Nachlass

Testament vollstrecken lassen

Ein Mann im Anzug, vermutlich ein Rechtsanwalt schüttelt die Hand einer älteren Dame mit grauen Haaren und Brille. Die beiden Personen stehen je auf einer Seite eines Schreibtisches auf dem Unterlagen liegen.
Michael Fauck - Rechtsanwalt Bayerischer Bauernverband
am Dienstag, 12.01.2021 - 08:00

Ein Testament zu machen, ist das eine, doch wie kann ich mir sicher sein, dass mein letzter Wille auch tatsächlich durchgesetzt wird?

Was ist, wenn sich meine Erben nicht an das halten, was ich im Testament angeordnet habe? Die Lösung kann die Anordnung einer Testamentsvollstreckung sein. Der Begriff mag dem einen oder anderen vielleicht schon einmal begegnet sein, den wenigsten dürfte aber bekannt sein, was sich so alles hinter dem Wort verbirgt.

Zweck und Aufgabe der Testamentsvollstreckung

Mit einer Testamentsvollstreckung wird in erster Linie der Zweck verfolgt, dass die erbrechtlichen Anordnungen des Erblassers auch tatsächlich ausgeführt werden. Sie kann jedoch auch dem Schutz der Erben dienen. Befürchtet der Erblasser etwa, dass nach dem Erbfall Streit unter den Erben entsteht, kann eine Testamentsvollstreckung zur Entschärfung des Konflikts beitragen, wenn dem Testamentsvollstrecker entsprechende Verfügungsbefugnisse eingeräumt werden.

Die Testamentsvollstreckung kann auch dem Schutz des Nachlasses dienen, so etwa wenn ein Betrieb bis zur Klärung der Nachfolge zunächst über einen gewissen Zeitraum als Einheit zusammen gehalten werden soll. Ein Fall für die Testamentsvollstreckung kann des Weiteren gegeben sein, wenn der Erbe noch minderjährig oder geschäftlich unerfahren ist. Und letztlich wird auch beim sogenannten Behindertentestament regelmäßig ein Testamentsvollstrecker eingesetzt.

Eine Testamentsvollstreckung muss vom Erblasser im Testament angeordnet werden. Sie kann nicht von Amts wegen angeordnet werden und die Entscheidung kann auch nicht den Erben überlassen werden. Von der Anordnung der Testamentsvollstreckung ist die Ernennung des Testamentsvollstreckers zu unterscheiden. Anordnen kann die Testamentsvollstreckung nur der Erblasser persönlich. Ernannt werden kann der Testamentsvollstrecker vom Erblasser oder er kann die Auswahl auch einem Dritten, z.B. dem Nachlassgericht überlassen.

Muster einer Testamentsanordnung

„Für meinen Nachlass ordne ich die Testamentsvollstreckung an. Der Testamentsvollstrecker hat die Aufgabe, die Verteilung des Nachlasses vorzunehmen, insbesondere die von mir angeordneten Vermächtnisse und Auflagen zu erfüllen. Zum Testamentsvollstrecker bestimme ich Herrn Max Mustermann. Für den Fall, dass dieser das Amt ablehnt, soll das zuständige Nachlassgericht einen Nachlassverwalter bestimmen.“

Ort, Datum

Unterschrift Erblasser

Wie wird man Testamentsvollstrecker?

Grundsätzlich kann jeder Testamentsvollstrecker werden, der geschäftsfähig ist und nicht unter Vermögensbetreuung steht. Damit scheiden minderjährige oder geschäftsunfähige Personen aus. Behörden oder Altenheimträger können das Amt auch nicht übernehmen. Dagegen können Rechtsanwälte, Steuerberater, Freunde des Erblassers und sogar ein Miterbe zum Testamentsvollstrecker berufen werden. Notare können ebenfalls eingesetzt werden mit Ausnahme des Notars, der das zugrunde legende Testament beurkundet hat.

Wichtig ist jedoch in allen Fällen, dass der Erblasser großes Vertrauen in die gewählte Person setzt. Der künftige Testamentsvollstrecker sollte auch fachlich geeignet sein, denn seine Aufgaben sind vielschichtig und letztlich auch haftungsträchtig.

Rechte, Aufgaben und Pflichten

Das Amt des Testamentsvollstreckers beginnt in dem Moment, in dem er dem Nachlassgericht gegenüber erklärt, dass er das Amt annimmt. Er bleibt so lange im Amt, bis die Testamentsvollstreckung beendet ist, z. B. bis der gesamte Nachlass verteilt ist. Der Testamentsvollstrecker kann aber auch aus seinem Amt entlassen werden oder er kann das Amt von sich aus aufgeben.

