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Neues Pflanzenbaujahr

Aussaat: Ran an den Anbauplan!

Säen
Hans Dreier
Hans Dreier
am Freitag, 05.08.2022 - 09:07

Wer mit der Anbauplanung beginnt, muss sich zuerst mit den GAP-Regelungen befassen. Was GLÖZ und Öko-Regelungen konkret bedeuten.

Am 1. Januar 2023 sollen die neuen Regelungen zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union in Kraft treten. Aufgrund der Ukrainekrise und der sich anbahnenden Nahrungsmittelknappheit in einigen Teilen der Welt, wird es 2023 aber noch einmal Ausnahmen geben, beispielsweise von der geplanten Flächenstilllegung (4 % der Ackerfläche) und der Pflicht zum Fruchtwechsel im Jahr 2023, wie Özdemir am Samstag (6.8.2022) bekannt gab. Wie es danach weitergeht, wird immer noch heftig diskutiert.

Zumindest herrscht jetzt bei dem neben der Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) zweiten wichtigen Baustein für die Anbauplanung etwas mehr Gewissheit: beim Bayerischen Kulturlandschaftsprogramm (Kulap). Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber hat die ab 2023 geplanten Kulap-Maßnahmen der Öffentlichkeit vorgestellt. Da das Kulap in weiten Teilen auf die GAP-Regelungen aufbaut, gibt es aber hier noch offene Punkte, etwa bei der Fruchtfolgegestaltung.

Trotz Unsicherheiten muss nun die Anbauplanung angepackt werden

Trotz aller Unsicherheiten müssen viele Landwirte jetzt mit der Anbauplanung beginnen. Diejenigen, die in ihrem Betrieb eine mindestens fünfgliedrige Fruchtfolge einführen wollen, werden von den diskutieren Fruchtfolge-Ausnahmen im Jahr 2023 gar nicht Gebrauch machen wollen. Die Fruchtfolgeumstellung ist ein langfristiges Projekt, an dem man nicht Jahr für Jahr herumdoktern kann.

Wer jetzt mit der Anbauplanung beginnt, muss sich zuerst mit den Details der GAP-Regelungen befassen und anschließend mit den Maßnahmen, die im Kulap auf freiwilliger Basis angeboten werden. In der GAP wie beim Kulap geht es darum, die Landwirtschaft künftig besonders umwelt- und klimafreundlich umzugestalten.

Dabei wurde den Landwirten in den letzten Jahren bereits einiges zugemutet. Die Auflagen beim Umwelt- und Naturschutz wurden von Jahr zu Jahr drastisch verschärft: Der Gesetzgeber hat die Bauern unter anderem zur Anlage von Grünstreifen entlang von Gewässern verpflichtet, die zulässige Düngung in den Roten Gebieten stark eingeschränkt und die emissionsarme Gülleausbringung zur Pflicht gemacht.

Basisanforderungen bzw. guter Zustand der Flächen

Von der EU kommen mit der neuen GAP ab 2023 noch mal zusätzliche Umweltauflagen hinzu. Die bisherigen Vorgaben zu Cross-Compliance und Greening werden dabei zusammengefasst und um neue Regelungen erweitert zu den sogenannten Basis-Anforderungen (Konditionalitäten).

Als Basis-Anforderung für die EU-Betriebsprämie verlangt Brüssel von den Landwirten künftig die Einhaltung eines „guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustandes“, kurz GLÖZ. Was man darunter versteht, wurde in neun GLÖZ-Kriterien festgelegt. Neu bei den Basis-Anforderungen sind insbesondere die Vorgaben zur Mindestbodenbedeckung, zum Fruchtwechsel und zur Flächenstilllegung.

Zusätzliche Prämie für freiwillige Öko-Leistungen

Die Basis-Anforderungen sind die Grundlage für die EU-Basisprämie, die auf voraussichtlich 156 €/ha absinken soll. Die EU bietet den Landwirten jedoch zusätzliche freiwillige Öko-Regelungen (ÖR) an. Für die damit verbundenen Leistungen kann der Landwirt zusätzliche Prämien erhalten. In Deutschland hat man sich auf sieben freiwillige Öko-Regelungen festgelegt, die im obenstehenden Kasten aufgeführt sind.

Unter den neun Basis-Verpflichtungen (GLÖZ) und den sieben freiwilligen Öko-Regelungen (ÖR) sind viele Maßnahmen, die bisher über das Bayerische Kulturlandschaftsprogramm (Kulap) gefördert wurden. Die enorme Ausweitung ökologischer Maßnahmen im Rahmen der EU-Betriebsprämie macht deshalb auch eine größere Runderneuerung des Kulap erforderlich, da eine Doppelförderung nicht zulässig ist.

Kulap: Früher freiwillige Maßnahmen jetzt Pflicht

Im Kulap können einige bewährte Maßnahmen künftig nicht mehr angeboten werden, weil die Basis-Anforderungen gestiegen sind, wie:

  • die extensive Grünlandnutzung mit maximal 1,76 GV je ha,
  • die emissionsarme Wirtschaftsdüngerausbringung,
  • die klassische Winterbegrünung oder auch
  • das Verfahren der Mulchsaat.

