verhandeln. Er sieht vielmehr ein, dass eine Kreditvergabe keineswegs mit der Bereitstellung des Darlehensbetrages erledigt ist, sondern bankintern auch fortlaufend überwacht wird. Veränderungen und Unregelmäßigkeiten in der wirtschaftlichen Situation des jeweiligen Kunden werden daher in der Regel bankseitig auch erkannt. Es ist daher meist sinnvoll, als Kunde selbst rechtzeitig aktiv zu werden und auf aktuelle oder zu erwartende diesbezügliche Besonderheiten bereits in einem frühen Stadium einzugehen.

Den Steuerberater einbinden

Die mittlerweile akribisch durchgeführte Kreditüberwachung der Bankinstitute kann mit Hilfe des Steuerberaters durchaus „entschärft“ werden, wenn dieser in Abstimmung mit der jeweiligen Bank beispielsweise regelmäßige Liquiditäts- und Rentabilitätsberechnungen vornimmt. Darüber hinausgehende Maßnahmen wie betriebliche Zwischenabschlüsse und jeweils aktuelle Vermögensübersichten können die kundenseitige Kooperationsbereitschaft abrunden. Die Kosten derartiger Zusatzarbeiten sollten dabei allerdings nicht unberücksichtigt bleiben, so dass eine für Bank und Kunde gleichermaßen akzeptable Lösung wirtschaftlicher Transparenz gefunden wird.