Aufgabe des Testamentsvollstreckers ist es vor allem, die Anordnungen des Erblassers im Testament zu erfüllen. Doch das Amt beinhaltet noch viel mehr. Der Testamentsvollstrecker hat den Nachlass nämlich zunächst in Besitz zu nehmen und ihn ordnungsgemäß zu verwalten. Die erste Herausforderung kann dabei also sein, Ermittlungen anzustellen, was alles zum Nachlass gehört. Gibt es Immobilien, Schließfächer, Lebensversicherungen oder sonstige Vermögenswerte? Ist das auf den ersten Blick nicht ersichtlich, sind entsprechende Informationen einzuholen.

Nachlassverzeichnis als wichtiges Kontrollmittel

Ist das Nachlassvermögen ermittelt, hat der Testamentsvollstrecker ein Nachlassverzeichnis zu erstellen und den Erben zur Verfügung zu stellen. Dort sind alle Gegenstände aufzuführen, die der Verwaltung unterliegen. Es ist somit ein wichtiges Kontrollmittel für die Erben.

Im Rahmen der Verwaltung des Nachlasses ist der Testamentsvollstrecker berechtigt, Forderungen einzuziehen, Verbindlichkeiten für den Nachlass einzugehen, Verträge zu kündigen oder auch einzelne Nachlassgegenstände zu verkaufen. Er muss jedoch sein Amt gewissenhaft führen und darauf bedacht sein, das Nachlassvermögen nicht nur zu erhalten, sondern soweit möglich zu vermehren. Der Testamentsvollstrecker ist auch verpflichtet, die Erbschaftssteuererklärung zu erstellen, beim Finanzamt einzureichen und gegebenenfalls zu veranlassen, dass die Erbschaftssteuer bezahlt wird.

Was ist, wenn die Erben dagegen angehen?

Hat der Erblasser in seinem Testament die Testamentsvollstreckung angeordnet, so müssen sich die Erben diesem Wunsch grundsätzlich einmal fügen. Nur in Ausnahmefällen können sie die Einsetzung des Testamentsvollstreckers verhindern. Das ist einmal dann der allerdings eher seltene Fall, wenn der Testamentsvollstrecker geschäftsunfähig ist oder er zur Besorgung seiner Vermögensangelegenheiten einen Betreuer zugewiesen bekommen hat. Weit häufiger tritt der Fall ein, dass die Erben den Testamentsvollstrecker für ungeeignet halten. Formal müssen die Erben in diesen Fällen beim Nachlassgericht den Antrag auf Entlassung des Testamentsvollstreckers stellen. Das Nachlassgericht hat dies dann im Einzelfall zu prüfen.

Das Gesetz sieht vor, dass der Testamentsvollstrecker eine angemessene Vergütung beanspruchen kann, sofern der Erblasser nichts anderes bestimmt hat. Vorrang haben also die Bestimmungen des Erblassers. Ordnet der Erblasser beispielsweise in seinem Testament an, dass der Testamentsvollstrecker kein oder nur ein sehr geringes Honorar bekommen soll, ist die Gefahr sehr groß, dass der Testamentsvollstrecker das Amt gar nicht annimmt.

Hat der Erblasser keine Regelung zur Vergütung getroffen, dann kann der Testamentsvollstrecker eine angemessene gesetzliche Gebühr verlangen. Der Deutsche Notarverein hat hier als Empfehlung eine Vergütungstabelle entwickelt, an der sich der Erblasser orientieren kann.

Welche Vergütung ist angemessen?

Der Deutsche Notarverein hat als Empfehlung eine Vergütungstabelle für Testamentsvollstrecker entwickelt, an der sich der Erblasser für die Regelung der Vergütung orientieren kann.

Vergütungsgrundbetrag bei einem Nachlasswert von :

  • brutto bis 250 000 €: 4,0 % des Nachlasses
  • brutto bis 500 000 €: 3,0 % des Nachlasses
  • brutto bis 2 500 000 €: 2,5 % des Nachlasses
  • brutto bis 5 000 000 €: 2,0 % des Nachlasses

Das Ende der Testamentsvollstreckung

Das Gesetz gibt keine genauen Vorgaben über das Ende der Testamentsvollstreckung vor. Deshalb sollte der Erblasser in seiner letztwilligen Verfügung anordnen, dass mit Erledigung der Aufgaben die Testamentsvollstreckung endet. Soll sich der Testamentsvollstrecker z. B. lediglich um die geregelte Auseinandersetzung des Nachlasses kümmern, so ist die Aufgabe erledigt, wenn alle Nachlassverbindlichkeiten bezahlt wurden und das verbleibende Vermögen verteilt wurde.

Beendet werden kann das Amt auch durch vertragliche Vereinbarung mit den Erben, z. B. dass die Testamentsvollstreckung zu einem bestimmten Zeitpunkt endet oder durch Kündigung seitens des Testamentsvollstreckers. Dieser hat dann die Pflicht, alle Nachlassgegenstände sowie alle in seinem Besitz befindlichen Dokumente an die Erben herauszugeben und sein Testamentsvollstreckerzeugnis wieder dem Nachlassgericht zurück zu geben.

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