Jungunternehmer

Agrarfamilie 2021: Die Ernte auf dem Hof veredeln

Zeit zum Schäkern mit den Kindern hat auch der Papa Christian, hier mit Tochter Jule und Oma Rosi, im Hintergrund Christiane mit Moritz und Anabel.
Ludwiga Friedl
Ludwiga Friedl
am Donnerstag, 28.10.2021 - 08:20

Ganz am Rande des Biosphärenreservates Rhön – nicht gerade die besten Standortvoraussetzungen für einen landwirtschaftlichen Betrieb. Aber Familie Hückl hat das Potenzial, das darin steckt, für sich entdeckt.

Agrar-Familie-Hückl-Biogasanlage_LF

Das Biosphärenreservat Rhön endet direkt hinter der Biogasanlage, die Vater Bernd Hückl (61) und sein Sohn Christian (33) gemeinsam betreiben. Was können wir mit unserem Potenzial machen?“, diese Frage treibt die agilen Betriebsleiter um.

Beim Gang über den landwirtschaftlichen Betrieb, den Christian Hückl leitet, der in Triesdorf Landwirtschaft studiert hat, fallen die modernen Geräte ins Auge. Damit werden 380 ha bearbeitet. „Darunter sind aber auch 50 ha extensive Wiesen, die über das Vertragsnaturschutzprogramm nur einmal im Jahr gemäht werden dürfen.“ Das Mähgut wird abgefahren und über die Biogasanlage verwertet.

Die Felder rund um Fladungen verteilen sich auf kleine Parzellen. „Wir bauen sieben verschiedene Früchte an – das meiste für den Eigenbedarf“, erklärt Christian Hückl. Nach Bodenbonitäten gefragt, sagt er, sie reichen von 18 bis 30, an Sand, Kies und Basalt sei die Rhön reich.

Technik entlastet bei der Arbeit

Agrar-Familie-Hückl-Hofladen_LF

Im alten Bullenstall mit 64 Plätzen werden derzeit weibliche Jungtiere gemästet. Der neue Bullenstall hat 240 Plätze und ist voll automatisiert. „Der Holländer braucht keinen Urlaub“, grinst Bernd Hückl angesichts des Trioliet-Fütterungsautomaten.

Auch der Entmistungsschieber läuft automatisch. „Darunter haben wir eine Fußbodenheizung installiert, damit er nicht einfriert“, erklärt Hückl.

Das Tränkewasser kann dank eines Wärmetauschers ebenfalls temperiert werden. Weil jedem Bullen in der Endmast 4,5 m² auf Stroh zur Verfügung stehen, ist der Stall für den Tierwohlstandard 2 zertifiziert. Über die VVG Nordbayern werden die gentechnikfrei gefütterten Tiere an Müllerfleisch vermarktet.

Grillen rund um die Uhr und Eis von der Rosa Kuh

Agrar-Familie-Hückl-Automaten_LF

Die Hückls verkaufen aber auch an Endkunden. „Das geht nur, weil es im Landkreis Rhön-Grabfeld noch zwei kleine Schlachthöfe gibt“, merkt BBV-Kreisobmann Matthias Klöffel an. „In der Hinsicht sind wir im gelobten Land“.

So hat sich auch mit dem ortsansässigen Metzger eine gute Zusammenarbeit entwickelt. Er richtet das Rindfleisch des Betriebs verkaufsfertig her.

Deshalb können die Kunden rund um die Uhr z. B. Rindfleisch-Patties zum Grillen aus dem Automatenhäuschen kaufen. Von einem Studienkollegen stammt das Bauernhofeis, das unter der Marke Rosa Kuh Obermichelbach ebenfalls hier angeboten wird. Weitere Spezialitäten kommen von der Rhöner Eismanufaktur Dermbach. Da bedienen sich nicht nur die Übernachtungsgäste gern, die in der Weihersmühle Urlaub machen, sondern auch Einheimische aus der Stadt Fladungen, die das Angebot im Hofladen schätzen. „Hier haben wir nicht nur das komplette Mühlensortiment, sondern auch alle Grundnahrungsmittel wie Milch und Milchprodukte, Eier, Nudeln und hausgemachte Spezialitäten“, sagt Anabel Hückl (29). Die gelernte Informatik-Kauffrau nutzte ihre Elternzeit, die Bewerbung zum Jungunternehmer-Preis zu schreiben.

Die Früchte des Tuns dürfen die Gäste ernten

Ihre Schwägerin Christiane (37) hat nach ihrer Ausbildung zur Kauffrau im Groß- und Außenhandel noch die Ausbildung zur Fachkraft für Ernährung und Haushaltsführung in Bischofsheim absolviert. Die Früchte ihres Tuns können die Gäste schmecken, zum Beispiel im Bauernbrot oder in den Marmeladen. Einen weiteren Teil des heimischen Obstes veredelt der Seniorchef Bernd Hückl zu Hochprozentigem, der regelmäßig bei der Bayerischen Prämierung preisgekrönt wird, wie seine Schwiegertochter stolz hervorhebt.
Die Backstube ist mittlerweile so erfolgreich, dass fünf festangestellte Teilzeitkräfte aus der nahen Umgebung ebenfalls hier mithelfen. Zu den neun Ferienwohnungen kommt auch ein Rad-Appartement, das zwei Stockbetten beherbergt. Für die vier Campingplätze soll demnächst eine eigene Sanitärstation gebaut werden.
Die Hückls nehmen Anregungen gerne auf, wie sie ihren Gästen den Aufenthalt in der Rhön so schön wie möglich machen können. „Wir haben auch Gäste aus dem eigenen Landkreis, die immer wieder hier Urlaub machen“, berichtet Rosemarie Hückl (68), die sich seit 1993 mit Begeisterung darum kümmert, dass es an nichts fehlt. Noch größer allerdings ist ihre Begeisterung für die drei Enkelkinder Moritz (1,5), Jule (2) und Lenny (5), die überall mit dabei sind.

Große Wertschätzung vor allem von den Kleinen

Wichtig ist der private Bereich. Im Privathaus hat jede Kleinfamilie ihre eigene, abgeschlossene Wohnung. Und weil sonntags mit der Arbeit abgewechselt wird, hat jeder jeden zweiten Sonntag für sich.
Als wegen Corona sieben Monate geschlossen war, fehlte nicht nur ein ganzer Einkommensbereich, sondern auch die Wertschätzung für die eigene Arbeit. Die bekommen die Hückls in normalen Zeiten fast ganz selbstverständlich. Zum Beispiel wenn die kleinen Gäste fragen: „Was machst Du?“ oder: „Dürfen wir mit?“
Das gilt vor Allem für den Umgang mit den drei Ponys, den vier Alpakas, den acht Hasen und den 30 Hühnern. „Das abendliche Einsperren der Tiere ist schon fast ein Ritual“, lächelt Anabel. Sie strahlt: „Das ist das Schöne, dass sich schon die Kinder für unsere Arbeit interessieren.“