Partnerschaft

Traumpartner gesucht

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Anja Kersten
am Donnerstag, 08.10.2020 - 13:08

Viele Menschen sind ein Leben lang auf der Suche nach ihrer besseren Hälfte. Doch eine Beziehung kann man nicht erzwingen. Ein zufriedenes, glückliches Leben ist auch ohne eine Partnerschaft möglich.

Solange man jung ist, ist man ein Single unter vielen. Der Freundeskreis ist groß, viele haben noch keinen Partner und irgendwann wird schon der Traummann, die Traumfrau auftauchen. Gelegenheiten, jemanden kennenzulernen, gibt es genug. Doch wenn immer mehr Freunde und Bekannte eine Beziehung haben oder sogar heiraten und man selbst „übrig bleibt“, kommt man ins Grübeln. Manchmal ist es auch schmerzhafte Realität, dass man verlassen wird oder der Partner sogar stirbt. Es schleichen sich Selbstzweifel ein. Ist man wirklich so unattraktiv und weniger liebenswert als andere? Was ist falsch an einem?

Singles sind nicht anders als andere Menschen

„Gar nichts! Singles sind, auch wenn sie es vielleicht selbst nicht glauben, nicht anders als andere Menschen“, sagt Roman Aigner, Bildungsreferent der Katholischen Landvolkbewegung in Augsburg. In den Singleseminaren, die er seit 14 Jahren begleitet, hat er viele alleinstehende Menschen kennengelernt und er weiß aus Gesprächen, welche Gedanken sie sich machen.

Sie haben unterschiedliche Berufe, darunter auch Landwirt, sie sind nicht weniger attraktiv, nicht anspruchsvoller, nicht weniger gesellig als andere Menschen. Sie sind, wenn man es so sagen darf – und zwar im positiven Sinn – ganz normal. Nebenbei: Der Typ Landwirt „Bauer sucht Frau“ war noch nie in diesen Singles-Seminaren, wie Aigner mit einem Schmunzeln verrät. Er betont, dass dieses Seminar kein Vermittlungsportal für Alleinstehende ist.

Jeder Mensch hat Kanten

RomanAigner

Einer der wichtigsten Punkte, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erleben, ist: Es ist alles an ihnen richtig, sie sind liebenswert und haben, wie jeder Mensch, Ecken und Kanten. Sie müssen sich nicht ändern, wie so viele meinen, um eine Partnerin oder einen Partner zu finden. Allenfalls geht es darum, seine Vorstellungen vom Traumpartner und seine hohen Erwartungen zu überdenken.

„Wenn ein 45-Jähriger eine 25-Jährige sucht, dann wird es schwierig“, formuliert es der Bildungsreferent bewusst überspitzt. Wer sich zu sehr auf ein Beziehungsideal fixiert, engt sich ein und verliert den Blick für die Realität. Man selbst ist nicht perfekt und der mögliche Partner ist es auch nicht.

„Kompromisse einzugehen fällt immer schwerer, je älter man wird,“ weiß der Bildungsreferent aus den Erfahrungen der Teilnehmer: Wenn man 25 Jahre alt ist, bezeichnet man manche Eigenschaft noch als liebenswerte Eigenart, mit 45 sieht man das vielleicht als Makel. Die Frage, ob man mit dieser Eigenart leben kann, hat man sich mit 25 nicht gestellt, mit 45 fragt man sich, ob man auf Dauer damit glücklich werden kann.

Liebe macht blind

Liebe macht blind – das stimmt sicher auch noch, wenn man schon in der Mitte des Lebens steht. Aber so unbedarft und so spontan wie mit 25 ist man dann nicht mehr. Dazu hat man schon zu viel erlebt. Je älter man wird, desto mehr Eigenarten, Gewohnheiten, Erfahrungen, kurz umso mehr Persönlichkeit bringt man mit. Nicht nur man selbst, sondern auch der andere. Das macht das Zusammenleben und das Zusammenwachsen schwieriger als in jungen Jahren.

Manchmal wird eine Partnerschaft jedoch von Singles verklärt: Auch in einer Beziehung hängt der Himmel nicht immer voller Geigen und das Zusammenleben mit einem Partner muss nicht das immerwährende Glück sein. Partnerschaft ist kein Selbstläufer und endlich einen Partner, eine Partnerin gefunden zu haben, ist keine Garantie für Lebensglück.