Die Einstellung dieser Kulap-Maßnahmen bedeutet einen herben Einschnitt für viele bayerische Betriebe und den Verlust hoher Förderbeträge, da sie von den Landwirten bisher auf breiter Fläche durchgeführt worden sind. Nun sind diese Maßnahmen entweder gesetzliche Pflicht oder EU-Basis-Anforderung und können deshalb nicht mehr über das Kulap gefördert werden.

Doch damit nicht genug: Auch unter den sieben freiwilligen Öko-Regelungen finden sich zahlreiche Maßnahmen, die sich mit den bisherigen Kulap-Maßnahmen überschneiden. Daher werden ab 2023 folgende Maßnahmen nicht mehr im Kulap angeboten:

  • extensive Grünlandnutzung mit bis zu 1,4 GV/ha (künftig ÖR 4),
  • ergebnisorientierte Grünlandnutzung, „4 Kennarten-Maßnahme“ (künftig ÖR 5),
  • Altgrasstreifen (künftig ÖR 1d),
  • vielfältige Fruchtfolge mit Leguminosen (künftig ÖR 2),
  • einjährige Blühflächen (künftig ÖR 1b).

ÖR-Maßnahmen über das Kulap aufwerten

Diese Entwicklung sowie die Tatsache, dass es für die freiwilligen Öko-Regelungen (ÖR) in der ersten Säule keinen Länderplafonds gibt, machten ein neues, angepasstes Vorgehen erforderlich. Das bayerische Landwirtschaftsministerium hat deshalb einige Kulap-Maßnahmen anders aufgestellt.

„Die geänderten beziehungsweise neuen Maßnahmen wurden so konzipiert, dass sie vom Landwirt als Ergänzung zu den sieben freiwilligen EU-Öko-Regelungen gewählt werden können“, erklärt Gerhard Brandmaier vom bayerischen Landwirtschaftsministerium. Diese Aufwertungen sind laut Brandmaier so gestaltet, dass die Betriebe ÖR und Kulap ohne Abzüge kombinieren können.

Die rechnerisch und förderrechtlich nötigen Abzüge zur Vermeidung von Doppelförderungen sind zur Verwaltungsvereinfachung und zur Vermeidung von Sanktionsrisiken bei den folgenden Maßnahmen bereits eingerechnet:

  • Extensive Grünlandnutzung mit 1,0 GV/ha (künftig als Aufwertung zur ÖR 4),
  • Vielfältige Fruchtfolge mit blühenden Kulturen (Aufwertung zur ÖR 2),
  • Vielfältige Fruchtfolge mit großkörnigen Leguminosen (Aufwertung zur ÖR 2),
  • Vielfältige Fruchtfolge mit alten Kulturarten (Aufwertung zur ÖR 2),
  • neu: Vielfältige Fruchtfolge zum Humuserhalt (Aufwertung zur ÖR 2),
  • neu: Vielfältige Fruchtfolge zur Verbesserung der Bodenstruktur (Aufwertung zur ÖR 2).

Dies heißt im Umkehrschluss, dass Betriebe künftig bei den vorgenannten Maßnahmen nur dann die volle Prämie erhalten, wenn sie neben der Kulap-Beantragung (einmal in fünf Jahren) jährlich die dazugehörige ÖR beantragen.

Im Gegensatz zu bisher sind künftig mehrere Kombinationstabellen zu beachten:

  • die Tabelle der ÖR (1. Säule) untereinander,
  • die Tabelle der flächenbezogenen Kulap-Maßnahmen untereinander,
  • die Tabelle von ÖR und Kulap-Maßnahmen sowie
  • die Tabelle von ÖR und Kulap-Altmaßnahmen (laufende Verpflichtungen).

Förderung kleiner Schläge neu im Angebot

Das neue Kulturlandschaftsprogramm gliedert sich entsprechend der Ausrichtung der landwirtschaftlichen Betriebe in Maßnahmen für Grünland, für Ackerland und für Sonderbereiche wie Spezialkulturen oder die Teichwirtschaft. Erstmalig soll im Kulap auch die Bewirtschaftung kleiner Strukturen honoriert werden.

All diese flächenbezogenen Maßnahmen werden für die Antragstellung ab 2023 mit dem Kürzel „K“ und einem zweistelligen Zahlencode eindeutig gekennzeichnet. Einen eigenen Schwerpunkt bilden die sogenannten investiven Maßnahmen, die nicht auf die Fläche bezogen sind. Sie erhalten das Kürzel „I“ plus zweistelligen Zahlencode.

„Bei der Gestaltung des neuen Maßnahmentableaus wurde Wert darauf gelegt, unseren bayerischen Betrieben auch weiterhin ein großes Angebot an produktionsintegrierten Maßnahmen zur Verfügung zu stellen, mit denen sowohl Ressourcen geschont als auch gleichzeitig Lebensmittel erzeugt werden können“, erläutert Gerhard Brandmaier. Die für die Maßnahmen errechneten Prämien wurden auf der Basis jüngerer Preis-Kosten-Relationen neu kalkuliert. Dabei wird darauf hingewiesen, dass den Kalkulationen stets ein mehrjähriger Durchschnitt zugrunde liegt. Absolute Preisspitzen, wie jetzt nach Corona durch den Ukrainekrieg verursacht, können mit dem etablierten Vorgehen nicht abgebildet werden.