Hitzeschutz

Sonnenschutz fürs Fenster: Wie durch eine Sonnenbrille

Jemand bringt an einem Fenster eine Sonnenschutzfolie an. Der Blick auf die Wolken erscheint etwas dunkler.
Stiftung Warentest
am Dienstag, 27.07.2021 - 14:09

Sonnenschutzfolien schirmen Hitze ab und ersparen im Idealfall den Kauf einer Klimaanlage. Wie funktionieren sie, und wo lohnt sich so eine Investition?

Die Sonne auf zwei Quadratmeter Fensterfläche heizt ähnlich wie ein 1500-Watt-Heizlüfter und macht damit den Aufenthalt in manchem Dachgeschosszimmer im Sommer unerträglich. Außen auf den Fenstern angebrachte Sonnenschutzfolien können das verhindern. Sie schicken einen Großteil der Sonnenstrahlen retour gen Himmel.

Die Folien bestehen aus mehreren Schichten, die teils hauchdünn mit Metall bedampft sind. Sie spiegeln große Teile der auftreffenden Strahlung, so dringt die Wärme nicht durchs Fenster. Stark reflektierende Folien lassen nur 13 bis 20 % der Sonnenstrahlen durch. Die Stiftung Warentest hat die Temperaturen in einem Dachgeschoss ermittelt: Durch vier Quadratmeter große schräge Fenster heizt sich der Raum im Hochsommer auf bis zu 56 °C auf. Das ist extrem, aber in Deutschland durchaus möglich. Mit den stark reflektierenden Folien blieb die maximale Temperatur bei 34 °C.

Vor allem für Dachfenster

Dunkle Folien eignen sich vor allem für stark überhitzte Räume im Dachgeschoss. Sie senken die Überhitzungsstunden um etwa zwei Drittel. Empfehlenswert sind hier laut Warentester etwa Bruxafol AX Plus 20 (22,80 € je Quadratmeter ohne, ab 85 € mit Montage) oder Opalfilm silber 20R sr (18,90 € ohne bzw. 79 € mit Montage).

Auf schrägen Dachfenstern stört die starke Spiegelung der Folien keine Nachbarn. Für Wohnräume mit vertikalen Fenstern sind weniger stark reflektierende Folien die bessere Wahl. Sie fallen kaum auf und hielten immerhin 55 bis 60 % der Sonnenenergie ab. Damit verringern sie die Überhitzungsstunden im Raum um mehr als ein Drittel. Die Sicht ist kaum getrübt. Farben erscheinen natürlich. Wenn mehr Helligkeit und natürliche Farben wichtig sind, empfehlen die Tester die weniger stark reflektierenden Folien Bruxafol AX Plus 70 (57 € ohne, 120 € mit Montage) oder LLumar CHE 55 ER HPR (80 €, nur mit Montage). Ob Nachbarn Blendungen akzeptieren müssen, hängt von der Dauer und Intensität ab.

Heizen im Winter und Montage

Mit stark reflektierenden Folien schalten Bewohner in der Dämmerung und mit bewölktem Himmel vermutlich früher das Licht ein. Die Sicht durch das Fenster ist wie durch eine Sonnenbrille. Vor allem rötliche Farben erscheinen verändert. Außerdem entstehen im Winter oft zusätzliche Heizkosten, denn die Folien bleiben dauerhaft auf den Fenstern.

Drei der elf getesteten Folien verkaufen die Anbieter nur mit Montage durch geschultes Personal. Die übrigen Produkte lassen die Wahl zwischen Selbstmontage und Anbringung durch Experten. Der Service ist meist Voraussetzung für die Garantie. Im Test ließen sich alle rückstandsfrei entfernen. An manchen Fenstern blieben Klebereste zurück, die sich mit etwas Montageflüssigkeit und einem Schaber lösen ließen.

Fazit

Im Vergleich zu einem Klimagerät rechnen sich Sonnenschutzfolien trotz der im Winter höheren Heizkosten. Ein Allheilmittel sind sie aber nicht. Soll in Räumen mit großen Fenstern nach Süden, ohne Schatten oder mit schlechter Dämmung die Temperatur dauerhaft weniger als 26 °C betragen, braucht es Rollläden oder Außenjalousien oder eine Klimaanlage. Ist ein solches Gerät bereits vorhanden, muss es mit Folien im Sommer seltener kühlen. Das spart mehr Treibhausgase ein als im Winter für die zusätzliche Heizung wieder verbraucht wird. Die Umweltbilanz der Sonnenschutzfolie ist in diesem Fall positiv.

 

Es gibt noch weitere Alternativen für den Sonnenschutz am Fenster. Hier haben wir einige Lösungen vorgestellt. 

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