Auf Dauer will keiner allein sein

Und doch weiß jeder, wie schön es ist, Erlebnisse zu teilen. „Auf Dauer möchte keiner allein leben“, hat Aigner erfahren oder wie es ein Teilnehmer in seinem Seminar treffend ausdrückte: „Ich bin nicht stolz darauf, allein zu sein“. Geteilte Freud ist doppelte Freud, sagt der Volksmund. Man spricht von der „besseren Hälfte“, was heißt, dass man erst mit einem Partner an der Seite vollständig ist.

Genau diesen Mangel und diese Sehnsucht spüren Singles. Auch dann, wenn sie in ihrem Leben gut zurecht kommen. „Sie sind ausgefüllt, aber nicht erfüllt“, benennt der Bildungsreferent diesen Wunsch. Viele Singles sind zufrieden und viele von ihnen sind versöhnt mit ihrer Lebenssituation. Aber sie wissen auch, dass es zusammen noch schöner sein könnte.
Und dann kommt irgendwann die Frage, für wen man arbeiten, für wen man ein schönes Haus bauen sollte, wenn es doch niemanden gibt, mit dem man das teilen kann. Viele Landwirten stellen sich außerdem die Frage, für wen sie den Hof erfolgreich in die Zukunft führen sollen. Lohnt sich die Anstrengung überhaupt noch?

Es ist die Frage nach dem Sinn

Im Grunde ist das nichts anderes als die Frage nach dem Sinn des Lebens, die sich Singles vielleicht früher stellen als Menschen in einer Partnerschaft. Doch wer sein Lebensglück von einem anderen abhängig macht und seine Pläne nur verwirklicht, wenn der Traumpartner kommt, wartet unter Umständen sein Leben lang. Oft hört Aigner folgende Aussage: „Wenn ich einen Partner hätte, dann würde ich dieses und jenes machen.“ Jedoch kann man eine Beziehung nicht erzwingen, oder wie der Bildungsreferent es ausdrückt: „Einen passenden Partner oder eine Partnerin zu finden, das ist ein Geschenk und ein großes Glück.“

Er warnt vor überzogenen Erwartungen: „Einen Partner an der Seite zu haben ist zwar schön, aber mit ihm lösen sich nicht automatisch alle Probleme in Luft auf.“ Sollte ich es mir nicht wert sein, auch für mich allein ein schönes Leben zu führen? „Viele Singles blicken auf das, was sie nicht haben und nicht auf das, was ihnen das Leben an Möglichkeiten bietet“, sagt Aigner. Doch wer immer nur auf das schaut, was ihm fehlt, wer sich selbst nicht liebt, der verbittert und verzweifelt. Und warum sollte jemand anders uns lieben, wenn wir es selbst nicht einmal können?

Die positive Einstellung zum Leben ausstrahlen

Wer dagegen gut zu sich selbst ist und das Gute in seinem Leben sieht, wird zufrieden. Diese positive Einstellung zum Leben strahlt er aus. Er wird attraktiv für andere und öffnet sich damit für Begegnungen und Freundschaften. Ob auch der Traumpartner dabei ist, weiß man nicht.

Aktiv werden: Gelegenheit schafft Liebe

Fahrradtour in der Gruppe

Eine Anleitung oder ein Patentrezept für eine erfolgreiche Partnersuche gibt es nicht, auch nicht in dem Single-Seminar der KLB. Klar ist aber, dass man seinen zukünftigen Partner oder die Partnerin nicht daheim auf der Couch findet. „Dass der Traummann oder die Traumfrau an die Hoftür klopft, ist zwar möglich, aber unwahrscheinlich“, bringt es Roman Aigner augenzwinkernd auf den Punkt.

Deshalb sollte man sich etwas suchen, womit man sich selbst etwas Gutes tut und sich dabei nicht in erster Linie auf die Partnersuche fixieren. Auch ein nettes Gespräch und eine Unternehmung in der Gemeinschaft können das Leben bereichern. Wer gern mit dem Rad unterwegs ist, kann sich zumindest mal zur Probe einer Radgruppe anschließen.

Auch Einkaufen, der Besuch von Veranstaltungen, seien sie fachlich oder kulturell, und Feste sind zwar keine ausgewiesenen Partnerschaftsbörsen, aber Orte, an denen Menschen sind. Selbst wenn man bei diesen Ausflügen oder Veranstaltungen nicht die Frau oder den Mann fürs Leben gefunden hat, kann man sich über dieses Erlebnis freuen.

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