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Rauhnacht

Stall und Hof räuchern am Dreikönigstag

Räuchern-Stall-Rauchnacht-Dreikönigstag: Jemand geht mit einem alten stählernem Bügeleisen, aus dessen Öffnung Rauch strömt, durch einen Kuhstall.
Barbara Steiner-Hainz - Molkerei Berchtesgadener Land
am Mittwoch, 05.01.2022 - 15:00

Auf den Bauernhöfen in der Alpenregion sind die Rauhnächte noch eine gelebte Tradition. Tipps zum Räuchern in Haus, Hof und Stall am Dreikönigstag.

Räuchern-Segensspruch_B

Auf den Bauernhöfen in der Alpenregion sind die Rauhnächte noch eine gelebte Tradition. Gemeint sind die zwölf Nächte zwischen dem 25. Dezember und dem 6. Januar, also im Übergang zwischen den Jahren. Sie werden dazu genutzt, in sich zu gehen, zu überlegen, wie war das letzte Jahr, was wünscht man sich fürs neue Jahr? Dazu passt das jahrhundertealte Ritual des Räucherns, das mit Abschluss der Rauhnächte zwischen Weihnachten und dem Dreikönigsfest am 6. Januar endet. In dieser Zeit werden besonders in der Alpenregion nach traditionellem Brauch Haus, Hof und Stall geräuchert. Mensch und Vieh sollen damit vor Krankheiten geschützt und gesegnet und alte, negative Energien verbannt werden. So auch am Hof der Familie Ramstetter im Berchtesgadener Land. Ihre wichtigsten Utensilien sind dabei ein altes Bügeleisen, Kohle, Weihrauch und die Kräuter aus dem geweihten Kräuterbuschen von Maria Himmelfahrt. Im Anschluss an das Räuchern werden die Räume mit Weihwasser gesegnet und die Tiere bekommen gesegnetes Salz ins Futter.

Diesen traditionellen Brauch praktizieren auch normalerweise die Sternsinger-Mädchen und Buben, die am 6. Januar von Tür zu Tür ziehen, ihre Segensgrüße sprechen, mit dem Rauchfass die Hauseingänge räuchern und zum Abschluss mit Kreide die Segensformel an die Türen schreiben: 20 C + M + B 22. Die Buchstaben stehen dabei für „Christus mansionem benedicat“, was aus dem Lateinischem übersetzt „Christus segne dieses Haus“ bedeutet. Aufgrund der Coronapandemie sind in diesem Jahr vermutlich erneut nur wenige Sternsinger unterwegs.

Bei den Ramstetters räuchert Vater Josef am Dreikönigstag selbst. Bei seinen Räuchergang mit dem Bügeleisen begint er in der Stube und endet im Stall, mit dem Räuchern entlang des Futtertisches bei den Kühen und Kälbern.

Interesse für alte Traditionen kehrt zurück

Räuchern-Kräuter-Bügeleisen_B

Alte Traditionen erleben wieder neu gewecktes Interesse. Deswegen hat die Molkerei Berchtesgadener Land auch ihre jährlich stattfindenden Wissenswerkstatt mit einem Räucherkurs ergänzt. Sandra Hörterer, Kräuter- und Räucher-Expertin sowie selber Bergbäuerin, gibt ihr Wissen dabei weiter.

Tipps der Räucherexpertin:

  • Im Haus immer in der Küche beginnen, dann in den Keller.
  • Im Uhrzeigersinn jeden Raum ausrauchen.
  • Ecken und Nischen räuchern, wo oft alte Energien hängen.
  • Auf die eigene Intuition vertrauen.
  • Nach dem Räuchern alles gut durchlüften.
  • Räuchermischung zur Reinigung: Fichte: reinigt Haus von Schwere und Beengtheit; Wacholder: stark reinigend – desinfizierend; Mistel: segnend, stark schützend, neutralisiert Spannungen; Salbei: reinigt, klärt die Raumluft und das Gehirn.
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